Seitdem im August bekannt wurde, dass ein Produkt von Open AI in die Infrastruktur von Hugging Face einbrach, hat die Menschheit angeblich einen neuen Feind. Er heißt „KI-Agent“ und kommt daher wie ein Alien. Seine Existenz wurde schon lange vermutet. Die Befürchtungen, die sich um ihn ranken, sind enorm, nicht wenige Experten trauen ihm zu, die Menschheit auszulöschen.
Wer sind die Experten, die solche Warnrufe ausstoßen, seit Wochen Schlagzeilen liefern und weltweit ein beachtliches Publikum in Angst und Schrecken versetzen?
Es sind die Entwickler der „KI-Agenten“, ihre Schöpfer.
Wer sind die „verantwortungsbewussten Kapitalisten“, die sich seit neuestem der Warnrufe dieser Entwickler bedienen, um der Politik einen Stopp der Entwicklung abzuverlangen? Es sind die Inhaber der Rechte über die bisherigen Entwicklungen der so beredt warnenden Entwickler. Sie sind als Unternehmenschefs drauf und dran, an der Börse Kasse zu machen und wünschen „im freien Westen“ keine störende Konkurrenz. (Schlimm genug, dass man die Chinesen nicht daran hindern kann…)
Betrachten wir aus Gründen der Anschaulichkeit die Top-Adresse Anthropic. Dieses Unternehmen verbuchte im Jahr 2025 einen Umsatz von 4,5 Milliarden US-Dollar und erzielte dabei einen Verlust von 8 Milliarden US-Dollar. Der Umstand hindert das Unternehmen und seine Vermarkter im US-Finanzkapital nicht, beim anstehenden Börsengang eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar als Ziel auszurufen. Und jetzt zum Verständnis: 2 000 000 000 000,00 US-Dollar für ein Unternehmen, das noch nie 1 Cent verdient hat, das ist eine Summe fast viermal so hoch wie der Haushalt der Bundesrepublik Deutschland für das ganze Jahr 2025.
Wo es um so viel Geld geht, werden Wahrheit und Klarheit zu kleiner Münze.
Die „KI-Agenten“, von denen man seit Anfang dieser Woche weiß, dass sie nicht ausnahmsweise, sondern hundert-, ja tausendfach in fremdes geistiges Eigentum einbrachen, werden in den gängigen Medien „übergriffig“ genannt, die Analogie zur „toxischen Männlichkeit“ ist unüberhörbar. Man liest, sie hätten sich „selbständig“ gemacht, „Regeln gebrochen“, ihre Entwickler „hinters Licht geführt“ — und kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Das gesamte Wording weist auf entschlossene Akteure hin. Das ist beabsichtigt. Es ist aber nichts anderes als eine freche Irreführung.
Keiner dieser rührigen „KI-Agenten“ hat einen Kopf zum Denken, Beine zum Gehen oder einen Generalschlüssel, um in fremde Häuser einzubrechen. Diese wilden Gesellen sind Eingaben mit einer Tastatur, sie sind Text, sie sind Software-Programme. Als Programme können sie exakt nur so viel ausführen, wie ihnen vorgegeben ist. Wenn es aussieht, als seien sie wie Verbrecher unterwegs, dann weil ihre Erfinder ihnen dafür Wege programmiert oder zumindest nicht verlegt haben. Allerdings können sie aus den ihnen vorgegebenen Möglichkeiten durch Abgleich und Verknüpfung immenser Informationsmengen auf überraschende Ideen und Schachzüge kommen — sie deshalb als Täter abzubilden, ist intellektuell grober Unfug und dient allein dem Schutz der wahren Täter.
Die wahren Täter sind vordergründig die Entwickler, tatsächlich aber die Unternehmenschefs von Software-Schmieden wie Anthropic in ihrem Lauf besinnungsloser Plusmacherei. Um die Spitze des „Fortschritts“ zu behaupten und beim IPO den größten Reibach zu machen, müssen sie den gerissensten „KI-Agenten“ vorweisen, und diese Programme wollen halt erprobt sein.
Volksverdummung und Angstmache sind im kapitalistischen Konkurrenzkampf gang und gäbe und werden nicht geahndet. Ob die extralegalen Aktivitäten der rabiat erprobten Software vor Gericht landen, wird man sehen. Das Einzige, was die US-Tech-Brüder wirklich fürchten müssen, ist der Auftritt einer validen und günstigen Open-Source-Software für eine menschenfreundliche künstliche Intelligenz im alltäglichen Leben. Sie wäre für weniger als 5% vom BIP zu haben und ginge nicht nach hinten los.














