Warum nicht Rot bei gestrecktem Bein?

Das was sich bereits an den ersten Spieltagen abzeichnete, hat sich am 12. Spieltag wieder unmissverständlich bestätigt: Der FC Bayern siegt und siegt, auch ohne Lahm, und die Möchtegern-Verfolger scheinen Angst vor der eigenen Courage zu haben, was jetzt schon zu einem Vorsprung der Bayern von sieben Punkten geführt hat. Am Ende der Saison werden es wieder rund 20 Punkte sein, vielleicht sogar mehr, die Meisterschaft jedenfalls ist vergeben.

Also konzentriert sich die Spannung auf den Kampf um die Plätze für die Europäischen Wettbewerbe und auf den Abstieg. Am Tabellenende tummeln sich immer noch die Traditionsvereine Stuttgart, Bremen, Dortmund und Hamburg, wer hätte das gedacht, dazu der Eindringling Freiburg,.

Was bleibt von diesem Spieltag hängen? Die verdiente Heimniederlage von Borussia Mönchengladbach gegen Eintracht Frankfurt und der überraschende Sieg des FC Schalke 04 gegen den hohen Favoriten VfL Wolfsburg. Dabei glänzte Schalke 30 Minuten lang mit effektivem Offensivspiel und einem veränderten, flexibleren Spiel in der Abwehr, verlor dort aber gegen Ende des Spiels etwas die Übersicht. Immerhin sind es jetzt nur noch drei Punkte bis auf einen Champions-League-Platz.

Vor einigen Jahren war es bei den Spielen an der unerfreulichen Tagesordnung, bei Zweikämpfen um einen Kopfball mit dem Ellenbogen – wie von Geisterhand geführt – in das Gesicht des Gegners zu treffen. Die Schiedsrichter haben lange gebraucht, um gegen diese hässlichen, meistens übel verletzenden Fouls konsequent mit gelben Karten vorzugehen. Das geschieht mittlerweile und derartige Unsportlichkeiten kommen immer seltener vor. Dafür macht sich eine andere, in jedem Spiel zu beobachtende, ebenso unerträgliche weil gesundheitsgefährdende Unsitte breit: dem Gegner mit gestrecktem Bein auf den Fuß zu steigen oder mit gestrecktem Bein, die Schuhsohle mit den Stollen voraus, dem Gegner in die Knöchelpartie zu fahren. Diese üblen Fouls werden – noch – nicht konsequent genug geahndet.

Zwei markante Beispiele sind an diesem 12. Spieltag zu nennen: zum einen das gestreckte Bein des Paderborner Spielers Bakalorz mit großer Vehemenz in die Knöchelpartie von Marco Reus, der ins Krankenhaus gebracht werden musste. Als persönliche Strafe zeigte Schiri Stark die gelbe Karte. Sein sinngemäßer Kommentar nach dem Spiel: „Wenn ich mir das jetzt im Fernsehen genau ansehe, komme ich zu dem Schluss, dass ich hätte Rot zeigen müssen!“ Da frage ich mich doch, warum Herr Stark das im Spiel nicht gleich richtig gesehen und  beurteilt hat, das ist doch seine ureigenste Aufgabe; außerdem stand er relativ günstig und nicht weit weg. Wenn das schon keine Absicht von Bakalorz war, was man durchaus zu unterstellen bereit ist,  dann handelte es sich zumindest um grobe Fahrlässigkeit.

Hinzu kommt noch das regulär von Großkreuz zum 3:1 erzielte Tor, dass Schiri Stark wegen angeblichen Abseits nicht anerkannte. Liegen die Gründe für diese zwei, jede für sich spielentscheidenden Fehlentscheidungen darin, dass sie anderenfalls zuungunsten des Heimvereins ausgefallen wären oder weil es gegen Dortmund ging? Immerhin hatte Herr Stark vor einigen Jahren eine Auseinandersetzung mit Borussia Dortmund, in deren Konsequenz er zwei Jahre lang für ein Spiel mit Dortmunder Beteiligung nicht mehr angesetzt worden war.

In München beging der  Hoffenheimer Spieler Szalai mit gestrecktem Bein ein ähnliches Foul, wofür er von Schiri Gagelmann, der übrigens bemerkenswert oft die Bayern pfeift, konsequent direkt  mit Rot bestraft wurde.

 

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


'Warum nicht Rot bei gestrecktem Bein?' hat einen Kommentar

  1. 2. Dezember 2014 @ 13:36 Rasche

    Was so einige SR an den Spieltagen leisten spottet jeder Beschreibung. Herr Ahlenfelder ist leider verstorben. Aber der hat auch mit einen Gläschen noch besseres geleistet wie einige Herren heute. Das Gespann beim letzten Pokalendspiel 2014 in Berlin hatte auch Tomaten auf den Augen. Sonst wäre der Pott in den Pott gegangen.

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