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Genüssliche Gerüchte-Küche zu Habermäusen und Weizsäcken

Philipp Sonntag Von Philipp Sonntag
18. März 2026
Carl Friedrich von Weizsäcker und Jürgen Habermas.

© MPI zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt

 

In Bayern ist „Hab‘ a Maß“, sofort jedem klar. Außer vielleicht in Starnberg. Dort hat in den 1970er Jahren ein hellwacher Soziologe, Jürgen Habermas, mit seiner Gesellschaftskritik etliche Konservative erschreckt, nicht nur in der CSU – sogar in der Max Planck Gesellschaft. Dabei war Habermas anfangs alles andere als leichtverständlich. Mir gefiel die „Übersetzung“, der damals teils arg verschnörkelten Texte von Habermas „ins Deutsche“, vorgelegt von Karl Popper, der die Sprachen von Adorno und Habermas als Obskurantismus bezeichnete.

Mich wollte Habermas  damals aus dem Forschungs-Institut rauswerfen, weil ich als gelernter Physiker seine Mitarbeiter, die „Habermäuse“ satirisch kritisierte – anstatt bei meinen Leisten, sprich Leistungsgrundlagen der Physik zu bleiben.

Aber erst mal seriös. Was heute eine KI aus Google dazu meint:

„Die Begriffe beziehen sich auf eine spezifische wissenschaftspolitische Auseinandersetzung in Deutschland Anfang der 1980er Jahre, insbesondere rund um das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt.

Habermäuse: Dies war eine umgangssprachliche Bezeichnung für die Arbeitsgruppe um den Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas am Max-Planck-Institut in Starnberg. Diese Gruppe beschäftigte sich mit Themen wie „Krisenpotentiale spätkapitalistischer Gesellschaften“ und vertrat eher gesellschaftstheoretische Ansätze.

Weizsäcke (Weizsäcker-Leute): Dies bezeichnete das Umfeld bzw. die Forschungsgruppe um den Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker, der ebenfalls am Starnberger Institut tätig war.

Kontext: Es handelte sich um unterschiedliche Forschungsansätze und eine Art „Poker um Arbeitsplätze“ und wissenschaftliche Ausrichtungen in den späten 1970er/frühen 1980er Jahren. Die ‚Habermäuse‘ brachten fertige Pläne für Arbeitsbereiche ein, während die Ausrichtung des Instituts insgesamt umstritten war.

Wichtige Akteure:

Jürgen Habermas: Sozialphilosoph, prägte die ‚Habermäuse‘.

Carl Friedrich von Weizsäcker: Atomphysiker und Philosoph, Vertreter der ‚Weizsäcker-Leute‘.“

Mit der Emeritierung des einen Direktors, Weizsäcker, wurde das Institut geschlossen. Alle (fast) verloren ihren Job. Da gab es heftige Debatten. Es bewarb sich zwar mal ein etablierter Ökonom um die Nachfolge von Weizsäcker als Direktor, der wollte mit uns reden. Das ging gründlich schief: Wir verlangten von ihm so viel „Rettung der Welt“, wie bei Weizsäcker gewohnt. Er verließ uns in Panik.

Nein, alle (fast) von uns wollten eigentlich die Welt retten. Das gelang nicht, trotz einer Fülle interessanter Ideen. Habermas beendete die Farce, indem er seinen Posten als Direktor verließ, pointiert mit den Worten: „Ich halte nicht meinen Kopf hin für eine Playboy-Kultur“. Damit waren wir, die Mitarbeiter gemeint. Natürlich fühlten wir uns gekränkt, hilflos, unfair behandelt, denn immerhin konnten wir wohl ein paar brauchbare Resultate vorweisen.

Aber wenn ich mal einen Moment ehrlich bin: Wir Mitarbeiter*Innen hatten (fast) alle eine genüssliche Dosis Playboy*Girl Kultur mit dabei. Anders hätten wir doch den alltäglichen, unsäglichen Streit zwischen Habermäusen und Weizsäcken gar nicht ausgehalten.

Die Habermäuse meinten, wir Weizsäcke wären krankhaft bürgerlich. Sogar Fau Hering, die Sekretärin von Habermas meinte, unsere Sorge um den Atomkrieg sei ausschweifend und überflüssig. „Und überhaupt“, frei nach Tucholsky, wer wie wir „das System“ nicht hingebungsvoll kritisiert, der sei gesellschaftlich blind. Das System, das war nie etwas anderes als das kapitalistische System gemäß Marx.

Ich protestierte gerne, indem ich sagte, ich sei ein Kapitalist (alle wussten, dass ich ein Gesellschafter der Gautinger Firma „Rossmann Feinelectric GmbH“ war) und zeigte auf die erste Seite eines Projektberichtes, da stand nur das Wort „Ergebnisbericht“. Ich meinte: „Da steht nur ein einziges Wort und das hat schon einen Druckfehler“. Weil, kaum hätten die Habermäuse mal wieder den alsbaldigen Zusammenbruch des Kapitalismus „nachgewiesen“, dann würde mit Eifer dieselbe These erneut geprüft. Deshalb müsse doch auf der ersten Seite „Erlebnisbericht“ stehen.

Heiß-sporige Kampfhähne beim Streit waren zum Beispiel Volker Ronge und ich. Ich meinte, er würde wohl bald verhungern, weil mit seinem penetranten Fokus auf Kapitalismus da will ihn doch kein Arbeitgeber haben. Das war eine Täuschung: Volker Ronge lehrte schon ab 1982 als Professor für Allgemeine Soziologie an der Bergischen Universität Wuppertal und war von 1999 bis 2008 deren Rektor. Und er war nach und nach ein genüsslich-verschmitzter, dabei weiterhin präziser Forscher geworden – das sagte mir allein schon mein Eindruck von vergnüglichen Bildern aus den nächsten Jahrzehnten.

