Wenn Arbeit stresst. Kurzzeitberatung als rasche Hilfe in Krisenzeiten reicht oft aus

Knapp 60 Millionen Krankentage jährlich aufgrund psychischer Belastung am Arbeitsplatz deuten nicht nur auf individuelles Leid hin, sondern verursachen Ausfälle an Bruttowertschöpfung in Milliardenhöhe. Dabei sind stress-bedingte Symptome äußerst effektiv zu behandeln, vorausgesetzt, fachgerechte Unterstützung ist schnell zu haben.

Erste Anzeichen psychischer Fehlbelastung zeigen sich zum Beispiel in Unruhe, Angst, Aggression, Anspannung und Schlafstörungen. Bleiben die psychosomatischen Signale unberücksichtigt oder werden sie gar abgetan, besteht die Gefahr, dass sie sich chronifizieren und zu Burnout, Depressionen oder Bluthochdruck führen. Zur Prophylaxe langfristiger Beschwerden haben sich daher Beratungsleistungen bewährt, die von Beschäftigten innerhalb weniger Wochen in Anspruch genommen werden können.

Zwei wesentliche Wege bieten Hilfe: Unternehmen kaufen ein Kontingent von Beratungsstunden externer Anbieter ein und stellen diese ihren Mitarbeitern bei Bedarf zur Verfügung. Erprobt ist auch, dass Krankenkassen ihren Versicherten einen Pool an Beratungsfachkräften einrichten. In beiden Fällen liegt der Mehrwert darin, das Angebot angemessen zu kommunizieren und ein wirksames Case-Management zu realisieren, damit Betroffene rechtzeitig davon erfahren und unkonventionell einsteigen können.

Anspruch ist, Ratsuchende innerhalb von ein bis zehn Stunden bei der Orientierung, Klärung und Bewältigung, bezogen auf ihre Schwierigkeiten, zu unterstützen. Die Gespräche finden in einem geschützten Rahmen mit geschulten Psychologen oder Pädagogen statt. Alle Beteiligten sind zur Anonymität verpflichtet. Anders als im psychotherapeutischen Setting ist der Berater aufgrund des begrenzten Zeitfensters angehalten, sehr strukturiert und systematisch vorzugehen. Er wird den Klienten vertrauensvoll nach Anhaltspunkten seiner Problematik, nach Erwartungen und Befürchtungen, aber auch nach seinen Stärken und Handlungsspielräumen befragen.

Das eigentliche Ziel besteht darin, mit dem Anwesenden brauchbare Lösungsstrategien zu entwickeln und die Umsetzung anzutesten. Das kann in einigen Fällen auch heißen, gemeinsam nach einem Therapieplatz zu suchen oder eine Reha-Maßnahme anzuregen.
Die Praxis professioneller psychosozialer Beratungsverfahren zeigt, dass zeitnahe Interventionen gute Dienste leisten: In über 50 Prozent der Fälle führt dieser Ansatz zu einer signifikanten Verbesserung der Symptomatik und somit zur Reduktion krankheitsbedingter Folgen.

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Kai Lenßen
Über  

Der Psychologe arbeitet im Bereich Umwelt-, Gesundheits- und Verkehrspsychologie. Seit 2005 leitet Lenßen die Beratungsstelle für Psychosoziale und Nachhaltige Entwicklung und ist Lehrbeauftragter an der Universität Düsseldorf.


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