Es war einmal ein Präsident, der war ganz allein auf der Welt, und Einsamkeit insbesondere in Höhen, wo die Luft dünn wird, ist ein schlimmes Schicksal!
Natürlich gab es irgendwelche Dienstboten im Privaten, auf dem Golfplatz oder im Regierungskabinett, aber das zählte nicht – da war einfach keine Gleichwertigkeit im Niveau. Auch außerhalb seines großen Landes gab es nur Winzlinge, teilweise Abschaum in kloakenartigen Weltgegenden, teilweise Klugschwätzer ohne Manneskraft und Schleimer. Looser waren in seinen Augen auch Leute, die so dumm waren, sich in militärischen Auseinandersetzungen erschießen zu lassen – ein Risiko, das er klug vermieden hatte.
Er allein trug die Verantwortung dafür, dass alles großartig lief – insbesondere für sein eigenes Land, dessen italienischer Name 1507 leicht verfremdet von einem deutschen Kartographen geprägt worden war, der von Amerigo Vespuccis Reiseberichten gehört hatte.
Der Präsident musste sich alle seine großartigen Maßnahmen selbst ausdenken, wofür er Golf als Kreativtechnik einsetzte. Was den Namen seines Landes anging, so hatte er eine größere Umbenennungsagenda bereits eingeleitet; er hatte – vorsichtig noch – mit einem Berg begonnen, dann einen großen Meerbusen im Süden seines Landes umgetauft. Dabei war ihm aufgefallen, dass es beim Namen seines Landes unmöglich bei einem italienischen Wort bleiben konnte: welche Bezeichnung könnte angemessener sein als DONALDIA nach dem größten Präsidenten aller Zeiten. Da er aber sehr viel vorhatte und alles allein machen musste, schob er diese Umbenennung etwas auf.
In Vorbereitung seiner Alleinherrschaft hatte er sich ein eigenes digitales Medium geschaffen, mit dem er die Wahrheit in die Gesellschaft tragen wollte. Das Problem war dabei nur, dass er alles selbst denken und schreiben, ja sogar ins Handy tippen musste. Fehlendes Wissen überbrückte er elegant durch Behauptungen, die seinem genialen Kopf entsprungen waren. Wichtig war nämlich vor allem, jeden Tag ein Dekret oder anderes zu formulieren, das Aufsehen erregen sollte. Er schrieb diese Dekrete aus dem Kopf und schickte sie über sein Wahrheitsmedium an alle, so dass seine Unterlinge entsprechend handeln konnten. Wenn ihm mal kein Dekret einfiel, hatte er andere Möglichkeiten, alle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So konnte er Freunde und Gegner, Landsleute oder auch ferne Völker auf meisterliche Weise beleidigen und demütigen. Oder er konnte einfach Zölle rauf- und runtersetzen, so dass die Weltwirtschaft sich nur noch mit seinen Launen beschäftigen musste. Auch der Autor dieser Zeilen konnte sich dem überwältigenden Charme dieses Mannes nicht entziehen, dessen animalische Brutalität sich die Waage hielt mit einem beeindruckenden Mut zur Primitivität. So formulierte er stets nach Lust und Laune drauf los, und er sah, dass die Menschen alles genau verfolgten, was er redete und schrieb. Das war ihm Beweis genug, dass er richtig lag mit seinen Einschätzungen.
Auch sein Verzicht auf Manieren und Anstand wirkte nur auf Weicheier abstoßend, auf etwa die Hälfte seines Volkes dagegen als Beweis für kraftvolle Männlichkeit, „einer von uns“, der es den Eliten mal zeigt!
Die Verantwortung lastete schwer auf ihm, sein Land und die Welt in die Bahnen zu lenken, die er als Immobilienhändler als richtig erkannt hatte.
Sein Verhandlungsgeschick war legendär. Seine Methode: finde heraus, wo dein Partner verletzlich ist, dann hast du ihn schon am Haken – manchmal reichte die Drohung, manchmal musste er erheblichen Schaden zufügen. Er hatte wohl genau studiert, wie bestimmte Gruppen vor 100 Jahren in seinem Land oder auch in Italien zu großem Reichtum gekommen waren. Wie diese und ihre Paten huldigte er auch der Strategie, vor allem seine eigene Familie einzusetzen und zu fördern. Auch wenn seine Frau mit dem originellen Mittel großer Hüte etwas Abstand zu ihm hielt, auf seine Söhne und Schwiegersöhne konnte er noch mehr bauen als auf seine Kumpel aus der Immobilien- und Investmentbranche. Auch wenn diese um ihn herumwuselten und Hosianna sangen, war der arme Präsident in seiner Größe allein, denn niemand konnte ihm intellektuell das Wasser reichen. So sehr er sich umblickte: das Niveau seiner Brillanz konnte er bei niemandem entdecken. Er wusste: Einsamkeit ist der Preis der Größe.
Früher hatte auch er Kumpel, mit denen er es toll getrieben und sich sozusagen die Hörner abgestoßen hatte. Mit einem von denen verbanden ihn besondere Erlebnisse mit leckeren jungen Frauen. Da konnte er zeigen, dass er ein ganzer Kerl war, der hinfassen konnte, wo er wollte. Als Präsident konnte er für diesen viel zu früh verstorbenen Freund nicht mehr viel tun; um seiner Trauer Ausdruck zu geben, ließ er in die Dokumente zu jener Zeit viel schwarze Farbe fließen – auch um peinlichen Fakten Datenschutz zu gewähren.
