Warntafel Sicherheit

ZUNEHMENDE UNSICHERHEIT DURCH STEIGENDE EINBRÜCHE!

Bereits vor einiger Zeit hat der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, sich sehr besorgt über den Anstieg der Einbruchskriminalität gezeigt. Seit 2007 ist die Zahl der Einbrüche und Einbruchsversuche um mehr als 50 % gestiegen – auf rund 170.000 im letzten Jahr. Da sich in den meisten Haushalten ein guter Teil des gewachsenen Wohlstandes befindet, hat die Attraktion für Einbrecher stark zugenommen. Elektronische Geräte, Schmuck, Gemälde sowie andere wertvolle Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände, aber auch zum Teil viel Bargeld locken immer mehr Gangster an, in Häuser und Wohnungen einzudringen. Solches Diebesgut ist schnell und einfach zu verkaufen – zumeist jedoch zu Schleuderpreisen. Oft genug ist der verursachte Sachschaden an zertrümmerten Fensterscheiben, an gewaltsam aufgebrochenen Türen und an Zerstörungen in den Wohnräumen hoch und besonders ärgerlich.

Immer mehr Einbruchsbanden aus dem Ausland

Im Vordergrund steht bei den Einbrüchen die Beschaffungskriminalität. Allerdings handelt es sich bei den Tätern nicht mehr nur um lokal orientierte Menschen, sondern in zunehmendem Maße um Einbrecherbanden. Nicht wenige davon sind sogar international vernetzt und entsenden gezielt Täter auf Raubzüge- vor allem nach Deutschland. Das Diebesgut wird dann im Ausland in Bargeld verwandelt – zumeist in Mittel- und Osteuropa.

Sehr geringe Aufklärungsquote

Rein statistisch betrachtet findet alle 3 Minuten ein Einbruch hierzulande statt. Am meisten betroffen sind die norddeutschen Regionen um Hamburg und Bremen sowie Nordrhein-Westfalen. Seltener wird in den Freistaaten Bayern, Sachsen und Thüringen eingebrochen. Die Mehrzahl der Einbrüche und Einbruchsversuche findet zeitlich am späten Vormittag oder frühen Abend statt. Die Aufklärungsquote ist gering; sie ist sogar von fast 20 % im Jahre 2007 auf inzwischen gerade noch 15 % gesunken. Kriminologen weisen zudem darauf hin, dass nicht einmal 3 % der Täter wirklich verurteilt werden. Im Umkehrschluss heißt das, dass 97 % der Einbrecher durchaus zu ihren kriminellen Aktivitäten ermutigt werden.

In seinem „Einbruch-Report“ hat der Gesamtverband der Versicherungen analysiert, dass der typische Einbrecher männlich, überwiegend unter 30 Jahre alt und ledig ist. Von den rechtskräftig -zumeist recht milde- verurteilten Tätern stammt mehr als die Hälfte aus dem Ausland. Die Verurteilung durch die deutschen Gerichte schreckt also nur wenig ab, zumal auch das Risiko, gefasst zu werden, für den Einbrecher minimal ist. Experten sprechen deshalb schon seit längerem von einem „krassen Versagen des Staates“ in diesem Bereich der Kriminalitätsbekämpfung. Das führt dazu, dass viele Bürger und Bürgerinnen sich in ihren eigenen vier Wänden immer weniger sicher vor Einbrechern fühlen, die oft genug nicht nur als einfache Diebe, sondern als gewalttätige Räuber in Wohnungen und Häuser eindringen.

