Während in der Straße von Hormus Tanker brennen und die Ölpreise an einem einzigen Tag um mehr als elf Prozent steigen, während Irans Revolutionsgarden drohen, keinen Liter Öl mehr passieren zu lassen, und während in Washington Berichte kursieren, die 82. Luftlandedivision könnte bald Richtung Nahost verlegt werden – in dieser Lage gibt es in Europa genau eine Regierung, die laut und unmissverständlich sagt, was gesagt werden muss: Nein zum Krieg. Es ist die Regierung Spaniens.
Pedro Sánchez hat die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran, die am 28. Februar 2026 mit der „Operation Epic Fury“ begannen, als „ungerechtfertigte und gefährliche militärische Intervention“ verurteilt. Spanien hat die Nutzung der Marinebasis Rota und des Luftwaffenstützpunkts Morón de la Frontera für jede Art von US-Operationen gegen den Iran untersagt. Verteidigungsministerin Margarita Robles erklärte, es sei „keinerlei Unterstützung, absolut keine“ von spanischem Boden aus geleistet worden. Als das Weiße Haus behauptete, Madrid habe eingelenkt, widersprach Außenminister José Manuel Albares öffentlich und unmittelbar: Die spanische Position habe sich „nicht um ein Iota“ verändert. Die Antwort Spaniens auf Trumps Drohung, den gesamten Handel mit Spanien einzustellen, war ein vierfaches Nein: Nein zur Verletzung des Völkerrechts, Nein zur Logik der Bomben, Nein zur Wiederholung vergangener Fehler, Nein zum Krieg. Diese vier Worte – „No a la guerra“ – sind die klarste außenpolitische Positionierung, die derzeit in Europa zu hören ist.
Deutschland: Die Mittäterschaft, die keine sein will
Berlin behauptet, nicht am Krieg beteiligt zu sein. Das ist, gelinde gesagt, eine fragwürdige Darstellung. Deutschland erlaubt den Vereinigten Staaten, die Ramstein Air Base als zentrale Koordinationsdrehscheibe für Drohnen- und Raketenangriffe gegen den Iran zu nutzen. Sämtliche Videoströme von US-Drohnen und sämtliche Befehle an in den USA stationierte Piloten laufen über die Satellitenrelais von Ramstein – ohne diese Infrastruktur wären die Angriffe, so berichten es die Berliner Zeitung und Euronews übereinstimmend, technisch nicht durchführbar gewesen. Etwa ein Dutzend B-1B-Bomber sind auf europäischen Basen eingetroffen, drei davon wurden nach Ramstein umgeleitet. Zusätzlich nutzen die USA den Stützpunkt Spangdahlem. Die BBC berichtet, Ramstein operiere rund um die Uhr, Soldaten sei das Wochenende gestrichen worden. Ein hochmodernes elektronisches Kampfflugzeug vom Typ EA-37B Compass Call, erstmals auf europäischem Boden gesichtet, wurde in Ramstein stationiert – dieses Flugzeug dient der Ausschaltung feindlicher Kommunikations- und Radarsysteme, ohne die ein Eindringen in die iranische Luftverteidigung nicht möglich wäre.
Besonders aufschlussreich ist die Szene, die sich am 3. März im Weißen Haus abspielte. Donald Trump lobte Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich dafür, dass Deutschland den Amerikanern erlaube, von deutschem Boden aus zu operieren – anders als andere europäische Länder. Die Linke-Abgeordnete Lea Reisner forderte daraufhin die Schließung Ramsteins und warnte, die Bundesregierung ziehe Deutschland „in einen moralisch und rechtlich verwerflichen Krieg“ hinein, der die Basis zu einem legitimen Ziel für den Iran machen könnte.
Gleichzeitig sind fünfzehn US-Militärflugzeuge, überwiegend KC-135-Tankflugzeuge, die nach dem spanischen Verbot aus Rota und Morón abgezogen werden mussten, nach Deutschland und Frankreich umgeleitet worden. Was Spanien verweigert hat, hat Deutschland widerspruchslos aufgenommen. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt zwar, Deutschland werde „nicht an diesem Krieg teilnehmen – allenfalls beim Schutz oder bei materieller Unterstützung“. Doch genau diese „materielle Unterstützung“ – die logistische Drehscheibe, die Tankflugzeuge, die Drohnenkoordination, die Verlegung der Fregatte Nordrhein-Westfalen ins östliche Mittelmeer – macht Deutschland faktisch zum Komplizen eines Angriffskrieges, den das Auswärtige Amt nicht einmal völkerrechtlich zu bewerten wagt. Auf die Frage, ob der Angriff der USA und Israels eine Verletzung des Völkerrechts darstelle, antwortete der deutsche Außenminister Johann Wadephul ausweichend: Man verfüge „nicht über alle Informationen“. Spanien braucht offenbar weniger Informationen, um zu erkennen, was vor aller Augen geschieht.
