• Über uns
  • Freund*innenkreis
  • Verein
  • Autor*innen
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Archiviert
  • Contra AfD
Sonntag, Februar 1, 2026
Blog der Republik
Advertising
  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!
Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!
Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
Blog der Republik
Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
Home Politik

Parlamentarische Streifzüge durch 75 Jahre Bundestag: Die Vertrauensfrage von Gerhard Schröder zum Afghanistaneinsatz 2001

Norbert Bicher Von Norbert Bicher
11. Dezember 2024
Gerhard Schröder

Die Szene ist bizarr. Kaum hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse unter dem Beifall der Koalitionsfraktionen SPD und Grüne das Ergebnis der namentlichen Abstimmung verlesen, eilt eine Frau, einen Schal in den Farben des Regenbogens um den Hals,  aus den hinteren Reihen des Plenums nach vorn auf Bundeskanzler Gerhard Schröder zu. Sie gibt ihm hastig die Hand und gratuliert. „Ich freue mich, dass Ihr weiter regieren könnt.“ Perplex umarmt Schröder die Abgeordnete für den Bruchteil einer Sekunde und wendet sich dann ab.

Verwundert verfolgt der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck aus der ersten Reihe des Plenums die Szene. Ausgerechnet Christa Lörcher, Abgeordnete aus Villingen-Schwenningen als erste Gratulantin. Und Schröder umarmt sie auch noch.

Bis einen Tag vor dieser Debatte am 16. November 2001, in der der Kanzler wegen des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr die Vertrauensfrage stellte, gehörte Lörcher der SPD-Fraktion an. Seit 1993 war die Sozialdemokratin über die baden-württembergische Landesliste im Bundestag. Eine Rebellin war sie nicht. Unauffällig und effektiv arbeitete sie im Ausschuss für Familie, Senioren und Jugend, war stellvertretendes Mitglied im außenpolitischen Ausschuss und gehörte dem Europarat an.

Keine Frau, die sich für den großen Auftritt inszenierte. Jetzt aber wagt sie ihn. Lörcher wollte als überzeugte Pazifistin die Entscheidung der Bundesregierung nicht mittragen, bis zu 3900 Bundeswehrsoldaten zum Kampf gegen Al Quida und die Taliban in Afghanistan in der internationalen „Operation Enduring Freedom“ bereit zu halten und notfalls zu entsenden.

Nach dem Anschlag von 9/11 auf die Twin Towers in New York hatte Bundeskanzler Schröder den USA „uneingeschränkte Solidarität“ zugesagt, die Nato hatte erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall ausgerufen. Für die Bundesregierung war klar, dass sie sich einer Unterstützung in diesem Kampf nicht entziehen könne.

Der Widerstand in den Fraktionen von SPD und Grünen waren groß. 20 Abgeordnete der SPD signalisierten eine Woche vor der Abstimmung, eher nicht zuzustimmen, acht Abgeordnete der Grünen legten sich strikt auf ein Nein fest.

„Die Wasserstandsmeldungen wurden von Tag zu Tag beunruhigender“, schrieb Peter Struck in seinen Memoiren. „ Eine eigene Mehrheit für den Kampf gegen den Terrorismus schien in immer größere Ferne zu rücken. Der Zustand wurde zunehmend dramatischer, weil sich viele der Zweifler in ihren Wahlkreisen bereits festgelegt und der Basis versprochen hatten, einem entsprechenden Bundeswehreinsatz nicht zuzustimmen.“

In dieser Situation entschloss sich Schröder, die Entscheidung mit der Vertrauensfrage zu verbinden. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wurde die Vertrauensfrage an eine Sachfrage gekoppelt. Die Medien werteten den Entschluss des Kanzlers auch als einen Hieb gegen den Fraktionschef, der die Aufständischen offensichtlich nicht zur Raison bringen konnte.

Für Struck begannen zermürbende, nicht immer freundliche Einzelgespräche. Endlich, einen Tag vor der Abstimmung, konnte er Schröder melden, er habe die Fraktion bis auf eine Stimme hinter dem Antrag versammelt.

Christa Lörcher aber wollte sich nicht beugen. Sie schrieb an die Fraktion. „Ich wünsche mir, dass Pazifismus in der SPD … immer noch einen Platz hat.“ Und weiter, sie wolle ihre Arbeit bis zum Ende der Legislaturperiode fortsetzen: „Wenn dies nicht innerhalb unserer SPD-Fraktion möglich ist, dann – das würde ich sehr bedauern – außerhalb unserer Fraktion.“

Die Version von Struck liest sich ein wenig anders: „Sie hatte ihrem Gewissen nicht nachgeben können, war aber aus der SPD-Fraktion ausgetreten, um als Abgeordnete nicht gegen den eigenen Kanzler stimmen zu müssen.“

Die Widerständler in der Grünen-Fraktion einigten sich darauf, die Nein-Stimmen von ursprünglich acht auf vier zu reduzieren, um die Kanzlerschaft nicht zu gefährden. Damit reichten an jenem 16. November die 336 Stimmen der Koalition, zwei mehr als notwendig, um Kanzler und Rot-Grün zu retten.

