Manch einem dürfte in den letzten Wochen (seit den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin) ein Satz ins Gedächtnis kommen, den der damalige Oppositionsführer Friedrich Merz am 23. November 2023 dem seinerzeitigen Bundeskanzler Olaf Scholz entgegengeschleudert hat:
„Sie sind ein Klempner der Macht. Ihnen fehlt jede Vorstellung davon, wie dieses Land sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll.“
Nun ist das Handwerk eines Klempners oder – korrekt nach den Bestimmungen der Handwerksordnung und weniger umgangssprachlich – eines „Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK)“ durchaus ein ehrenwerter Beruf. Jeder, der schon einmal händeringend einen Installateur oder einen Klempner für eine Reparatur in seiner Wohnung gesucht hat, würde diesem Handwerker niemals die Achtung und den Respekt verweigern. Ein Klempner ist einer, der macht, einer, der Ordnung schafft, Installationen erledigt, der macht, was der Kunde will und von ihm erwartet.
Doch Merz‘[1] „Klempner der Macht“ an die Adresse von Olaf Scholz war ja seinerzeit nicht als Kompliment und als Anerkennung für handwerkliche Kunst gedacht, sondern sollte Olaf Scholz verächtlich machen.
Heute jedoch gibt es in der Union – und auch in anderen Parteien, einschließlich der stoßseufzenden FDP – Viele, die sich freuen würden, wäre Friedrich Merz doch wenigstens ein Klempner der Macht: jemand, der macht, was von ihm erwartet wird, der die Mechanismen des politischen Handwerks beherrscht, der seine Maßnahmen abstimmt und gut vorbereitet, der den Durchblick hat und auch die Weitsicht, der kommunikativ auf der Höhe ist und der auch emotional sein kann, der Empathie zeigt und Sympathie erzeugt.
Ein politischer Klempner, der etwas macht, ist allemal besser als jemand, der sein Handwerk nicht hundertprozentig beherrscht.
Ein Handwerker, der seine Arbeit leistet und seine Aufträge zur Zufriedenheit seiner Kunden erledigt, findet Zustimmung, wird weiterempfohlen und erwirbt sich Vertrauen. Solche, die nur Versprechungen und Ankündigungen machen, aber nichts schaffen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie schlechte Noten erhalten.
Politik braucht Grundsätze und Ziele, sie braucht ein Werte- und Koordinatensystem., sicherlichauch große Reden, Slogans und öffentliche Auftritte. Aber sie braucht auch und vor allem das politische Handwerk. Das bedeutet nicht nur Leidenschaft, sondern Ausdauer, Technik, Gespräche und Diskurs, Fähigkeit zum Kompromiss, Geduld und Realismus.
Politisches Handwerk bedeutet aber nicht nur Organisationsfähigkeit und das Abarbeiten von Vorgängen, sondern auch zuhören, vermitteln, motivieren, Mehrheiten gewinnen, Konflikte aushalten und Menschen für ein Ziel gewinnen.
Ein Politiker sollte seine Arbeit nicht mit den Antworten beginnen, sondern damit, die richtigen Fragen zu stellen und zuzuhören. Zugewandtheit schafft mehr Sympathie als abgehobene Entrücktheit. Wer Emotionen weckt und Sympathie erzeugt, findet eher ein offenes Ohr als derjenige, der von „oben herab“ redet.
Handwerk – das sind nicht nur Worte und Parolen, sondern das sind auch und zuvörderst die sogenannten „soft skills“.
Friedrich Merz könnte sein derzeitiges Tief ins Gegenteil verkehren, wenn er eine Vorstellung davon entwickeln und präsentieren würde, wie unser Land in der Zukunft aussehen soll. Und wenn er dann auch noch das politische Handwerkoptimal beherrschen würde, dann könnte aus ihm noch ein richtig guter und anerkannter Klempner der Macht werden.
Vielleicht wird es ja doch (noch was). Die Hoffnung stirbt zuletzt
„Klempner der Macht“ wäre dann kein Vorwurf mehr, sondern ein Ehrentitel.
Bildquelle: Elf-Moondance! pixabay