Die Landkarte der europäischen Positionen
Wer versteht, wo Europa in diesem Krieg steht, versteht auch, warum die spanische Position so wertvoll ist – gerade weil sie keine Mehrheitsposition darstellt. Die EU ist nicht entlang der simplen Frage „Krieg ja oder nein“ gespalten, sondern entlang der viel heikleren Frage, wie weit Unterstützung gehen darf, ohne selbst Kriegspartei zu werden.
Frankreich hat seine Stimme in einer hybriden Tonlage positioniert. Emmanuel Macron erklärte, Frankreich sei „nicht Teil dieses Krieges“ und werde sich „nicht in den Kampf hineinziehen lassen“. Das klingt nahe an Spanien. Doch Paris trägt die E3-Erklärungen mit, die den Iran scharf verurteilen und „notwendige und verhältnismäßige defensive Maßnahmen“ gegen iranische Startkapazitäten in Aussicht stellen. Frankreich hat seine Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt, seinen Flugzeugträger entsandt und – so berichtete BFMTV am 5. März – amerikanischen Streitkräften die Nutzung französischer Basen genehmigt. Frankreich ist also solidarisch mit Spanien gegen Druck von außen, aber nicht auf Spaniens Kurs der konsequenten Verweigerung.
Italien bewegt sich auf einer ähnlichen Linie. Giorgia Meloni betont, Italien sei „nicht Teil des Konflikts“ und wolle es auch nicht werden. Gleichzeitig verstärkt Rom seine Marinepräsenz im Golf, beteiligt sich an der europäischen Flottenverlegung nach Zypern und koordiniert sich eng mit Frankreich und Deutschland. Italien ist damit kein spanischer Mitstreiter, sondern Teil jenes europäischen Mittelblocks, der politisch vorsichtig, operativ aber keineswegs passiv agiert.
Das Vereinigte Königreich – formal kein EU-Mitglied mehr, aber europapolitisch von zentraler Bedeutung – steht am weitesten von Spanien entfernt. Keir Starmer hat zwar erklärt, Großbritannien sei „nicht an den initialen Schlägen beteiligt“ gewesen, genehmigte dann aber die Nutzung britischer Basen für „spezifische und begrenzte defensive Zwecke“, einschließlich der Zerstörung iranischer Raketenlager und Abschussrampen. In RAF Fairford landen und starten B-1B-Bomber, in RAF Mildenhall sind MC-130J-Spezialoperationsflugzeuge stationiert worden. London ist nicht in offener Kriegsbegeisterung, aber strategisch klar anti-iranisch und Lichtjahre von Sánchez‘ Position entfernt.
Bei den nordischen Staaten dominiert eine Mischung aus Deeskalationsrhetorik und sicherheitspolitischem „Realismus“. Dänemark verurteilt Irans Angriffe, unterstützt harte EU-Sanktionen. Schweden fährt eine harte Linie gegenüber dem iranischen Regime, Finnland verbindet „wertebasierten Realismus“ mit NATO-Logik. Keine nordische Regierung hat sich demonstrativ hinter Sánchez‘ Position gestellt. Nur Slowenien liegt in der Tonlage erkennbar nahe an Madrid: Außenministerin Tanja Fajon forderte am 1. März ausdrücklich sofortige Deeskalation und Zurückhaltung und verurteilte den „unauthorised use of force“.
Die EU-Kommission schließlich stützt Spanien politisch und wirtschaftlich gegen den Druck aus Washington – als Trump mit Handelsrestriktionen drohte, stellte Brüssel unmissverständlich klar, dass ein Angriff auf ein Mitglied ein Angriff auf die EU sei. In der Sicherheitspolitik aber folgt die Kommission einer eigenen Doppelstrategie: Deeskalation und Dialog einerseits, harte Benennung der iranischen Verantwortung andererseits. Costa und von der Leyen formulierten am 9. März: Menschenrechte würden nicht „durch Bomben“ erreicht, zugleich müsse der Iran seine Angriffe einstellen. Von der Leyen unterstützt Berichten zufolge sogar einen Regimewechsel im Iran. Die EU-Institutionen denken doppeldeutig strategisch eher wie Paris und Berlin als wie Madrid.
Die Straße von Hormus: Europas verletzlichste Flanke
Die größte Gefahr, die von diesem Krieg ausgeht, lässt sich in einer einzigen Meeresstraße bündeln. Durch die Straße von Hormus fließen etwa zwanzig Prozent des weltweit verbrauchten Öls und rund ein Fünftel des global gehandelten Flüssiggases. Seit dem 4. März 2026 erklären Irans Revolutionsgarden die Meerenge für geschlossen. Der Tankerverkehr ist faktisch zum Erliegen gekommen. Mehr als 150 Schiffe ankern außerhalb der Meerenge. Mindestens zehn Angriffe auf Schiffe wurden bis zum 8. März registriert, fünf Besatzungsmitglieder auf zwei Schiffen kamen ums Leben. Am 11. März wurden drei weitere Schiffe in der Meerenge von Projektilen getroffen, darunter ein thailändischer Frachter.
