Die Schlagzeile war mehrdeutig. „Aus dem ‚kleinen Ausflug‘ ist ein Horrortrip geworden“, titelte spiegel-online am Donnerstag. Wer dachte da nicht gleich an den Buckelwal, der vor dem Timmendorfer Strand auf Sand gelandet war und dessen Schicksal die deutschen Medien bewegte? Minutiös erfuhren Leser und Fernsehzuschauerinnen von den Rettungsversuchen des Wals, dessen Ausflug in die Ostsee zu einer Odyssee geworden war.
Im Text unter der Schlagzeile wurde indes klar, dass als Horrortrip die geopolitische Irrfahrt Donald Trumps mit seinem Angriff auf Iran gemeint war. Nach Wochen des Zögerns ist die Distanz der Bundesregierung zu Trumps Vorgehen unübersehbar geworden. Hatte die CDU – vor allem der Weltpolitiker Jens Spahn – noch am Mittwoch gegrummelt, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Krieg als völkerrechtswidrig bezeichnete, attackierte auch Kanzler Friedrich Merz das amerikanische Vorgehen nun ungewöhnlich scharf. „Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang“, wurde Merz bei einem Kongress der FAZ ungewöhnlich deutlich und ließ keinen Zweifel: „Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle.“
Klartext, der zeigt, in welch alarmierende Lage der Egomane im Weißen Haus die Welt mit seinem „kleinen Ausflug“ stürzt.
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Zurück zum Buckelwal. Eine zynisch plausible Erklärung hat Klaus Stuttmann, Karikaturist des Tagesspiegel für das Stranden des Riesentiers. Er lässt eine Figur am Ostseestrand grübeln: „Das wär doch bestimmt nicht passiert, wenn der Meeresspiegel höher wär.“ Genau, pflichtet eine zweite bei: „Wir brauchen mehr Erderwärmung“. Klimawandel stoppen? Nur Gift für Buckel- und andere Wale.
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Gruppenbild mit Damen! Ist die SPD wieder in ruhigem Fahrwasser, seit sich am Freitag Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker der Partei zu einer Krisenrunde trafen? Das anschließende „Familienfoto“ sollte Zuversicht demonstrieren. Der CO-Vorsitzende Lars Klingbeil sah jedenfalls Licht am Ende des Verlust-Tunnels. Mit einer verblüffenden, aber keineswegs schlüssigen Erklärung. „Am Montag“, so Klingbeil nach dem Treffen, „haben Bärbel Bas und ich hier noch allein gestanden und heute haben wir hier viele wunderbare Menschen, die uns den Rücken stärken und die gezeigt haben, wir sind eine starke SPD.“ Nach zwei verheerenden Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eine gewagte Zustandsbeschreibung. Umfragen, Pressekommentare und das Grummeln vieler Mitglieder deuten an, dass der sozialdemokratische Horrortrip noch dauern wird.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)













