Die AfD Sachsen-Anhalt legt ihr sogenanntes „Regierungsprogramm“ vor. Darin sind 33 Punkte zur zukünftigen Bildungspolitik der AfD ausgeführt, die eine radikale Abkehr von einer demokratischen und auf Bildungsgerechtigkeit ausgelegten Schule sind. Verhinderung der Bildungs- und Aufstiegschancen von Arbeiterkindern durch frühzeitige, radikale Selektion, Abschaffung der Inklusion, autoritärer Frontalunterricht, Bildungspflicht statt Schulpflicht sind nur einige wenige Punkte, die zeigen: Die AfD hat mit Bildungsgerechtigkeit nichts am Hut. Vielmehr geht es um einen autoritären Rollback in die pädagogische und schulische Steinzeit – zur Stärkung der Bildungseliten. Ein Kopfschütteln bleibt bei vielen Experten, da einige der Forderungen schlicht und einfach „AfD Blödsinn“ sind (vgl .Bob Blume, deutsches Schulportal, 15.4.2026).
Schauen wir einzelne Punkte beispielhaft genauer an:
„Elite“ statt Chancengleichheit
Die AfD verspricht „Ordnung und Leistung“, aber was dahinter steht ist eine drastische Leistungsselektion. So soll der Gymnasialbesuch wirksam auf etwa 25 Prozent pro Jahrgang begrenzt werden. Das heißt im Klartext: Viele Kinder, insbesondere Kinder von Arbeiterfamilien und Kinder in ländlichen Regionen, in denen i.d.R schulen mit knapper Personalausstattung zu kämpfen haben, kommen faktisch nicht mehr auf das Gymnasium – unabhängig von ihrem Potenzial. “Die AfD tritt dagegen für ein leistungsdifferenziertes mehrgliedriges Schulsystem ein. Wir werden das Gymnasium stärken und wieder zu dem machen, was es war: Die Schulform, die zur Universität führt und von nicht mehr als 25 Prozent eines Jahrgangs besucht werden muss“. (Programm AfD, Kapitel IV. Schulbildung Punkt 1). Wobei – so nebenbei bemerkt -, die Schullaufbahnempfehlung der Schule wieder verbindlich werden soll.
D.h. AfD Schulpolitik wird gezielt die ungleiche Verteilung von Bildungs- und Aufstiegschancen nicht nur zementieren, sondern massiv erhöhen. Denn wer die Laufbahnen an Schulen einengt, blockiert Chancen, gerade auch für sozialbenachteiligte Kinder und Jugendliche. Und dies trifft dann imassiv die Kinder der AfD Wählerinnen und Wähler.
Weg mit der Schulpflicht – hin zur Bildungspflicht (Punkt 26)
Einer der zentralen Punkte ist die Abkehr von der Schulpflicht hin zu einer „Bildungspflicht“, die auch das Hausunterrichten durch Eltern vorsieht. Das klingt nach „Wahlfreiheit“, ist in der Praxis aber eine Demontage staatlicher Schulpflichtstrukturen. Wer zu Hause unterrichtet, entzieht sich nicht nur der Mitbestimmung durch Lehrkräfte und Elternräte, sondern auch öffentlichen Standards, Qualitätskontrollen und Inklusion. Juristen und Pädagoginnen warnen zu Recht, dass damit nicht nur die Inklusion, sondern auch die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems zusammenbricht. Die Folge dieser Schulpolitik sind Parallelgesellschaften in der Schulpflicht – mit einem florierenden Markt privater, ideologisch geprägter Bildungsangebote. Der Ideologisierung der „Schule“ wird Tür und Tor geöffnet.
Ende der Inklusion – zurück zu „Sonderklassen“ (Punkt 4)
Ein weiterer Eckpunkt ist die geforderte Abschaffung der Inklusion, sowie die Rückkehr zu Sonderklassen für Kinder mit Behinderung und für Kinder mit Fluchterfahrung. Die AfD spricht von einem „Experiment“, das gescheitert sei – doch das ist eine Verunglimpfung empirischer Erfahrungen vieler Schulen, die in den vergangenen Jahren inklusive Strukturen entwickelt haben. Damit wird die Schule nicht mehr als Ort der Integration, sondern als Ort für gesellschaftliche Ausgrenzung instrumentalisiert. Lehrerinnen und Lehrer, die sich heute für inklusive Klassen einsetzen, werden von der AfD sozial als „Experimentatoren“ abgestraft – statt als Pioniere. Für Beschäftigte an Schulen bedeutet das: mehr Druck auf Sonderstrukturen, mehr Bürokratie, mehr soziale Härte. Für Eltern bedeutet es: mehr Unsicherheit und sicher wieder mehr Abhängigkeit vom Geldbeutel. Für Kinder mit Förderbedarf bedeutet es: weniger Teilhabe und weniger Anspruch auf gemeinsame Lernwege
Politische Kontrolle im Klassenzimmer
Besonders deutlich wird der autoritäre Zug dort, wo die AfD Lehrinhalte, Schulbücher und pädagogische Programme politisch umsteuern will. Gefordert werden z.B. landeseinheitliche, durch das Bildungsministerium festgelegte Lehrmaterialien, (Punkt 28), Beendigung von antirassistischen Programmen (Punkt 9) und das Zurückdrängen und die Beschränkung demokratische Formen von Mitbestimmung am Schulleben Das klingt nicht nach Neutralität, sondern nach klarer ideologischer Kontrolle.
Das Kaiserreich als Inspiration und Vorbild (Punkt 8)
Skurril wird es, wenn für den Geschichtsunterricht mehr „1813 und 1871….als die wichtigste Zeit für die deutsche Nationwerdung“ gefordert wird und das Kaiserreich und die Bismarck‘sche Politik auch „heute noch als Inspiration und Vorbild dienen können“(Punkt 8 des Programms). Mal abgesehen davon, dass ein „auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhender Geschichtsunterricht“ ( Bob Blume, Deutsches Schulportal) in unseren Schulen Alltag ist. Hier wird die rechte Ideologisierung und die Zielrichtung der AfD Bildungs- und Schulpolitik besonders deutlich.
Und so gäbe es in diesem Programm noch viele Punkte wie z.B. Schüleraustausch mit Russland, Leistungsorientierung der Bundesjugendspiele, Verbot der Regenbogenflagge, Heimatliebe, Digitalisierung bis hin zu einem privaten Wachdienst für die Schulen zu diskutieren und zu hinterfragen.
Grundsätzlich behandelt das gesamte Programm der AfD Sachsen-Anhalt Schule nicht als öffentlichen Raum für Emanzipation und Bildungschancen, sondern als Instrument der eklatanten Sortierung, Ausgrenzung, Ideologisierung und Disziplinierung. Die AfD verspricht Ordnung, liefert aber einen Rückbau demokratischer Bildung und gerechter Bilkdungschancen.. Und wir alle wissen, dass Bildung ein wichtiger Hebel für die gesellschaftliche Entwicklung darstellt: Bob Blume, als Schulpraktiker, macht eindrücklich deutlich, dass „im Falle eines AfD-geführten Ministeriums in Sachsen-Anhalt könnten inhaltliche Leitlinien sehr schnell umgesetzt werden Und das hieße: ein ideologischer Geschichtsunterricht, die Abschaffung demokratischer Schulstrukturen, Zentralisierung und eine zusätzliche, massive Selektion“. (https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/afd-programm-bildung-sachsen-anhalt-unsinnig-gefaehrlich-und-verfassungsfeindlich/).













