Deutschlands beliebtester Politiker soll für die richtige Stimmung sorgen. Heute wird Boris Pistorius (SPD) gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer in Koblenz, einem der größten Bundeswehrstandorte, die Aufholjagd für die Landtagswahlen im März eröffnen. Die Popularität des Verteidigungsministers ist gefragt, um jenseits seiner Aufgaben als Chef der Bundeswehr bei der Verteidigung des Ministerpräsidentenjobs in Mainz zu helfen.
Schweitzer geht ab heute auf Tour, um Boden gegenüber der mit 29 Prozent in den Umfragen vorn liegenden CDU gut zu machen. Mit derzeit 26 Prozent hat die SPD den Abstand auf die CDU und ihren Spitzenkandidaten Gordon Schnieder in den letzten Monaten verkürzt und hofft, dass sie wie bei den Landtagswahlen zuvor die in Umfragen vorn liegende Konkurrenz am Wahltag (20.März) wieder einmal hinter sich lassen kann.
Diesen Zweckoptimismus braucht die Partei auch. Denn in den Stimmungsbildern bei den fünf anstehenden Landtagswahlen in diesem Jahr (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) sieht es für die SPD weit düsterer aus als in Mainz.
Doch selbst wenn die Aufholjagd gelingt, scheint schon jetzt klar, dass Schweitzer die Koalition mit Grünen und FDP nicht fortsetzen kann – die FDP dürfte nach heutigem Stand den Einzug ins Parlament verfehlen. Bei einigen Umfrageinstituten taucht sie gar nicht mehr auf, sondern wird nur noch unter „andere Parteien“ geführt.
So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass in Mainz eine große Koalition unumgänglich wird. Offen ist nur die Frage, ob CDU oder SPD in die Staatskanzlei einziehen.
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Ein Wahlkampf ganz anderer Art steht der katholischen Kirche bevor. Ab dem 23. Februar tagt die Bischofssynode in Würzburg und muss einen neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz wählen. Der bisherige Vorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing, tritt nicht mehr an. Offen ob ihn das fordernde Amt zermürbt hat oder ob er sich der Zustimmung seiner Amtsbrüder nicht mehr sicher sein konnte. Zermürbt zwischen den Reformvorstellungen der deutschen Katholiken und dem Hinhalten Roms, zermürbt von den Widerständen der konservativen Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Zermürbt von jenen, die seine klar ablehnende Haltung einer Zusammenarbeit mit der AFD nicht mittragen wollten.
Bätzings Amtsaufgabe nach nur einer Amtsperiode ist in der jüngeren Geschichte der Bischofskonferenz zur Regel geworden. Waren es in der Bonner Republik meist Dekaden, die Bischöfe wie der Kölner Kardinal Josef Frings, der Münchner Kardinal Julius Döpfner oder der von 1987 bis 2008 amtierende Mainzer Kardinal Karl Lehmann, das Bischofskollegium anführten, gaben seither die Nachfolger nach einer Wahlperiode von sechs Jahren auf: der Freiburger Bischof Robert Zollitsch, der Münchner Kardinal Reinhard Marx und jetzt Volker Bätzing. Ein Indiz dafür, dass die Zeiten in einer von Missbrauchsfällen aufgewühlten Kirche, in einer stetig schrumpfenden Mitgliederzahl für die Vorsitzenden fordernder und aufreibender geworden sind und die Solidarität der Amtsbrüder nicht mehr selbstverständlich ist.
Obwohl es offiziell unüblich ist, Wahlkampf für dieses Amt zu machen, sind schon Namen zuhauf im Gespräch. Die Zeit nennt unter anderem den Essener Oberhirten Franz-Josef Overbeck, der als Militärbischof in Berlin gut vernetzt ist. Aber auch den Paderborner Bischof Udo Markus Bentz. Der Mann, der lange als Privatsekretär des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Lehmann arbeitete, leitet seit zwei Jahren eine der reichsten Diözesen Europas und kann auf 20 Millionen Gläubige in Westfalen und im Sauerland verweisen. Darunter auch den Katholiken Friedrich Merz. Er und seine Frau Charlotte, so die Zeit, wirken mit Bentz vertraut, quasi wie mit ihrem „Hauskaplan“. Wenn das kein Omen für Würzburg ist? Andererseits gilt auch hier die katholische Weisheit: Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal heraus. Trotz Sympathie der Briloner Kanzlerfamilie.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












