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Am Vorabend der Leipziger Buchmesse – Vom Gewandhaus zur Verleihung des „Luchs“-Preises 2025 für Kinder- und Jugendliteratur

Hans Otto Rößer Von Hans Otto Rößer
28. März 2026
Buchcover "Sternsee" mit Luchs-Logo von Waechter

Am Vorabend der Leipziger Buchmesse 2026 wurde im Ring-Café der von der Wochenzeitung Die Zeit und Radio Bremen gestiftete und mit 8000 Euro dotierte „Luchs“-Preis des Jahres 2025 vergeben. Die Vergabe dieses Preises für Kinder- und Jugendliteratur erfolgt wie beim Tor des Monats: Aus den monatlichen Siegern wird von einer Jury der Jahressieger ausgewählt. Der „Luchs“-Preis wird monatlich seit 1986 vergeben, als dotierter Jahres-Preis seit 1997. Die öffentliche Preisvergabe am 18. März war die letzte, das Format des „Luchs“-Preises endet. Beide Institutionen, Die Zeit und Radio Bremen, versprechen aber, „literarisch herausragende Bücher für junge Leserinnen und Leser“ weiterhin zu fördern. Die Zeit will in Eigenregie einen Kritikerpreis vergeben und zusätzlich soll eine Zeit-Leo-Kinderjury ein Buch auszeichnen, „das aus Kinderperspektive besonders überzeugt“.[1]

Zur öffentlichen Vergabe des Preises hatte mich meine Frau mit angemeldet. Sie musste mich überreden. Das ausgezeichnete Buch Der Sternsee, sein Verfasser Will Gmehling und der Illustrator des Buches Jens Rassmus waren mir bis zu Beginn der Veranstaltung unbekannt. Ich kam ohne Erwartung.

Im Vorbeigehen

Beim kurzen Weg von der Innenstadt zum Roßplatz passierten wir den Augustusplatz und das Gewandhaus, an dem, ebenfalls an diesem Abend, die Eröffnungsfeier der diesjährigen Leipziger Buchmesse stattfand. Zu dieser Veranstaltung kann man sich nicht anmelden, man wird geladen: Honoratioren der Stadt und des Landes, die Creme der Verlage und Buchhandlungen, Prominente. Als wir am Platz vorbeigingen, versammelten sich die ersten Protestierenden mit Plakaten und roten Karten, die sie den Gästen mit der Bitte in die Hand drückten, sie dem mit Spannung erwarteten Redner des Abends, dem „Kulturstaats“-Minister Wolfram Weimer, zu zeigen. Weimer hat auch an diesem Abend keinen Fettnapf ausgelassen. Nach seiner Anwendung des „Haber-Verfahrens“, also der Nachfrage beim Bundesamt für „Verfassungs“-Schutz, ob möglicherweise zu fördernde Einrichtungen auch frei vom „Extremismus“-Verdacht seien, soll er, so die Glosse von Andreas Platthaus in der FAZ vom 20. März, für ein „Habermas-Verfahren der rationalen Verständigung“ plädiert haben. Die Anwesenden waren nicht amüsiert, manche fühlten sich wohl veräppelt. Seine Rede wurde immer wieder von lauten Buhrufen unterbrochen, „Tumult im Leipziger Gewandhaus“. Diese Rufe vereinen Positionen, die Weimer mit durchaus unterschiedlicher Tragweite kritisieren. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, kritisiert Weimers „autokratischen Gestus“, will aber selbst auch kein Geld für „Staatsfeinde“ ausgegeben sehen und gebraucht diesen Begriff synonym mit dem selbst schon problematischen Grauzonenbegriff des „Verfassungsfeindes“. Konsequenter Weise verlangt er von Weimer nur die Offenlegung der Gründe, die zum Förderungsausschluss von drei Buchhandlungen geführt haben, nach Guggolz „linke, keine linksextremen Buchhandlungen“ (Interview in der FAZ, 20.03. 2026).