Für immer in Erinnerung: Christa Lörcher, die Frau mit dem Friedensschal, im Arm des Kanzlers, dem sie die Stimme versagte. Trotz ihrem Austritt aus der Fraktion blieb sie Sozialdemokratin und wurde 2022 für ihr soziales und friedensbewegtes Engagement von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Bildquelle: Wikimedia, Mehr News Agency, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons,

Print Friendly, PDF & EmailAusdrucken/PDF erstellen:
Teilen Sie diesen Artikel:
Instagram
Vorherigen Post

Offenes Rennen

Nächster Beitrag

CDU-Vize Spahn: 1000 Euro plus Freiflug für jeden Syrer, der geht – Besinnlicher Advent im Wahlkampf

Nächster Beitrag
Jens Spahn

CDU-Vize Spahn: 1000 Euro plus Freiflug für jeden Syrer, der geht - Besinnlicher Advent im Wahlkampf

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaut mal hier

  • Justizskandal im Sauerland: Das von Charlotte Merz, Ehefrau von Bundeskanzler Friedrich Merz, geleitete Amtsgericht erließ einen rechtswidrigen Durchsuchungsbeschluss gegen eine junge SPD-Frau 08.09.2025
  • Geschichtsrevisionismus: Basteln an der „zweiten Geburt“ 15.4.2025
  • Leak zu Zwei-Klassen-Struktur beim BSW - Sahras Knechte 22.2.2025
  • Sätze aus dem Wahlprogramm der AfD - und was sie bedeuten 18.2.2025
  • Kulturbegriff der AfD : Aufgeladen mit völkischer Ideologie 5.2.2025
  • Das Spiel der Lobbyisten und Politiker: Erik Ahrens – Ein tiefer Fall innerhalb der rechtsextremen Netzwerke 23.1.2025
  • Petition: Finger weg von unserer Demokratie, Herr Musk 3.1.2025

UNSER NEWSLETTER

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 3.016 Abonnenten.

Prüfen Sie Ihren Posteingang und den Spamordner, um Ihr Abonnement zu bestätigen.

Werbung

[the_ad id="27291"]

Letzte Kommentare

  • Philipp bei Donald allein zuhaus – Voller Mitleid von Gerd Eisenbeiß
  • Fritz Goergen bei Vor und hinter der politischen Kulisse – Ein Nachruf auf Peter Radunski
  • Dr. Marianne Bäumler bei Putins Repression ist totalitär und imperial. „DAS VERSAGEN“ – Eine notwendige Kritik am deutschen Appeasement.
  • Philipp bei Die Europäer reiten geopolitisch ein totes Pferd. Nida-Rümelins Buch „Der Epochenbruch“

UNSER NEWSLETTER

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 3.016 Abonnenten.

Prüfen Sie Ihren Posteingang und den Spamordner, um Ihr Abonnement zu bestätigen.

  • Trending
  • Comments
  • Neueste
Friedensdemo Bonn, Oktober 1981

Grüne und Krieg — Partei-Austritt des Gründungsmitglieds Ulfried Geuter

18. März 2024
Alice Weidel, Elon Musk und Esel, Screenshot Tik Tok

ARD-Wahlarena – Weidels Lügen sind Methode

18. Februar 2025
Screenshots von TikTok_Accounts aufgestachelter Bauern oder AfDlern oder anderen "Empörern"

Aufruf zur Bauerndemo in Berlin, AfD-Anhänger und andere Rechtsextreme mobilisieren.

24. Oktober 2024
Feigenblatt

Alice Weidel: Das lesbische Feigenblatt und das Familienbild der AfD

1. Januar 2025
Friedensdemo Bonn, Oktober 1981

Grüne und Krieg — Partei-Austritt des Gründungsmitglieds Ulfried Geuter

Screenshot ARD-Mediathek zur Sendung von Caren Miosga

Talk bei Miosga: Die Entlarvung der Sahra Wagenknecht

Kriegszerstörungen in der Ukraine

Ukraine: Verantwortungsbewusstes Handeln statt gefährlicher moralischer Überheblichkeit

Mauer in der NS-Ordensburg Vogelsang mit NS-Adler im Mauerwerk

Lasst Höcke regieren!

Bodenbild_ Kind streicht AfD-Schriftzug mit Kreide durch

Niemand soll sagen können, er oder sie habe das nicht gewusst …

31. Januar 2026
Wochenmarkt, Zeichnung: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)   

WOCHENMARKT: Von Hoffnungen in Mainz und von einem „Hauskaplan“ im Sauerland

31. Januar 2026
Chinesischer Drache

Eine unglaubliche, wahre Geschichte – Über die Ein-Kind-Politik, Adoption, Menschenhandel in China

30. Januar 2026
Trump und Putin auf dem G20 Gipfel, 2017

Mit Putin Reden? Über den Krieg, den er führt? Man lese mal die Rede von Karl Schlögel nach

29. Januar 2026

BLOG DER REPUBLIK

Blog der Republik

Kategorien

  • Allgemein
  • Buchbesprechungen
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Politik
  • Wirtschaft

Kategorien

  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Standpunkte

Schlagwörter

AfD CDU Demokratie EU Frieden Merz NoAfD Rechtsextremismus Ukraine wehrhafte Demokratie

© 2026 Blog der Republik.

Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!

© 2025 Blog der Republik