Die Auswirkungen auf die Energiemärkte sind jetzt sehr nervös. Der Preis für Brent-Rohöl, der vor dem Krieg bei etwa 73 Dollar pro Barrel lag, ist auf über 100 Dollar geschnellt, zwischenzeitlich sogar auf 115 Dollar. An einem einzigen Tag, dem 9. März, stiegen die Ölpreise um mehr als elf Prozent. Die Revolutionsgarden drohten am 11. März, der Ölpreis werde auf 200 Dollar steigen. Goldman Sachs schätzt, dass eine vollständige vierwöchige Blockade der Meerenge den Ölpreis um 15 Dollar pro Barrel erhöhen würde – selbst unter Nutzung aller alternativen Pipelines. Die Internationale Energieagentur hat die historisch größte koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven beschlossen: 400 Millionen Barrel, davon 172 Millionen aus den USA. Doch selbst diese Maßnahme hat die Preise nicht nachhaltig gesenkt.
Katar, das zwanzig Prozent des weltweiten Flüssiggases liefert, hat nach iranischen Drohnenangriffen auf seine Gasanlagen Force Majeure erklärt – die Rückkehr zur normalen Produktion wird mindestens einen Monat dauern. Saudi-Arabiens gigantische Ras-Tanura-Raffinerie und der dazugehörige Exportterminal sind nach Angriffen geschlossen. Irak und Kuwait haben bereits begonnen, ihre Ölproduktion herunterzufahren, die Vereinigten Arabischen Emirate dürften folgen. Katars Energieminister warnte am 6. März, wenn der Krieg weitergehe, könnten weitere Golfstaaten gezwungen sein, ihre Exporte einzustellen – das werde „die Wirtschaften der Welt zum Einsturz bringen“.
Für Deutschland sind die Folgen unmittelbar spürbar. Der ADAC meldete, dass Benzin- und Dieselpreise in Deutschland innerhalb einer Woche zweistellig gestiegen sind. Das DIW Berlin prognostiziert, dass die gestiegenen Energiepreise das Wachstum um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte und die Inflation um 0,4 Prozentpunkte erhöhen werden – vorausgesetzt, der stärkste Preisanstieg ist bereits vorüber. Doch diese Annahme ist alles andere als sicher. Der German Marshall Fund warnt, dass der Brent-Preis Richtung 115 Dollar tendiert und dass Deutschland, das nach dem Verzicht auf russisches Pipelinegas eigens LNG-Terminals für katarische Lieferungen errichtet hat, nun eine neue Abhängigkeit spürt, die unter direkter militärischer Bedrohung steht. Hinzu kommt ein bislang wenig beachtetes Problem: Katar liefert etwa vierzig Prozent des weltweiten Heliums, einen kritischen Rohstoff für die Halbleiterfertigung. Deutschlands Automobil- und Präzisionsindustrie steht vor einem Versorgungsschock, der die ohnehin fragile Erholung der deutschen Wirtschaft gefährdet.
Der Economics Observatory fasst die Lage so zusammen: Die Gasvorräte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens seien auf ein Niveau gesunken, das an die Frühphase des Russland-Ukraine-Krieges 2022 erinnere. Niedrige Lagerbestände verstärkten die Preisvolatilität – genau das beobachte man jetzt, die europäischen Gaspreise hätten sich seit dem Angriff auf den Iran nahezu verdoppelt.
Die Eskalationsspirale: Vom Luftkrieg zum Bodenkrieg
Wer glaubt, dieser Krieg lasse sich auf Luftangriffe und Sanktionen begrenzen, unterschätzt die Dynamik, die bereits in Gang gesetzt wurde. Die Diskussion über den Einsatz amerikanischer Bodentruppen im Iran ist längst kein hypothetisches Szenario mehr. Trump selbst erklärte am 3. März, er habe „keine Hemmungen bezüglich Boots on the Ground“ – ein Satz, den vor ihm kein amerikanischer Präsident im Zusammenhang mit dem Iran gesagt hatte. NBC News berichtete, Trump habe den Einsatz eines Truppenkontingents mit Beratern und republikanischen Abgeordneten außerhalb des Weißen Hauses besprochen. CNN enthüllte, dass die Trump-Administration die Entsendung von Spezialeinheiten des Joint Special Operations Command erwägt, um Irans hoch angereichertes Uran in der unterirdischen Anlage von Isfahan physisch zu sichern oder zu zerstören. Sieben aktuelle und ehemalige Beamte bestätigten gegenüber CNN, dass eine solche Operation Hunderte zusätzlicher Soldaten zur Sicherung des Gebiets erfordern würde.