Im Gegensatz zu dieser durchaus staatstragenden Kritik gibt, zu meiner Überraschung, Thea Dorn in der Zeit vom 19. März zumindest Hinweise darauf, worin das Problem eines Verfahrens besteht, das bereits Claudia Roth, aber auch alle ihre Vorgänger im Innenministerium ungeniert und geräuschlos angewendet haben. Weimers Tölpelhaftigkeit komme hier sogar das Verdienst zu, auf dieses Problem aufmerksam gemacht zu haben, ein Problem, das „noch größer“ sei „als Wolfram Weimers Überforderung“. Sie sieht es zutreffend, aber leider ohne ausreichende Argumentation im „Konzept“ der „wehrhaften Demokratie“ und darin, dass ein Geheimdienst, dessen Arbeit naturgemäß „im Dunkeln“ stattfindet, darüber befindet, wer „Verfassungsfeind“ ist und wer nicht. Das Problem besteht also nicht so sehr darin, dass Weimer die Gründe, die zum Förderungsausschluss geführt haben, nicht veröffentlicht, sondern dass ein Apparat der Exekutive, der gegenüber den NSU-Morden „versagt“ habe (und, füge ich hinzu, die damalige NPD mit geleitet hat), darüber befindet, welche gesellschaftlichen Kräfte demokratiekompatibel sind und welche nicht.[2]

Die Kunst des Kalauerns beherrscht übrigens nicht nur Weimer, sondern auch seine Gegner können sie wirksam einsetzen. Zum Renner wurden auf der Messe Flyer und Plakate mit rotem Hintergrund und Weimers lachendem Gesicht und der Aufschrift „Willkommen in der Weimerer Republik“. Ich stelle mir vor, wie der geniale Kasseler Schauspieler Bernd Hölscher mit sardonischem Grinsen Weimer fragt, ob das auch noch lustig ist.

Am Roßplatz

Die Preisverleihung verlief viel besser, als ich befürchtet hatte. Das lag nicht so sehr an der mit Superlativen nicht sparenden und mit breiten literaturwissenschaftlichen Kenntnissen und Begriffen glänzenden Laudatio von Dita Zipfel, sondern an dem daran anschließenden Gespräch mit Will Gmehling und Jens Rassmus. Die beiden haben sich freundlich und höflich für die Lobrede bedankt, blieben aber in der Sache sehr zurückhaltend, als sei ihnen dieses gehäufte Lob eher unheimlich und als könnten sie nicht so ganz glauben, was Dita Zipfel da über ihr Buch zu wissen meinte und was sie sich über die Arbeitsweise der beiden dachte. Irgendwann zitierte Gmehling in diesem Gespräch, das vom Vorlesen aus Passagen des Buches mehrmals unterbrochen wurde, etwas, was er seinem Ich-Erzähler in den Mund legt: „Wenn man über etwas schreibt, was man kennt, wird es immer richtig.“ Es ist offenbar auch die Maxime seines eigenen Schaffens.

Es gibt Situationen, wo ein Autor seine Zuhörer durch eine Vorlesung und ein Gespräch über sein Buch begeistern kann, das Buch aber die dadurch geweckten Erwartungen später, when the music is over, nicht erfüllt. (Es gibt auch den umgekehrten Fall: gute Schriftsteller, die schlechte Redner sind.) Meine Frau hat noch an diesem Abend das Buch am Verkaufstisch gekauft und gleich gelesen. Ich habe es auf der Rückfahrt von Leipzig nach Kassel gelesen und wurde nicht enttäuscht.

