„Aus der politischen Kulisse“ – so lautet der Titel der Lebens-Erinnerungen von Peter Radunski, dem langjährigen, erfolgreichen Wahlkampf-Manager der CDU zu Zeiten des Parteivorsitzenden Helmut Kohl und des legendären Generalsekretärs Heiner Geißler. Jetzt ist er im Alter von 86 Jahren in Berlin-Schlachtensee gestorben.
Er war es, wie er in seinen Erinnerungen schreibt, seit seiner Kindheit gewohnt, für sich selbst zu sorgen und eigene Entscheidungen zu treffen. Das hat er auch in den zwei Jahren seines Lebens bewiesen. Als er im Dezember 2023 den Befund bekam, an einer schwerem Herzklappenentzündung erkrankt zu sein, sagten ihm seine Ärzte, man könne operieren, aber mit einem 50 prozentigen Risiko des Misslingens und mit allen Unwägbarkeiten, die eine Narkose bei einem Menschen in seinem Alter mit sich bringe.
Schon vor Jahren hatten Radunski und seine Frau Doris, mit der seit 1956 verheiratet war und mit der er alle seine beruflichen und privaten Entscheidungen ausführlich besprach, für einen solchen Fall entschieden, auf Operationen und die damit verbundenen Risiken zu verzichten. Stattdessen wollte er in innerer Ruhe und seelischer Gelassenheit die letzte Phase seines Lebens zubringen. Selbstbestimmt und souverän.
Und er nutzte diese Zeit, um sich von seinen Freunden und Weggefährten zu verabschieden, entweder in langen Telefongesprächen oder in nachmittäglichen Gesprächen, zu denen man Kaffee oder Tee trank und von Doris Radunski selbstgebackenen Kuchen verzehrte, der sehr lecker war.
Und in diesen Gesprächen ging es dann um die Stationen seines wirklich erfüllten Lebens auf der politischen Bühne oder auch in der politischen Kulisse. Da erzählte er dann von seiner Jugend in sehr armen Lebensumständen in Berlin, seinem Studium an der FU Berlin, wo er bereits in den 60 er Jahren mit Eberhard Diepgen und Klaus-Rüdiger Landowsky politische Freundschaft schloss.
Seine „große Zeit“ hinter der politischen Kulisse begann Anfang der 80 er Jahre, als er auf Vorschlag Heiner Geißlers ( und gegen die Stimme des Parteivorsitzenden Helmut Kohl, der einen anderen Favoriten aus seiner Mainzer Entourage auf diesem Posten haben wollte ) Bundesgeschäftsführer der CDU wurde. In einer Kampfabstimmung, die es in diesem Gremium sonst so gut wie nie gab. Nach dem Statut der CDU lag das formale Vorschlagsrecht aber beim Generalsekretär und nicht etwa beim Parteivorsitzenden.
Radunski war in seinem Element, der Strategie für politische Inhalte und für politische Kommunikation. In Geißler hatte er einen kongenialen Partner, und beide entwickelten das Bonner Konrad-Adenauer-Haus zu einer allseits bewunderten Schaltzentrale für Wahlkämpfe und politische Erfolge.
Doch Anfang der 90 Jahre musste Radunski aus der Kulisse heraustreten und selbst auf die Bühne. Denn Eberhard Diepgen, der nach einem eineinhalbjärigen Intermezzo des SPD-Regierenden Walter Momper im Herbst 1990 triumphal ins Rote Rathaus (Slogan. „Diepgen rennt“ ) zurückgekehrt war, berief Radunski zum Senator für Bundesangelegenheiten Es war ein genialer personalpolitischer Schachzug Diepgens, mit Radunski einen begnadeten Strippenzieher an dieser Stelle zu haben. Es ging nämlich im Jahr 1991 im Deutschen Bundestag um die Frage, ob Bonn Sitz von Parlament und Regierung bleiben solle oder aber ob ein Berlin-Umzug anstehen würde. Radunski und seinen Mitstreitern gelang es, die Stimmung zugunsten Berlins zu drehen. In Wolfgang Schäuble hatte Radunski seinen wirkungsvollsten Mitstreiter.
1994 wurde er dann in der neuen Landesregierung Berliner Senator für Wissenschaft und für Kultur, wo es ihm gelang, trotz angespannter Haushaltslage Akzente zu setzen. Teils anerkennend, teils polemisch wurde er in Berliner Medien zu dieser Zeit als „Kugelblitz“ und „Zigeunerbaron“ tituliert. Die Anerkennung als Mensch und als Politiker aber war ihm immer sicher, und auch seine parteipolitischen Widersacher aus Bonner Zeiten – wie etwa von der SPD „alte Kämpen“ wie Peter Glotz oder Bodo Hombach – sprachen und sprechen voller Hochachtung von ihm.
Er wird in Erinnerung bleiben, bei Freunden und Weggefährten, ebenso wie bei seinen Gegnern und Widersachern.
Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F064766-0029 / Wienke, Ulrich / CC-BY-SA 3.0













