Ich möchte nie mehr überrascht werden von strategischen Überlegungen des US-Präsidenten. Er ist ja ohne Zweifel ein Genie konsequenter Sicherheitspolitik, die für die prekäre Lage der USA, eingeschnürt zwischen Atlantik und Pazifik, so existentiell notwendig ist – so jedenfalls seine der erstaunten Welt erläuterte Sicht.
Schon zu Beginn seiner Amtszeit hat er den Finger in die offenen Wunden gelegt, aus denen Amerika auszubluten droht: Es sind die Territorien Kanadas und die Insel Grönland sowie die strategisch so wichtige Landenge in Panama, wo die USA uralte Rechte aus dem Kanalbau besaßen, um die sie betrogen worden seien.
Und so wird geostrategisches Denken zu einer neuen Weltordnung: Zuerst übernimmt man Grönland für ein paar lächerliche Milliarden Bestechungsgelder an die Bevölkerung – oder mit Gewalt, wie es Trumps Kobold Stephen Miller so sympathisch klar sagte: er kenne niemanden, der sich militärisch der Einnahme Grönlands widersetzen würde!
Schaut man die Karte Nordamerikas richtig an, so bleibt Kanada ein Messer im Fleisch des Imperiums – mitten drin zwischen Alaska, Grönland und den US-Staaten. So wie chinesische Schiffe um Grönland oder im Panamakanal schon heute die Alpträume Trumps bestimmen, so bliebe Kanada unkontrolliertes Einfallstor für Asiaten und woke Ideologien aus Europa.
Da ich, wie eingangs gesagt, nicht überrascht werden möchte, denke ich die Logik weiter. So ist das Territorium Guantanamo von Westen her bedroht und sollte dringend um die ganze Insel erweitert werden. Dass südliche Teile Kaliforniens von Mexiko besetzt gehalten werden, ist ebenfalls nicht länger hinnehmbar.
Auf jeden Fall bleibt die Logik des US-Anspruchs auf Grönland unvollständig, solange andere Zwergstaaten amerikanische Inseln beherrschen, die sie (wie ja auch Dänemark Grönland) nicht gegen die Chinesen verteidigen können, z.B. die Azoren, Curacao oder Guadeloupe. Hier fordert der strategische Zwilling aus Donroe-Doktrin + MAGA klare Lösungen, die möglicherweise auch Frankreichs Besitz Kourou nicht ausklammern werden.
Und würde Deutschland verwehren können, wenn die amerikanischen Sicherheitsinteressen die territoriale Hoheit über Ramstein und Bremen erforderten – schließlich verdankt Bremen seine Staatlichkeit allein den USA, die schon vor 80 Jahren Wert auf einen eigenen Nordseehafen gelegt haben. Zolldrohungen könnten auch hier zu einem erfolgreichen „Deal“ führen, zumal der Berliner Koalitionspartner Söder ohnehin keine Sympathie für so kleine Bundesländer hat.
Eindrucksvoll ist auch, wie Trumps Genie auf ganzheitlichem Denken beruht: Während ahnungslose Experten über die Vorstellung lachen, man könne die Rohstoffe Grönlands und Kanadas rentabel unter dem arktischen Eismantel abbauen, hat Trump längst begonnen, mit „drill, baby, drill“ und der Übernahme Venezuelas und seiner Ölvorräte die Weichen in Richtung Erderwärmung und Eisschmelze zu stellen, um ungehindert an die Wertstoffe zu kommen.
Wenn ich über Trumps Denken nachdenke, halte ich auch für möglich, dass es ihm noch um etwas ganz anderes geht: Putin beherrscht 17.074 Mio. km², er selbst nur 9 Mio. km² – mit Kanada und Grönland kommt er immerhin auf 21.676 km² und das ohne Gaza – damit wäre er unübersehbar der Größte, als der er sich schon lange fühlt!