An und Auf dem Sternsee

Die Geschichte, die dieses Buch erzählt, beginnt mit einer kurzen Ortsangabe: ein Wohnblock in einer Siedlung, vor diesem Hochhaus, das mindestens 11 Stockwerke hoch ist, ein See mit einer Insel. Der See ist zackig, nicht rund und wird aufgrund dieser Form Sternsee genannt. Im Sommer kommen Leute nicht nur aus der Siedlung, sondern „von woanders“, um an diesem See Picknick zu machen. Danach werden die vier Hauptprotagonisten der Geschichte eingeführt. Zwei Mädchen: Anastasia und Sissi, Mo und der Erzähler, der anfangs vom „Wir“ dieser Gemeinschaft und erst später von sich als „Ich“ spricht. Diese vier wohnen im selben Haus und gehen auf dieselbe Schule. Sie sind vielleicht 12 Jahre alt, ein bisschen älter als die Leserschaft, die der Verlag im Blick hat. Im Januar des knappen Jahres, von dem erzählt wird, friert dieser See ein. Die vier Freundinnen und Freunde sehen zum ersten Mal einen zugefrorenen See. Das ändert ihre Freizeitgestaltung. Was außergewöhnlich beginnt, wird zu einem Wunder: Als der Schnee wegtaut und es Frühling wird, bleibt der See zugefroren. Fernseh- und Radioleute kommen, sogar die Kinder werden befragt, Klimaforscher grübeln ergebnislos über das Phänomen. Die weisen Männer im Viertel, die Seher und Eckensteher, machen sich ihren Reim darauf. Der Kioskbesitzer prophezeit eine neue Eiszeit. Das Eis auf dem See bleibt auch im Sommer, die Aufregung ist vorbei, die Medienleute und die meisten Wissenschaftler bleiben fern, für die Siedlungsbewohner wird das Eis zur Normalität, der alte Alltag ist zurück, das neue Schuljahr beginnt und dann, in einer warmen Septembernacht, beginnt plötzlich das Eis zu knacken, es beginnt zu tauen, das Geräusch lockt die Bewohner des Wohnblocks auf die Balkone, dann ans Seeufer, die Fernsehleute sind auf einmal wieder da, die vier Freunde stehen jetzt zusammen am Ufer und fassen sich an die Hände, „das kam ganz von allein, das hatten wir noch nie gemacht“. Zum unfasslichen Wunder des Sees tritt der Zauber der gefühlten Verbundenheit.

Katharina Mild, Mitglied der Jury des „Luchs“ und Mitarbeiterin bei Radio Bremen, kontrastiert in einem Radiobeitrag, in dem sie das prämierte Buch vorstellt, das Wunder des dauervereisten Sees mit dem „Milieu“, in dem die Kinder leben, angeblich „Außenseiter am Rand der Gesellschaft“, nie Gesehene, nie im Mittelpunkt stehend und gefangen in einem grauen Alltag. Nicht genug, dass sie damit mehr über ihre Distanz zu den dargestellten Menschen als über diese selbst aussagt, schreckt sie auch nicht vor dem Klischee zurück, diese Menschen „einfach“ zu nennen. Ist sich Katharina Mild bewusst, dass sie den herablassenden Blick des Bürgertums auf die da unten reproduziert, der komplexen, nuancierten Persönlichkeiten auf die Simpel des Volks? Walter Benjamin hat für die Warte dieses Blicks die „taube Subtilität des Bürgers“ verantwortlich gemacht. Man müsste hier von der Selektivität des Sehens und Lesens, wenn nicht von Blindheit reden.

Gewiss, die Heldinnen und Helden dieses Buches mögen nicht so elaboriert sprechen wie die Kinder der Oberschicht. Woher auch? Mo kommt aus dem Senegal, Anastasia aus Russland. Der Ich-Erzähler braucht Förderung in Mathematik und Rechtschreibung, aber er resigniert nicht, wird nicht zum Schulflüchtling, sondern geht stoisch jeden Tag zur Schule und gibt da sein Bestes. Sie mögen noch wenig von der Welt kennen, in den Sommerferien bleiben sie zuhause, sie liegen am Ufer des Sees und wenn es ihnen heiß wird, kühlen sie sich auf seiner Eisfläche ab. Sie waren noch nie in Spanien oder Italien, sie wissen nicht, was ein TGV ist und wie man das ausspricht und waren noch nie damit zu allen wichtigen Städten Frankreichs gereist. Ihr Alltag ist nicht durchgetaktet, nach der Schule gehen sie nicht zum Geigen- oder Klavierunterricht und sie haben keine Termine in Sportvereinen oder Verabredungen zum Kinobesuch.

