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Deutsch in der Zange – Fremdwörter, Profanität und das Ende der Präzision. Gastbeitrag von Irine Fonseka

Eine Liebeserklärung aus der Perspektive eines Nicht-Deutschen

Gastbeitrag Von Gastbeitrag
16. November 2025
Schild "Vorsicht Ausfahrt"

Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, Deutsch zu lernen – jedes Substantiv, jedes Verb, die zum Teil unlogischen Geschlechter, die furchteinflößenden Fälle, jede Endung sorgfältig eingeprägt, als gälte es, ein Uhrwerk zu verstehen. Und doch prüft mich diese Sprache immer wieder wie eine alte Stadt: Hinter jeder Regel verbirgt sich eine Gasse der Ausnahme. Substantive mit drei zerbrechlichen Geschlechtern, Verben mit geduldigen Fällen – Wörter, die aufblitzen und verschwinden wie Gesichter in einer Menschenmenge.

Für jemanden von außen ist das Deutsche kein bloßes Werkzeug der Verständigung, sondern ein Labyrinth, dessen Schönheit und Strenge sich nur dem Geduldigen erschließen. Präzision ist hier kein Zwang, sondern eine Form der Zärtlichkeit. Bevor man spricht, muss man das Geschlecht eines Substantivs kennen; und sobald man es kennt, ordnet man den Satz mit der Sorgfalt eines Handwerkers. Drei Geschlechter, vier Fälle – ein System, das selbst die Selbstsichersten demütig macht. Doch wenn am Ende alles zusammenfindet, die Grammatik zu singen beginnt und ein langer Satz fehlerfrei gelingt, ist die Freude so rein, dass sie an einen Triumph grenzt.

Heute jedoch sehe ich, wie diese Sprache erodiert – und es erfüllt mich mit Unruhe, ja mit Traurigkeit. Geschlechtergerechte Formen, neue Pronomen, neutrale Bezeichnungen – nicht die Veränderungen selbst beunruhigen mich, sondern das, was sie im Stillen preisgeben. Noch leiser, aber nicht minder schmerzhaft, ist der stetige Zustrom englischer Wörter. Und ich meine nicht die unvermeidlichen: downloaden, scrollen, updaten. Aber warum das klare deutsche „verändern“ preisgeben für ein mattes change? Warum Absicht durch Intention ersetzen, Unsinn durch Shit?

Und überhaupt: Warum diese neue Lust an der englischen Profanität? Deutsche, die einst beim milden verdammt erröteten, schleudern heute das F-Wort mit ungerührter Leichtigkeit über Bierbänke und Konferenztische. Es scheint, als entbinde das Fluchen in einer fremden Sprache den Sprecher von der Tat selbst – als trüge die geliehene Obszönität kein moralisches Gewicht.

Selbst die Politik hat sich dem Trend ergeben. Ich erinnere mich an jenen Kanzler – gewiss kein Freund der Lyrik -, der im Sommer 2022 seinen Sozialplan mit den Worten einer britischen Stadionhymne beschloss: You’ll never walk alone. Das Plenum applaudierte, die Kommentatoren schwärmten – und kaum jemand schien die feine Absurdität zu bemerken: eine importierte Hymne für eine heimische Politik.

Auch im Alltag, selbst im Parlament, scheint das Englische Immunität zu genießen. Als eine Ministerin jüngst auf Warnungen vor dem Kollaps des Sozialstaats reagierte, tat sie es mit einem schlichten „Bullshit“. Ein Wort, das die Schwere des Gedankens aufhebt – und die Sprache zugleich leer zurücklässt.

Manchmal fürchte ich, Deutsch werde nicht mehr gesprochen, sondern nur noch simuliert.

Dabei ist es eine Sprache von seltener Großzügigkeit. Sie gibt nach, sie biegt sich, sie erlaubt Erfindung. Aus Verben werden Substantive, Substantive fügen sich wie Bauklötze zu neuen Gebilden. Man darf mitten im Satz Wörter erfinden – und die Sprache, geduldig und neugierig, nimmt sie auf. Sie gestattet Komposita von erstaunlicher Länge – Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung – und niemand zuckt zusammen.

Und doch ringt diese großherzige, biegsame, erfinderische Sprache nach Luft.

Eine Sprache, die zu solcher Elastizität fähig ist, sollte nicht jedes zweite Wort beim Nachbarn leihen müssen. Sie ist ein Haus mit zahllosen Räumen – doch eines, das sich mit fremden Möbeln füllt, umgestellt für flüchtige Gäste. Und die Bewohner laufen beständig hinüber, um Salz zu borgen.

Vielleicht ist die größte Gefahr für das Deutsche nicht das geliehene Salz, sondern unsere wachsende Bequemlichkeit im Denken.

 

Zur Autorin: Irine Fonseka wurde auf den Seychellen geboren und pendelt heute zwischen Düsseldorf und Victoria. Sie hat Geschichte, Politik und Journalismus studiert, ist vereidigte Übersetzerin und arbeitet freiberuflich für die seychellische Medienlandschaft sowie für das Pressehaus des Präsidenten.

 

Bildquelle: Pxhere, CC0 Public Domain

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