Wasser – der Stoff aus dem das Leben kommt. Zur Zukunft unseres Planeten: Wasserverfügkarkeit

Teil 2: Wasserverfügkarkeit

 

Traditionell stellt ein Hydrologe zur Ermittlung des verfügbaren Wassers eine Wasserbilanz auf, nach Möglichkeit auf der Basis eines natürlichen Flusseinzugsgebietes. Als Input wird dabei das Niederschlagsaufkommen und als Output die Nutzung innerhalb des Systems betrachtet.

Als Niederschlag fallen pro Jahr 113.500 Mrd. m³ auf die Erdoberfläche (vielleicht besser vorstellbar: dies ist der Wasserinhalt von 320 Badewannen (à 150 l) für jeden Menschen auf der Erde). Diese ungeheuer große Menge stellt jedoch lediglich 3,2 ‰ des gesamten Süßwasservolumens der Erde dar und ist zudem bedingt durch das globale Windsystem, das den Wasserdampf in der Atmosphäre transportiert und orographische Besonderheiten (z.B. Luv-Lee-Effekt an Gebirgszügen) regional sehr unterschiedlich verteilt (Abb.3) .

 

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Abb. 3: Verteilung des Niederschlags (mm pro Jahr) und der Bevölkerungsdichte (Einwohner pro km²) auf der Erde (UNEP/GRID 2006)

 

Die Umweltbehörde der Vereinten Nationen UNEP (http://maps.grida.no/) stellt eine aktuelle Weltkarte der Verteilung des Jahresniederschlags einer Karte der Bevölkerungsdichte gegenüber. Es zeigt sich, dass hohe Bevölkerungsdichten nur dort zu finden sind, wo genügend Niederschlag und damit Wasser für die Erzeugung von Nahrungsmitteln und die Nutzung als Trink- und Sanitärwasser zur Verfügung steht. Dies deckt sich auch mit dem Befund, dass heute rd. 50 % der Erdbewohner an irgendeinem Flusslauf  leben. Die Verfügbarkeit von Wasser ist allerdings nicht der einzige Faktor, der die Bevölkerungsverteilung auf der Erde prägt.

Die Weltwasservorräte, hier wird nur das verfügbare Süßwasser berücksichtigt, werden seit 1997 nach einem Vorschlag von J. A. Allan in blaues und grünes Wasser unterteilt. Als blaues Wasser wird das Wasser in Flüssen, Seen und anderen Oberflächengewässern sowie in deren Aquiferen gespeicherte Grundwasser definiert. Grünes Wasser ist dagegen aus dem Niederschlag stammendes Wasser, das direkt oder über das Bodenwasser für die pflanzliche Wasserversorgung und die damit verbundene Evapotranspiration zur Verfügung steht. Nach dieser Definition nutzt Regenfeldbau ausschließlich grünes Wasser, Bewässerungsfeldbau dagegen zusätzlich blaues Wasser. Die Menge des grünen Wassers (71 Mrd. m³/Jahr) ist global gesehen etwa doppelt so groß wie der blaue Wasserfluss. Die Aufteilung in grünes und blaues Wasser ist regional sehr unterschiedlich. Es ist aber festzuhalten, dass die Menge an verfügbarem grünen Wasser entscheidend für die Nahrungsmittelproduktion und  damit die Ernährung der Menschen ist. (Abb. 4).

 

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Abb. 4: Grüne und blaue Wasserflüsse in gemäßigten und tropischen Klimazonen der Erde (nach Falkenmark, 2001)

 

Blaues und grünes Wasser spielen in der Vertiefung zum virtuellen Wasser und Wasserfußabdruck (Teil II) eine wesentliche Rolle. Im folgenden Teil muss aber zuerst erörtert werden, wie der Mensch heute das verfügbare Wasser nutzt.

 

Zum Teil 3: Wasserbedarf und Wassernutzung

 

 

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Gerd Morgenschweis

Der Klima- und Wasserexperte steuerte über zwei Jahrzehnte das Talsperrensystem des Ruhrverbands. Heute lehrt Morgenschweis als Professor Wasserwirtschaft an der Universität Wuppertal.


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