Das aber macht ihren Alltag nicht „grau“. Sie genießen das Glück einer unreglementierten, einer selbstregulierten Kindheit nach der Schule. Das ist nicht dasselbe wie Verwahrlosung oder unbehütet zu sein. Sie machen das, was vor einigen Jahren zu einer normalen Kindheit zählte: Sie sind draußen, sie spielen Fußball, bauen sich Höhlen, basteln sich Pfeil und Bogen und manchmal machen sie auch ein bisschen Scheiß oder hängen nur ab. Und als der See vereist und das Eis begehbar wird, nehmen sie das, was verfügbar ist: Anastasias Vater kauft ihr für fünf Euro gebrauchte Schlittschuhe, Sissi bekommt die alten ihrer Mutter. Übung darin haben sie noch nicht, der Eintritt in die Eissporthalle neben dem Hallenbad kostet für Kinder 5,80 Euro, zu teuer. Mo und der Ich-Erzähler fahren auf Mos Schlitten. Der Mangel lähmt nicht, sondern macht erfinderisch und stärkt die Freundschaft.

Soziale Unterschiede erfahren sie in der Schule, aber ihre Wahrnehmung ist nicht mit Scham besetzt, sondern führt zu einem realistischen Blick auf das, was möglich ist. Im neuen Schuljahr spricht den Ich-Erzähler sein früherer Klassenlehrer darauf an, dass sein Ranzen schmierig sei und er sich einen neuen besorgen solle. Der Ranzen ist von einem Nachbarsjungen an ihn weitergegeben worden, man wirft brauchbare Dinge nicht weg, man „vererbt“ sie. Der Ich-Erzähler lehnt den Rat des Lehrers ab und verteidigt den alten Ranzen mit den Raketenbildern darauf, gibt aber dem Urteil des Lehrers stillschweigend recht. Natürlich hätte er gerne einen neuen Ranzen wie der eines anderen Schülers, aber der hatte 300 Euro gekostet. Seine Mutter würde er nie mit dem Wunsch behelligen, ihm so einen teuren Ranzen zu kaufen. Er wünscht nicht unbedacht und fordert schon gar nicht. Er ist klug und weiß, welche Wünsche seine Eltern verzweifeln lassen könnten, weil sie nicht die Mittel haben, sie zu erfüllen.

Vor der Pubertät

In dieser wunderbaren Eiszeit des Sees passieren noch andere, irdische Wunder. Ihr Symbol ist der majestätische Flug des Reihers, der auf der Insel im See wohnt. Anfangs ist er zerzaust wie ein Zoo-Tier, doch dann ist sein Gefieder wie ausgewechselt, glatt und silberhell.

Das erste Wunder besteht darin, wie der Ich-Erzähler mit der Schulaufgabe umgeht, etwas darüber zu schreiben, was das Eis auf dem See im Leben der Bewohner des Viertels ausgelöst habe. Hier fällt die Maxime, darüber zu schreiben, was man kennt. Was der (vermeintlich) schwache Schüler über dieses Thema zu sagen hat, gefällt sogar seinem Lehrer Plump, der nur so heißt, aber es nicht ist. So beginnt die Befreiung von der (Selbst-) Stigmatisierung als „Schulversager“.

Das zweite Wunder ist, dass sich der Blick des Ich-Erzählers auf Sissi ändert. Sissi ist das Mädchen mit einer türkisen Jacke und grünen Augen und wenn sie lächelt, geht ein Mundwinkel nach oben und einer nach unten. Und auf einmal wird sie „das Schönste, was ich je gesehen hatte“. Eines Tages im neuen Schuljahr verabredet er sich mit ihr, um in die Stadt zu fahren. Während alle anderen Viertel S-Bahn-Anschluss haben, müssen sie dafür den Bus nehmen. Das wird registriert, nicht bejammert.

In der Innenstadt sehen sie schicke Cafés, teure Läden, Männer auf Rollern und Frauen, die ihre Kinder im Lastenfahrrad spazieren fahren. Das sind fremde Eindrücke, aber sie provozieren keine Befremdung oder gar Abwehr. Es sind „die Unterschiede“, über die der Erzähler später in Ruhe nachdenken will. Die beiden leisten sich eine Tüte Pommes und verbringen den Rest des Nachmittags damit auf einer Parkbank: „Wir redeten oder saßen einfach so da, beides war gleich gut.“ In der Ruhe, die dieser wunderbare Satz spüren lässt, hält ein Übergang inne: Man ist noch Kind, aber kein kleiner Junge mehr. Man ist noch nicht Jugendlicher, aber wird es bald sein. Es gibt schon das schwache Versprechen des Erwachsenenlebens, aber es ist noch frei von den Höllenqualen der Pubertät, durch die man hindurch muss, um dieses Erwachsenenleben zu erfahren. Es ist nicht die „erste Liebe“, wie die Verlagswerbung für das Buch meint. Es ist das Kurz-davor-Sein vor dieser ersten Liebe. Auch ist dieses Näherkommen noch ohne Ausschluss, führt nicht zur Auflösung der Freundesgemeinschaft. Als die beiden in das Viertel zurückkommen, treffen sie Anastasia und Mo. Mo hat sich vor Kurzem hinter der Turnhalle „wegen Anastasia“ geprügelt. Auch hier bahnt sich vielleicht eine Paarbildung an. Jetzt aber essen sie gemeinsam die Äpfel, die der Mann vom Kiosk Anastasia und Mo geschenkt hat.