Hohe private Investitionen in die Sicherheit

Immer mehr Bürger und Bürgerinnen verlassen sich längst nicht mehr auf den Staat beim Schutz ihres Eigentums. Sie investieren selbst in mehr Sicherheit, um sich vor Einbrechern zu schützen. Die Hersteller von speziellen Türschlössern und Alarmanlagen sowie Tresoren melden kräftige Umsatzanstiege. Allerdings halten die meisten -immerhin 87 %- eine aufmerksame Nachbarschaft für die beste Prävention. 85 % setzen zusätzlich auf einbruchsichere Türen und Fenster, 80 % auf Alarmanlagen. Allerdings sind manche Schutzmaßnahmen recht teuer. Deshalb lohnt es sich, vor größeren Investitionen in die Sicherheit der eigenen vier Wände den fachlichen Rat vom Polizei-Netzwerk „Zuhause sicher“ einzuholen. Denn viele Einbrecher lassen sich von manchen präventiven Maßnahmen nicht wirklich abschrecken. Das gilt auch für recht teure Alarmanlagen: Die Stiftung Warentest hat bereits vor einiger Zeit festgestellt, dass drei von fünf Geräten mit der Note „mangelhaft“ zu versehen seien.

Weil die Zahl der Einbrüche so stark ansteigt, hat die Politik schon vor Jahresfrist beschlossen, zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Haushalten zu gewähren, die ihr Haus oder ihre Wohnung einbruchssicherer machen. Bei Neubaumaßnahmen gibt es zinsverbilligte Kredite bis zu 50.000 €, bei Umbauvorhaben mit Kosten zwischen 2.000 und 15.000 € Zuschüsse von 10 % der Gesamtsumme. Die Nachfrage nach diesen KfW-Angeboten ist recht hoch; die Bundesregierung hat das Volumen der Fördermittel auf 50 Mio. € festgesetzt.

Staatliche Verantwortung für die Sicherheit seiner Bürger

So sehr diese finanziellen Hilfsaktionen des Staates zu begrüßen sind, sie bedeuten letztlich nicht mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein – angesichts von 40 Mio. Haushalten in Deutschland. Die Politik muss deshalb auf allen Ebenen für viel intensivere polizeiliche Aufklärungsmaßnahmen und Präventionsprogramme sorgen. Völlig zu Recht hat der Kriminologe Christian Pfeiffer schon im vorigen Jahr darauf hingewiesen, dass jeder Wohnungseinbruch für die Betroffenen eine besondere Belastung bedeutet, die Privatsphäre verletzt und die Geborgenheit der Wohnung zerstört. Damit werden Befürchtungen und Ängste erzeugt – bei vielen Menschen, die an der staatlichen Garantie der inneren Sicherheit zweifeln oder gar verzweifeln. Viele von ihnen könnten allzu leicht den Law and Order-Parolen rechtspopulistischer Rattenfänger glauben und zu ihrer politischen Gefolgschaft werden. Die AfD surft mit ihrem Programm bereits auf einer gefährlichen Welle und fordert, „den Staat und seine Organe wieder in den Dienst der Bürger zu stellen“.

In ihrer Neujahrsansprache hatte die Bundeskanzlerin verkündet, dass „der Staat alles tut, um seinen Bürgern Sicherheit in Freiheit zu gewährleisten“. Dies zielte nach dem Berliner Attentat auf die Bekämpfung von Terroristen ab. Doch ebenso sollte auch der staatliche Kampf gegen Einbrecher allen staatlichen Organen ein großes Anliegen sein – mit mehr polizeilicher Prävention und Präsenz, mit mehr staatsanwaltschaftlicher Verfolgung und härteren Richtern. Denn -so Angela Merkel nach der jüngsten CDU-Bundesklausur- „jeder hat ein Recht auf Sicherheit“.

Bildquelle: Wikipedia, Karl Gruber (K@rl), CC BY-SA 4.0

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'ZUNEHMENDE UNSICHERHEIT DURCH STEIGENDE EINBRÜCHE!' hat einen Kommentar

  1. 21. Februar 2017 @ 19:11 Oliver Felinger

    Spannender Artikel!
    Um ehrlich zu sein, finde ich es aber kaum verwunderlich, dass es so viele Einbrüche in Deutschland gibt. Die meisten Wohnungen und Häuder sind kaum gesichert, Diebe können sich innerhalb von Sekunden mit einfachsten Werkzeugen (Schraubenzieher) Zutritt verschaffen!
    Ich habe einen Panzerriegel an meiner Wohnungstür montiert), das schreckt nicht nur ab, sondern sorgt wirksam dafür, dass die Wohnungstür zu bleibt und die Langfinger draußen!
    Beste Grüße
    Oli

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