Sicher liest kaum ein potentieller AFD-Wähler diesen Blog. Wenn ich trotzdem hier schreibe, was solche Wähler bedenken sollten, dann als Anregung, so oder ähnlich mit Bekannten und Freunden zu reden, die schwanken, ob sie nicht doch ….
Worauf man Wähler also aufmerksam machen sollte, ist folgendes:
Unser Zusammenleben in der Welt und auch hier in Deutschland ist sicher sehr komplex geworden. Wenn man am Anfang nur die eigene Familie und wenige Nachbar berücksichtigen musste, hat die allmähliche Bildung von Staaten zunächst Millionen von Menschen in einen Ordnungsrahmen unter Königen, Herzögen und anderen Adeligen gezwungen, um im 19. Jahrhundert Nationalstaaten mit zunehmend demokratischer Innenordnung auszubilden, die sich nun mit dem ganzen Planeten in Wechselwirkung traten.
Mit dieser objektiven Tatsache hat jeder zu tun, der sich in Politik, Wirtschaft oder anderen Bereichen einbringen will. Es ist klar erkennbar, dass Populisten und rechtskonservative Parteien – und schon gar Faschisten – nicht besser damit zurechtkommen als liberale Demokratien wie die unsere in Deutschland. Man blicke sich um in der Welt und frage sich, wo und wie man besser zu leben hofft als im liberalen Europa. Und man nehme zur Kenntnis, dass die Menschen überall, wo keine vergleichbare Freiheit besteht, nichts lieber hätten, als eben einen demokratischen Staat ohne Diktatoren oder Herrscher „von Gottes Gnaden“, wie sich Putin, Chamenei oder Trump selbst sehen.
Ich erwarte aus guten Gründen, die der Beobachtung des führenden Personals der AFD zu danken sind, dass eine AFD-Regierung
- das Staatsvolk auf eine rassisch deutsche Vorfahrenschaft beschränken möchte (solch eine Politik verfolgt sonst nur ein Staat am Ostrand des Mittelmeeres),
- mit allen verfügbaren Mitteln und Gewalt Remigration organisieren wird ohne Rücksicht auf Menschenrechte und Wirtschaft (Vorbild Viktor Orban),
- im Kulturbetrieb deutschtümelnde Tendenzen stärken und regierungskritische Kunst, z.B. in öffentlichen Veranstaltungen und Theatern be- und verhindern wird,
- Schulbücher und Lehrpläne auf ein Geschichtsbild deutscher Größe und Verdienste umstellen wird nach dem Vorbild Putins (russische Geschichte soll als durgängig positiv gelehrt werden),
- ein Menschenbild deutscher Überheblichkeit und dabei ein „Männlichkeitsideal“ fördern wird, das Frauen als gleich und gleichberechtigt abwertet,
- vielen Mitbürgern ihre freie Entscheidung über die eigene Identität insbesondere in sexueller Hinsicht nehmen will,
- ihre einmal errungene Herrschaft mit allen Tricks gegen Kritik und Abwahl zu sichern versuchen wird, unter anderem durch Personal- und Strukturmaßnahmen in der unabhängigen Justiz (Vorbilder u.a. Giorgia Meloni, Recep Tayyip Erdoğan und polnische PIS) sowie durch staatliche Maßnahmen und Diffamierungen gegen unabhängige Medien (Vorbilder Viktor Orban, Donald Trump)
- noch konsequenter als zurzeit nationalsozialistischen Gruppen und Propaganda freie Entfaltung sichern wird, bis hin zur Deckung von Gewalttaten gegen Ausländer und Minderheiten (Vorbild Trump)
- die deutsche Außenpolitik renationalisieren wird (EU-Reduktion auf Gemeinsamen Markt) und sich mit nationalem Führungsanspruch imperialen Zielvorstellungen angleichen wird nach dem Vorbild Putins und Trumps,
- Klimapolitik und die Nutzung erneuerbarer Energien als unsinnig beenden (Vorbild Trump) und die Importabhängigkeit von Öl und Gas wieder steigern wird, wahrscheinlich auch die von Uranimporten für neue Kernkraftwerke,
- Korruption der eigenen Leute fördern und decken wird nach dem Vorbild Viktor Orbans, sogar Selbstbereicherung betreiben wird wie Trump und verdeckt wohl auch Putin,
- die große Aufgabe des Staates, einen akzeptablen Ausgleich zwischen Freiheit und Gleichheit zu organisieren, durch ethnische Identitätspolitik zu Lasten der Freiheit verfolgen wird (Vorbild Netanjahu) .
Wenn ihr, liebe potentielle AFD-Wähler, das wirklich so wollt, dann ist das in unserer liberalen Demokratie eine legitime Meinung. Wenn ihr aber nur wütend seid, weil „nichts vorwärts geht“, sollte das kein Grund sein, rückwärts zu gehen, denn hinter uns liegen keine goldenen Zeiten!
Wenn ihr eure Interessen vernachlässigt seht, und glaubt, eine AFD-Regierung werde genau eure Interessen und Meinungen bedienen, dann bedenkt, dass Interessen und Meinungen in unserem Land wie in jeder anderen Gesellschaft so widersprüchlich sind, dass keine Partei das homogenisieren kann. Offener Streit um eine akzeptable Lösung ist der „Preis der Freiheit“; wo diese Freiheit „um des lieben Friedens willen“ durch autoritäre Herrschaft ersetzt wird, wird man hinnehmen müssen, was die Herrschaft verfügt (wie in Russland, Nord-Korea zu besichtigen). Man wird dann bald merken, dass die Herrschenden sich der Kontrolle entziehen und ihr Süppchen für sich selbst kochen. Das ist schon hunderte Male so passiert in der tausendjähriger Geschichte der Menschheit; erst die liberale Demokratie bietet seit dem letzten Jahrhundert ein System, das den notwendigen Streit in einer transparenten Weise gewaltfrei zulässt.
Niemand kann hinterher wie nach 1945 sagen, er habe nichts gewusst! Gerade wir Deutschen haben im letzten Jahrhundert drei autoritäre Phasen überwunden, zwei Mal 1918 und 1945 unter fürchterlichen Verlusten, einmal friedlich 1989. Wir sollten kein 4. Experiment wagen!
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