Andererseits mag er auch von jenem Investmentbanker gelernt haben, wie man sich und die eigene Familie bereichert. Hier war wiederum seine Kreativität beispiellos und doch so simpel: kein demokratisches Staatsoberhaupt war bisher auf die geniale Idee verfallen (oder zumindest ihr verfallen), die Staatsgeschäfte mit dem Ausbau des Privatvermögens zu koppeln. Zwar ging es schief mit dem Plan, sich einen Küstenstreifen am östlichen Mittelmeer für eigene Hotels zu sichern, aber der Nahe Osten bot ja andere Geschäftskontakte, ja sogar ein Flugzeug konnte man geschenkt bekommen, wenn man nur Politik machte, die den Scheichs gefiel. Geradezu genial war seine Gründung einer eigenen Kryptowährung, die in kürzester Zeit Milliarden erbrachte, weil Superreiche sie als Anlage nutzten. Er freute sich natürlich, wenn die Investoren ihn wissen ließen, dass sie seine Währung unterstützten; er konnte und wollte ja auch viel für sie tun.
Bewunderung verdiente sich der Präsident in seiner alle überragenden einsamen Höhe durch seinen Fleiß. Man erzählte, dass er abseits des Golfplatzes keine Sendung seines Lieblingssenders ausließ, um immer informiert zu sein. Das war praktisch und vereinfachte die Informationsaufnahme, weil dieser Sender die Dinge stets so darstellte, wie der Präsident es wollte. Das stabilisierte sein Weltbild und reduzierte die Komplexität des Lebens von 8 Milliarden Menschen auf dem Planeten. Er wusste um die Kunst, Komplexität zu reduzieren, indem man sie ignorierte.
Sogar für das verdiente Lob seiner Größe musste er selbst sorgen. Nicht, dass es an Schleimern fehlte, aber andere ließen die Superlativformulierungen weg, die er verdiente; eigentlich verwendete er selbst Adjektive immer nur im Superlativ – für sich selbst im positiven, für seine Gegner und Zweifler im negativen Sinne.
Man staunte auch, wie er da noch die Zeit fand, all diese Dekrete und Entscheidungen selbst auf seinem Handy zu tippen – und noch dazu solche Briefe, wie den an den norwegischen Premier, in dem er jenem klar machte, dass man von niemandem Frieden erwarten kann, wenn man ihm den Nobelpreis verweigert. Damit machte er auch verständlich; warum andere z.b. die Ukraine überfallen hatten: man hatte versäumt, dem Aggressor den Friedensnobelpreis zu verleihen.
Wie viele Menschen und Organisationen hatten in den letzten 100 Jahren in stummer Bescheidenheit gewartet, ob sie einen Nobelpreis erhielten – welche Dummheit! Unser Präsident war sich nicht zu schade, jedermann von den Vereinten Nationen bis zum norwegischen Ministerpräsidenten detailliert zu erklären, warum er diesen Preis hätte erhalten müssen! Alle bewunderten die Langmut des Präsidenten, der auf Sonderzölle für norwegische Produkte verzichtete und auch keine Hoheitsübertragung z.B. von Spitzbergen forderte, dessen Sicherheitsrelevanz der von Grönland nahe kommt.
Leider musste der Präsident auch immer wieder richtigstellen, wenn seine Bürokraten und Richter, soweit er sie noch nicht entlassen konnte, falsche Daten z.B. über Inflation oder Arbeitslosigkeit veröffentlichten. Er verkündete dann dem Volk, dass es ihm immer besser ging und noch goldenere Zeiten vor ihm lägen. Auch verstand er die Ungeduld des Volkes, auf lange Gerichtsverfahren bis zur Bestrafung Verdächtiger warten zu müssen. Er gab den Richtern gerne einen unmittelbaren Hinweis, welche Todesschüsse Notwehr waren und welche politischen Gegner und Staatsanwälte ins Gefängnis gehörten.
Die bedauernswerte Einsamkeit dieses Präsidenten hatte eine Ausnahme. Schon früh bewunderte er den Herrn des Moskauer Kremls. Bei einem lange zurück liegenden Telefonat mit dem Zaren hatte er ihn direkt gefragt, was die Maxime seiner Politik sei. Die Antwort lautete: Сделаем Россию снова великой, und der Dolmetscher beeilte sich zu übersetzten: das hieße „Machen wir Russland wieder groß“. So hatte ihm der einzige Mensch, der auf seiner Höhe stand, ja, sein einziger wirklicher Freund, den entscheidenden Anstoß gegeben, seinen eigenen Anhängern zuhause einen griffigen Leitsatz vorzugeben: „Make America Great Again“. Übrigens: es ist schon erstaunlich, dass offenbar auch Putin die unerreichte Größe seines Kumpels anerkennt, indem er mit dessen Golfpartner und seinem Schwiegersohn verhandelt; wäre es anders, würde er doch diese Demütigung empört zurückweisen.
Ja, dieser Präsident war wirklich einzigartig. Sein Ziel, in die Geschichte einzugehen, dürfte er deshalb schon nach wenigen Monaten des Jahres 2026 erreicht haben. Wahrscheinlich nicht so, wie er es erwartet. Der Autor ahnt: es wird ihn bitter enttäuschen – egal, ob er es auf Erden oder im Jenseits erlebt. Auch für einen Atheisten gibt es Momente, wo wünschte, es gäbe insbesondere eine Hölle.