Die vier sind nicht nur wache, geschickte Kinder und gute Beobachter, sie haben auch Wünsche. Sissi will „möglicherweise“ nach Indien, zumindest aber nach Bottrop, weil dort eine ihrer Tanten wohnt. Das sind keine Fluchtwünsche, kein unbedingtes Bloß-weg-von-hier. Es geht eher um die Erweiterung von Heimat. Sissi weiß, „wenn man wo hingehört“, kann man auch woanders noch hingehören. Und sie haben einen Traum von Glück. Äpfel essend nach einem Nachmittag der Paare, sitzen sie zusammen am Ufer des Sternsees und reden, sie reden „darüber, was wir alles machen würden, im Herbst und danach. Miteinander.“ Das sind die letzten Sätze des Buches.

Die Sprache dieses Buches ist unpathetisch und unprätentiös wie die Menschen, über die der Autor schreibt. Es ist die Sprache des Alltags, statt „etwas“ wird manchmal „was“ gesagt und statt „sei“ natürlich „wäre“. Die Erzählung berührt, ohne rührselig zu sein. Ihr kongenial sind die Illustrationen von Jens Rassmus, die glücklicherweise viel Platz in diesem Buch bekommen haben. Sie sind in Schwarz, Weiß und Blau und in vielen Schattierungen dieser Farben gehalten. Diese Bilder nehmen ihre Leserinnen und Leser ernst, sie sind nicht kindlich, sie sind nicht bunt, sie sprechen zugleich Kinder und Erwachsene an. Selbst die Bilder der Nacht taugen nicht zum Kinderschreck, sondern sind eher ein Versprechen. Rassmus’ Bilder illustrieren nicht nur das Erzählte, sondern können Gedanken oder Gespräche über das Erzählte hinaus anregen. Ich stelle mir vor, wie ein gemeinsames Lesen und Betrachten mit Kindern oder Enkelkindern zu interessanten Gesprächen zwischen Gleichgestellten führt.

Kinder lesen am liebsten von Akteuren, die (etwas) älter sind als sie selbst. Das ist hier der Fall. Als Lesende bekommen sie eine Ahnung davon, was ihnen bevorsteht, im nächsten Jahr, in zwei oder drei Jahren. Für den Autor und den Erzähler, den er erfunden hat, ist es aber ein Blick zurück. Auch dieser Erzähler ist ein Beschwörer des Imperfekts – ohne ins Raunen zu verfallen. Was aus den Hoffnungen seiner Protagonisten geworden ist, wissen wir nicht. Welche Hoffnungen aber haben wir, die alt gewordenen Kinder?

Will Gmehling, Jens Rassmus: Der Sternsee. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2025, 56 Seiten. ISBN 978-3-7795-0766-6, 14 Euro. Empfehlung des Verlages: Ab 9 Jahre.

Das Buch ist auch in der Sparte Kinderbuch von der Kritikerjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2026 nominiert. Auswahl und Preisverleihung erfolgen dann auf der Buchmesse in Frankfurt am Main.

[1] https://www.bremenzwei.de/themen/kinder-und-jugendbuchpreis-der-luchs-radio-bremen-und-die-zeit-beenden-kooperation-100.html

[2] Ich will das Problem an dieser Stelle nicht weiter ausführen, sondern verweise auf Sarah Schulz: „Wehrhafte Demokratie“ oder wie ein Inlandsgeheimdienst zum Demokratieschützer wird. In: Velbrück Wissenschaft Magazin, 04/2019.

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