„Das „C“ im Logo der CDU ist unser Identitätskern. Das christliche Menschenbild, der Mensch als Ebenbild Gottes, die gleiche Würde eines jeden Menschen, das ist die Geisteshaltung aus der heraus wir als Christdemokraten unsere Außen- und Innenpolitik gestalten.
Das „C“ ist nicht eine Note im Text, es ist der Notenschlüssel vor dem Text. Das „C“ bedeutet, Brücken bauen in alle Milieus, den Menschen zugewandt sein.
Menschen, die im politischen Gegner einen Feind sehen, sind keine Christdemokraten. Menschen, die sich feindlich aufstellen, um sich gut zu fühlen, sind keine Christen.“
Große Worte, gesprochen auf dem letzten Parteitag der CDU. Thomas Rachel, Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, erinnerte seine Partei an die Wertegrundlegung der eigenen Politik.
Wenn wir die Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen, müssen wir ständig an dieser Aufgabe arbeiten, so Rachel.
Eine ganz andere Geisteshaltung offenbarte Kanzler Merz, als er Anfang Oktober in Kiew erschien. Er hatte sich trotz Warnung vor russischen Angriffen auf den Weg gemacht. Aber er war nicht allein und es war sicher kein Zufall, dass ihn eine beachtliche Entourage von Waffenhändlern begleitete: Hensoldt, Diehl Defence, Quantum Systems. Und natürlich im Hintergrund immer dabei: Blackrock und Blackstone.
Es war eine Art Kontrastprogramm zur Rede Thomas Rachels auf dem Parteitag.
Nichts hatte sich am Credo des Bundeskanzlers geändert: Die Ukraine muss den Krieg gewinnen und Russland muss den Krieg verlieren, der Rüstungsindustrie sei Dank.
Vielleicht wäre es von kluger Weitsicht gewesen, hätte Kanzler Friedrich Merz als gläubiger Katholik Papst Leo XIV. gebeten, mit ihm zusammen als Berater nach Kiew zu fahren. Der Papst hätte ihn vermutlich darauf aufmerksam gemacht, wie gefährlich es sei, wenn die Rüstungsindustrie zu einem Schlüsselfaktor der Wirtschaft wird. Die Rüstungsindustrie und die Länder, die Waffen liefern, profitieren vom Krieg und es geht sozusagen darum, den Krieg „am Laufen zu halten“, damit die Quelle von Macht und Profit niemals versiege, so der Papst.
Ja, und außerdem hätte Leo XIV. Merz auf den falschen Realismus hingewiesen, als ob der Krieg ein unvermeidlicher Bestandteil der menschlichen Natur wäre.
Geradezu erregt hätte der Papst die Realpolitik unverantwortlich genannt, die in den Köpfen und in der Kultur Resignation säe angesichts eines unvermeidlichen Krieges. Frieden und Dialog, so der Papst, würden als utopische und irrationale Positionen bezeichnet. Die bestehenden Risiken würden ignoriert. Der Friede sei weder eine naive Hoffnung, noch die bloße Abwesenheit von Krieg. Er sei im Gegenteil das stets mögliche Ergebnis von Gerechtigkeit und Nächstenliebe.
Im Übrigen habe er, der Kanzler, doch durch sein Büro mitteilen lassen, er habe mit großer Aufmerksamkeit die Enzyklika gelesen. Was er denn von seinen Vorschlägen halte: Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen, den Dialog neu anstoßen, die Notwendigkeit von Diplomatie und Multilateralismus anerkennen.
Was hassen Sie am meisten, fragte wenige Zeit vor dem Besuch von Kanzler Merz, eine Journalistin den Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko.
„Unsere Spitäler sind voll mit unseren Soldaten. Sie sind kaum älter als 30 Jahre und haben keine Arme, keine Beine oder keine Augen mehr. Manchmal brauche ich nach einem Besuch in unseren Spitälern selbst psychologische Betreuung. Es ist schwer zu sehen, durch welche Hölle diese jungen Männer gegangen sind.“
Manche Männer fragen, so die Journalistin, warum kämpfen wir einfachen Leute? Wo sind die Kinder unserer Politiker – warum sollen wir sterben, während sie im Ausland Partys feiern? Was antworten Sie darauf?
„Meinen Sie wegen meiner Kinder?“
Es geht generell um Kinder der Politiker- aber auch um Ihre.
„Meine Kinder haben nie in der Ukraine gelebt. Sie wurden in Amerika geboren und haben in Europa und Amerika studiert.“
Dennoch stellen sich viele Menschen diese Frage.
„Ich habe selbst im Ausland gelebt. Aber ich bin zurückgekommen, weil meine Wurzeln hier sind. Niemand hat mich gezwungen. Mir gefällt der Satz: ‚Wollen Sie den Krieg stoppen? Dann schicken Sie die Kinder der Entscheidungsträger an die Front.“
Zum Autor: Klaus Kenke
Referent des Superintendenten
für Friedensfragen
Kirchenkreis Jülich