Umgekehrt war die Kritik der Habemäuse an uns Weizsäcken auch hart. Was uns mehr und mehr auffiel war, dass zwar Habermas die Kritik seiner Habermäuse an uns durchaus unterstützte, auch teils „tatkräftig“. Hingegen Weizsäcker hielt sich da raus. Viel später erfuhren wir ein passendes Gerücht: Weizsäcker war über den Wildwuchs unserer Forschungsprojekte durchaus besorgt und hatte Habermas gebeten, doch uns mal in Richtung Wissenschaftlichkeit zu ermahnen.

Bald fand Habermas einen fundierten Ansatz: Kaum jemand bei den Weizsäcken arbeitete an Projekten, zu denen die eigene Ausbildung passte. So auch bei zwei Physikern, Utz-Peter Reich und mir, bei einem ökonomischen Projekt. Ursprünglich waren zehn weitere, also insgesamt 12 Mitarbeiter*Innen am Projekt beteiligt, mit Einbeziehung von „Umwelt“. Teils waren es Bibliothekarinnen, das war von uns Wissenschaftlern als Erweiterung durch „gesellschaftlich Betroffene“ gewollt – und durchaus anregend. Die zehn wurden vergrault, stattdessen kam eine junge Ökonomin zum Projekt, um „die Wissenschaftlichkeit“ durchzusetzen. Das ging gründlich schief, sie fand das Projekt rundum unsinnig. Wir durften das Projekt zwar noch abschließen, dann aber wurde der etablierte Prof. Gottfried Bombach zur Beurteilung eingeladen; uns drohte die Entlassung. Völlig überraschend fand Bombach unser Ergebnis toll, er schrieb sogar das Vorwort für unser Buch: „Arbeit-Konsum-Rechnung – Axiomatische Kritik und Erweiterung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“. Köln: Bund Verlag 1977, 252 S.).

Habermas war „sichtbar“ frustriert. Und Ich hatte ihm verschwiegen, dass ich in München gleichzeitig ab dem 3. Semester Physik auch noch an der „Hochschule für Politik“ studiert hatte, zum Abschluss hätte nur noch ein Semester gefehlt. Aber alsbald wurde ich dort Dozent.

Eine gewisse Erbitterung ergriff Habermas. Auch ein Projekt über Entwicklungsländer missfiel ihm. Als der Weizsäcke Otto Kreye in USA mit einem Professor darüber sprach, da rief in dem Moment Habermas an, und warnte vor Otto. Der erkannte Habermas an seiner damals schnarrenden Stimme.

„Im Grunde“ waren unsere beiden Direktoren zwar super gescheit, hatten jedoch zunächst wenig Erfahrung als Wissenschaftsmanager. Für beide war das Geschehen bis zur Schließung des Institutes hoher Stress. Beide setzten sich enorm dafür ein, dass ihre Mitarbeiter*Innen einen neuen Job fanden. Man ging am Ende zähneknirschend friedlich auseinander.

1971 hatte ich eine Art „Faschingszeitung“ herausgegeben, mit dabei eine Proklamation meines Eindruckes vom MPI und der damaligen VDW (Vereinigung Deutscher Wissenschaftler)“:

„Max Plank Institut zur Erfühlung der Lebensbesingungen der gewissenhaft rechtschaffenen Welt“. Und dort auf Seite 4: „Offiziöse Proklamation der Vereinigung Keuscher Gefühlsschaftler“ zu Wohl und Wehe des menschlichen Geschlechtes:

  1. Wir Gefühlsschaftler tragen die Verantwortung
  2. Wir sind tief beunruhigt
  3. Wir lehnen jede Verantwortung ab.“

Zum Ende unseres Instituts erinnere ich einen Tag, an dem wir Weizsäcke einige Journalisten eingeladen hatten, um unsere so hoch „verantwortliche“ Arbeit und deren „wertvolle“ Ergebnisse darzulegen. Das brachte ein chaotisches Durcheinander zwischen Rechtfertigung und Resignation. Einem der zusehends kritischen Journalisten bot ich an, noch kurz mit auf mein Zimmer zu kommen, ich könnte ihm brauchbare Resultate aushändigen. Er kam. Auf dem Weg kamen wir an einem kleinen Bad vorbei, in dem junge Damen quietschvergnügt beim Duschen waren. Auch der Journalist hatte im Vorbeigehen sichtlich schmunzelnd einen guten Eindruck. Kaum waren wir in meinem Zimmer, gab es einen Anruf, ob ich auch gerne mit zum Duschen kommen möchte. Ich antwortete, ich sei gerade in einer Aktion, würde dann gerne kommen. Ich gab dem Journalisten das Material. Bis ich zum Bad kam, waren alle weg. Viele Jahre sinnierte ich noch wehmütig, was ich da wohl an genüsslicher “Efrauzipation“ versäumt hatte.

In den Jahrzehnten danach bis zu seinem Tod am 14. März lebte Habermas weiter in Starnberg. Ich überlegte, wie sollte ich ihn ansprechen, etwa bei einer Begegnung in der S-Bahn? Vielleicht schmunzelnd etwa so: „Sinn und Verstand verlier‘ ich schier, Seh‘ ich den Junker Satan wieder hier!“. Doch meine Einstellung zu ihm hatte sich stark positiv verbessert. Was er zum Beispiel 2001 über die „Die Zukunft der menschlichen Natur“ publizierte schrieb, und 2009 über „Willensfreiheit“, fand ich höchst einfühlsam, und inzwischen längst gut allgemeinverständlich.

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