Artikel von Norbert Bicher

Norbert Bicher

Als Parlamentskorrespondent der „Westfälischen Rundschau“ arbeitete Bicher als Journalist, bevor er 1998 Pressesprecher der SPD-Bundestagsfraktion wurde. Er war Sprecher des SPD-Fraktionsvorsitzenden wie auch des Bundesverteidigungsministers Dr. Peter Struck.


Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher
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Willy Brandt über Verbrecher und andere Deutsche – Wie der SPD-Politiker 1945 bei seiner ersten Rückkehr aus der Emigration das Nachkriegsdeutschland sah

Es war ein „gespenstischer Traum“. Als sich Willy Brandt 1945 von Oslo aus aufmachte, um für das norwegische sozialdemokratische Arbeiterbladet über das zerstörte, aber befreite Deutschland zu berichten, ahnte er nicht, dass die Trümmerwüsten weit größer waren, als er sie in den Filmwochenschauen in Oslo und Stockholm wahrgenommen hatte. „Schreckliche Visionen“, Bilder, die ihn nachts…

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Heinrich Böll und die „Stunde Nichts“

Diesen Augenblick hatte er „herbei gesehnt, herbei gebetet, herbei geflucht“. Nichts wünschte er dringlicher als die Befreiung durch die amerikanischen Soldaten, um immer noch an den Endsieg glaubende und verirrte Nazi-Deutsche hinter sich gelassen zu haben. Doch dann, als die ersehnten Befreier am Mittag des 9. April 1945 in Brüchermühle, einem kleinen Kaff im Bergischen…

Auschwitz Gedenken
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Als Heinrich Böll das Schweigen über Auschwitz brach

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 eine Erinnerung daran, wie der spätere Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll 1954 das Verschweigen und Verdrängen der systematischen Vernichtung der europäischen Juden durch die Deutschen brach. Keine fröhliche Osterbotschaft Eine fröhliche Osterbotschaft war es nicht. Was Heinrich Böll in der Gründonnerstagsausgabe der „Kölnischen Rundschau“ am…

Einbahnstraße
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„Steindumme Floskeln“ der Politikverachtung

Es mag Zufall gewesen sein. So viele Literaturpreise, so viele Reden bei den Events, so viel literarische Selbstverliebtheit. Vielleicht ein Grund, dass die Danksagung von Juli Zeh bei der Verleihung des mit 30 000 Euro dotierten Heinrich-Böll-Preises der Stadt Köln medial so echolos blieb. Ein Freitagabend (8. November) im Kölner Rathaus. Ein gesellschaftliches Ereignis. Mehr…

Patronen
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Bundeswehr schamlos für Karrieresprünge

So schamlos ist die Bundeswehr noch nie zum Spielball für Karrierespiele missbraucht worden. Verteidigungsministerium und Armee als Versuchsfeld, das angeschlagene Image einer potenziellen Merkel-Nachfolgerin durch ein Ministeramt aufzuwerten. Ein Ministeramt, das die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer bislang strikt abgelehnt hatte. Kleiner Wortbruch – dann geht die Parteivorsitzende dorthin als Ressortchefin, wo parteipolitische Eindeutigkeiten nicht über Gebühr…

George W. Bush
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Goslar, 21. Januar 2003, Marktplatz

Die Abfuhr kam aus der niedersächsischen Provinz. So klar wie an jenem Januarabend in Goslar 2003 hatte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder noch nie gegen den drohenden Krieg der USA gegen den Irak gestellt. Unmissverständlich rief er den Menschen zu, die zu seinem Landtagswahlkampfauftritt gekommen waren: »Rechnet nicht damit, dass Deutschland einer den Krieg legitimierenden Resolution…

Werner Höfer
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Köln, 20. Dezember 1987, WDR

Der Sturz war tief. Aber der Mann mit der hohen Stirn, der dunklen Brille und der sonoren Stimme inszenierte sein Ende an diesem 20. Dezember 1987, als gehe es ihn nichts an. Sonntags um zwölf, ARD. Pflichttermin für politikversessene Hörer und Fernsehzuschauer seit 1952 – seit Werner Höfer, der auch schon in jungen Jahren der…

Hand- und Fußabdruck von Hildegard Kned
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Regensburg, 21. Februar 1951, Rathaus

Die Kritiker überboten sich in Abscheu. »Ein Faustschlag ins Gesicht jeder anständigen deutschen Frau!«, tobten die einen auf Flugblättern. Andere, darunter katholische Priester, warfen Stinkbomben in Kinosäle. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Josef Frings, Erzbischof von Köln, warnte sein Kirchenvolk in einem Hirtenbrief eindringlich: »Ich erwarte, dass unsere katholischen Männer und Frauen, erst recht…

Kölner Dom
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Kölscher Klüngel, Kölner Chaos

„Kölner Chaostage“, titelte die FAZ im April, als wieder einmal bundesweit über den Kölner Klüngel berichtet wurde. Eine vorsichtige Untertreibung. Aus den Tagen sind Monate geworden. Köln als permanentes Chaos. Politisch jedenfalls. In der größten Stadt von NRW, der viertgrößten Deutschlands, sollten die Bürger von einer kleinen Clique Volksvertreter nach allen Regeln der Kunst über…