Wie der DFB das Problem der Gewalt verdrängt

In den letzten Jahren tauchte bei Politikern immer mal wieder der Gedanke auf, den Fußball, d.h. seine verantwortlichen Institutionen an den Kosten für den Polizeieinsatz bei Fußballspielen, insbesondere bei so genannten Risikospielen zu beteiligen. Nach der dann prompt geballt einsetzenden Entrüstung von Fußballliga, Fußballbund und natürlich seitens der Vereine verschwand dieses Ansinnen ebenso schnell wieder in der Versenkung. Jetzt aber ist das anders. Der Bremer Senat hat doch wirklich beschlossen, „den Fußball“ an den bekanntermaßen enormen Kosten der Polizeieinsätze zu beteiligen.

Gemäß dem Motto „Wehret den Anfängen“ hat sich der Deutsche Fußballbund erst gar nicht lange mit Gesprächen aufgehalten, sondern gleich die große Keule zum Einsatz gebracht und auf Antrag der Liga das am 14. November stattfindende EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar kurzerhand von Bremen nach Nürnberg verlegt. Damit wurde aber weniger der Bremer Senat, als vielmehr der fußballinteressierte Zuschauer aus Bremen und dem Umland getroffen. Das Ziel dieser Maßnahme bestand sicherlich auch gar nicht darin, den Bremer Senat gewissermaßen abzustrafen, sondern den übrigen Ländern zu signalisieren, zu welch knallharten Reaktionen der Deutsche Fußballbund in einem solchen Fall nicht nur fähig, sondern auch bereit ist.

Die nach Erringung der Fußballweltmeisterschaft euphorische Grundstimmung in der Bevölkerung und die nahezu ins Unermessliche gestiegene Reputation des deutschen Fußballs wurden sozusagen instrumentalisiert, um im Sinne des Deutschen Fußballbundes Druck auf die zuständigen politischen Institutionen auszuüben. Es drängt sich dabei die Frage auf, wo die Länderspiele stattfinden würden, wenn sich alle 16 Länder im Sinne des Bremer Beschlusses wider jegliche Vorstellungskraft einig wären?

Es kann nicht sein, dass mit der kompromisslosen Reaktion des Deutschen Fußballbundes eine Diskussion über Sinn oder Unsinn oder die gesetzmäßige Konformität einer finanziellen Beteiligung, die, nebenbei gesagt, weder die Vereine noch den Deutschen Fußball in den finanziellen Grundfesten erschüttern würde, entfacht und von den eigentlichen Problemen abgelenkt wird. Diese Fragen sind ohnehin zweitrangig, denn sie gehen am eigentlichen Kern der Probleme vorbei und werden sicherlich nicht in absehbarer Zeit juristisch endgültig entschieden, wenn überhaupt.

Wichtiger ist doch, den Problemen der zunehmenden Gewaltbereitschaft vor allem auch außerhalb der Stadien und der immer häufigeren Anwendung von Pyrotechnik in den Stadien auf den Grund zu gehen und Lösungen zu deren Vermeidung zu finden. Welchen echten Beitrag liefert dabei der Fußball? Der Einsatz von Fanbeauftragten, Sozialarbeitern und  Kontaktbeamten ist gut und richtig, aber einer bestimmten Gruppe, den sogenannten Hardlinern, ist damit nicht beizukommen, die Praxis zeigt es ja. Und wenn der vom DFB gerne vorgebrachte Hinweis auf allgemeine gesellschaftliche Probleme und Ursachen dazu dient, um von eigener (Teil-)Zuständigkeit abzulenken, ist das wenig hilfreich.

 

 

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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