Privat haben es viele Menschen schon einmal erlebt. Ein Trauerfall kann zusammenführen oder zerrütten. Da eine Bemerkung, die kritisiert wird. Dort ein Urteil, das dem Rest der Familie nicht gefällt.
In der letzten Woche ist die Trauer von Bärbel Bas um ihre Stieftochter zu einem öffentlichen Ereignis geworden. Hat die CDU über ihre politische Arbeit noch gelästert, als sie längst wusste, in welcher persönlichen Not sich die Arbeitsministerin befand? Hat sich Friedrich Merz bei einem Hintergrundgespräch in Brüssel – wissend um ihre Sorgen – noch über ihre mangelnde Präsenz in Berlin beschwert?
„Unmenschlich“ seien die CDU-Attacken auf Bas gewesen, reklamierte Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern. Die CDU schlug zurück und forderte eine Entschuldigung der SPD-Frau. Außerdem seien die Sozialdemokraten auch nicht zimperlich gewesen, als die CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche im Sommer eine Auszeit wegen gesundheitlicher Probleme nehmen musste. Die Reaktion der SPD sei weder freundlich noch verständnisvoll gewesen. Wenn die SPD sich über den Umgang mit Bas beschwere, sei das scheinheilig. Schließlich habe sich die NRW-Landtagsfraktion nicht gescheut, gegen NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach einen Untersuchungsausschuss wegen Mobbing-Vorwürfen von Mitarbeitern durchzusetzen, obwohl sie an Krebs erkrankt ist.
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Vorwürfe hüben und drüben. Ausdruck einer tiefgreifenden Zerrüttung. Diese Koalition ist stehend K.o. Politisch und auch im menschlichen Umgang miteinander. Auf beiden Seiten gibt es keinen, der die Autorität hat, diese Spirale zu stoppen. Der CDU-Vorsitzende und Kanzler Friedrich Merz ist angeschlagen – und überlebt nur, weil mögliche Konkurrenten angesichts der schwierigen Gesamtlage keine Lust haben, den Job zu übernehmen.
Nicht besser sieht es mit der Autorität des Vizekanzlers und SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil aus. Viele in der Partei wären ihn am liebsten los. Inzwischen wird seine Ablösung als SPD-Chef nicht nur hinter vorgehaltener Hand, sondern offen gefordert. Er klebe nicht an dem Amt, gab Klingbeil in der letzten Woche zu Protokoll. Kann man glauben, muss man aber nicht. Das Problem liegt anders, ähnlich wie bei Merz – und das macht die Lage nicht besser: Das Amt klebt an ihm. Noch jedenfalls.
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Das könnte sich bis zum Parteitag um den Jahreswechsel rapide ändern. Da die Bereitschaft möglicher Kandidatinnen – immer wieder genannt Manuela Schwesig – sich in engen Grenzen hält, für die Doppelspitze in der Partei neben Klingbeil anzutreten, könnte das Experiment mit zwei Co-Vorsitzenden ( männlich/weiblich) wieder über den Haufen geworfen werden. Mit dem Ergebnis, dass Klingbeil nicht mehr zu halten wäre. Denn beliebter ist er nicht geworden seit dem letzten Wahlparteitag, auf dem er mit nicht einmal 65 Prozent Zustimmung gedemütigt wurde. Die Doppelspitze als Überlebensmodell für Klingbeil. Aber für die SPD geht es nicht um das Überleben eines Vorsitzenden, sondern um die Gefahr bei gerade noch 12 oder 13 Prozent Zustimmung als Volkspartei in die Todeszone abzurutschen.
Sehr weit von solchen beängstigenden Werten ist die Union auch nicht entfernt. CDU und CSU sind im Bund unter die 20-Prozent-Marke gerutscht. Die Angst geht auch dort um. Und Angst ist kein guter Ratgeber, um mit klarem Kopf, Verstand und Empathie ein schwieriges Bündnis doch noch auf Kurs zu bringen.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)













