Dreck

Wahlkampf und Trumpismus.

Trumpismus wird wohl in das Wörterbuch der Medien auch als ein vielfältiger Begriff agressiver Massenmanipulierung einhergehen, verbunden mit Lügenkampagnen, sogenannten alternativen Fakten, Denunzierungen, Nepotismus, Verunglimpfungen, etc. Insgesamt also eine politische Seuche, gegen deren Viren sich die Demokratien erst als resistent erweisen müssen. In den USA zeigen Massenproteste und Gerichtsentscheide bereits, wie wehrhaft diese Demokratie wirklich ist. Autokraten und autoritäre Systeme fühlen sich allerdings jetzt eher bestätigt, jedenfalls solange sie nicht durch die Sprunghaftigkeit von Donald Trump und seiner Entourage sowie ihrer möglichen Businessinteressen gestört werden.

Die Antwort darauf, Europa selbstbewusster zu machen, ist trotz Brexit richtig. Ebenso aber gehört dazu das Einhalten von Nato- Versprechungen, wie die Ausgabensteigerung für die Verteidigungshaushalte. Das wird das Lager der linken wie rechten USA-Gegner eher stören. Klar ist doch: Europa hat sich auch auf Kosten der USA ausgeruht und seinen Wohlstand gesteigert.

Das Ende der Nachkriegszeit ist insbesondere für Deutschland gekommen. Seine wirtschaftliche Bedeutung als Exportweltmeister erfährt in rasanter Schnelligkeit eine politische Aufladung, die noch vorsichtig in den politischen Denkschulen analysiert wird. Seine Freiheiten, d.h. aber auch Wirtschaftsinteressen, werden nicht mehr nur am Hindukusch sondern auch im östlichen Mittelmeer oder in Mali verteidigt- Die Rolle als europäische Großmacht anzunehmen fällt schwer, was angesichts des historischen Erbes von zwei Weltkriegen in den letzten 100 Jahren nur allzu verständlich ist. Als Antwort auf den Trumpismus, diese Funktion nicht national und isolationalistisch sondern europäisch und weltoffen zu definieren, ist richtig. Dies nicht nur wegen der historischen Vorbehalte gegen ein mächtiges Deutschland sondern weil sich nahezu alle politischen wie gesellschaftlichen Probleme zumeist nur im europäischen Rahmen lösen lassen. Natürlich ist die Welt in den letzten Jahren gefährlicher geworden und der aufkeimende Nationalismus auch in Europa, ob in Ungarn, Polen oder Groß Britannien, ein zusätzlicher Brandbeschleuniger für die politischen Brandstifter. Doch für die Deutschen mit ihren vielen Wahlen in diesem Jahr bietet sich dabei auch die Chance für ein politisches Lehrstück über die Inhalte der Politiken sondern auch wie die politische Auseinandersetzung angesichts des TRUMPISMUS gefahren wird. Schlichtweg also: Wie gehen die politischen Kontrahenten miteinander um. Dies wird im Übrigen innenpolitisch auch eine interessante Beobachtung auf die AFD , ihr Wählerklientel und dabei der Infektionsgefahr anderer Parteien sein.

Das hässliche Gesicht des US-Wahlkampfes hat schon ein wenig hervorgeschaut. Das aus der Union verbreitete Papier über das angebliche europäische Fehlverhalten des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz beruht offenbar auf Dokumenten aus der Verwaltung des europäischen Parlaments. Wer die knapp 10 Seiten genau studiert, findet eher das Gegenteil: eine gründlich arbeitende Brüsseler Behörde, die sich keineswegs verfilzt und ergiebig zeigt. Ein Beispiel: Das Europäische Parlament stellt Markus Engels kurz vor Amtsantritt von Martin Schulz in Brüssel ein. Als Schulz- mittlerweile Präsident geworden –ihn dann nach Berlinentsenden wollte, wo Engels lebte, wurde die vertraglich günstigste Methode gewählt. Wie die FAS schreibt ging Engels auf „Langzeitdienstreise“, „, er bekam nur eine Reise von Brüssel nach Berlinerstattet, durfte keine Kosten für die Unterkunft dort geltend machen und bekam ein gekürztes Taschengeld, das nach zehn Monaten ganz entfiel.“

Vielleicht ist es nicht der Bazillus des Trumpismus, der hier seine Wirkung zeigt, sondern möglicherweise sind es die jüngsten Meinungsumfragen, die das politische Deutschland umpflügen und die Rollen von vermeintlichen Siegern wie Verlierern durcheinander gebracht haben.
Es lohnt sich die Papiere zu lesen und sich dabei eine eigene Meinung zu bilden. Wenn Schulz beispielsweise vorgeworfen wird in einer Fernsehdebatte dafür plädiert zu haben,“ dass jeder persönlich seinen Glauben zeigen könne, aber der öffentliche Raum neutral bleiben müsse“, dann wird hier nur subtil der Antichrist beschworen.

Sicher, in Wahlkämpfen darf hart und deutlich gerungen werden, aber gerade nach den Erfahrungen aus dem US-Wahlkampf sollte es hierzulande heißen „ Gib dem Trumpismus keine Chance.“

Bildquelle: pixabay, User Hans, CC0 Public Domain

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Martin Schmuck

Als Journalist arbeitete Schmuck für die DPA und den WDR und leitete das ZDF-Landesstudio NRW in Düsseldorf bevor er Sprecher des Bundesfinanzministers unter Peer Steinbrück wurde. Heute ist der Autor Kommunikationsberater.


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