Außenminister Marco Rubio ließ bei einem Briefing vor dem Kongress durchblicken, was das bedeutet: Gefragt, ob das angereicherte Uran gesichert werde, antwortete er, „Leute werden hingehen und es holen müssen“. Die Washington Post berichtete, die 82. Luftlandedivision – eine Elite-Fallschirmjägereinheit – habe abrupt eine geplante Übung abgesagt, was im Pentagon Spekulationen auslöste, die Division könnte in den Nahen Osten verlegt werden. Sechs MC-130J-Spezialoperationsflugzeuge sind mittlerweile in RAF Mildenhall in Großbritannien stationiert, positioniert für verdeckte Infiltrationsoperationen.
Die Parallelen zum Irakkrieg 2003 drängen sich geradezu auf. Auch damals begann es mit Luftangriffen und dem Versprechen, es werde keine Bodentruppen brauchen. Sánchez hat genau diese Parallele gezogen und gewarnt, die Angriffe auf den Iran könnten zu einem weiteren kostspieligen militärischen Sumpf werden, vergleichbar mit den amerikanischen Interventionen in Irak und Afghanistan. Iran hat eine größere Bevölkerung und Fläche als Irak und Afghanistan zusammen, ein Gelände, das Bodenoperationen extrem erschwert, und eine lange Geschichte des Widerstands gegen imperialistische Interventionen. Senator Richard Blumenthal verließ ein geheimes Briefing des Streitkräfteausschusses mit den Worten, er sei „so unzufrieden und wütend wie nach keinem Briefing in meinen fünfzehn Jahren“ – er sehe die USA „auf dem Weg, amerikanische Söhne und Töchter am Boden im Iran einzusetzen“.
Und hier wird die Frage für Europa existenziell: Wenn dieser Krieg eskaliert – wenn Bodentruppen nötig werden, wenn die Straße von Hormus über Wochen geschlossen bleibt, wenn die Ölpreise weiter steigen – wie lange wird es dauern, bis der Druck auf europäische NATO-Partner wächst, eigene Truppen beizusteuern? Die Geschichte lehrt, dass amerikanische „Koalitionen der Willigen“ nicht von selbst entstehen. Sie werden aufgebaut, durch diplomatischen Druck, durch Handelsdrohungen, durch die Währung der Bündnissolidarität. Genau dieses Muster zeichnet sich bereits ab. Trumps Drohung gegen Spanien – Handelsembargo für ein NATO-Mitglied, das die Nutzung seiner Basen verweigert – ist nicht nur ein bilateraler Affront. Es ist eine Warnung an alle europäischen Staaten, die den Handlungsspielraum Washingtons einschränken wollen.
Was Spanien richtig macht – und was Europa davon lernen sollte
Spaniens Position ist keine Position der Schwäche. Sie ist strategisch durchdacht, historisch informiert und moralisch konsistent. Madrid verweigert die Nutzung seiner Basen – aber es ist nicht strategisch abwesend. Spanien hat ein Kriegsschiff zum Schutz Zyperns entsandt, nachdem iranische Drohnen die britische Basis auf der Insel angriffen. Spanien beteiligt sich an der defensiven europäischen maritimen Absicherung. Was Spanien ablehnt, ist die Mitschuld an einem Angriffskrieg, dessen Ziele unklar, dessen Eskalationsrisiken enorm und dessen völkerrechtliche Grundlage nicht gegeben ist.
Das ist eine Position, die auf den Erfahrungen der jüngeren europäischen Geschichte aufbaut. Spanien hat den Irakkrieg 2003 durchlebt – José María Aznar stellte sich an die Seite von Bush und Blair, und das spanische Volk zahlte den Preis in den Zuganschlägen von Madrid 2004 und in einem politischen Trauma, das das Land verändert hat. Die Lehre, die Spanien daraus gezogen hat, ist genau die Lehre, die ganz Europa hätte ziehen sollen: Kriege, die auf fragwürdigen Grundlagen begonnen werden, enden nicht mit dem Fall des anvisierten Regimes. Sie enden in jahrelanger Instabilität, in Fluchtbewegungen, in Radikalisierung, in einer Welt, die unsicherer ist als zuvor.
Die spanische Haltung verdient nicht nur Respekt. Sie verdient Nachahmung. Jede Bürgerin, jeder Bürger in Europa, der sich fragt, was er oder sie angesichts dieses Krieges tun kann, hat eine Möglichkeit: die spanische Position öffentlich unterstützen, in sozialen Medien, in Gesprächen, in Briefen an Abgeordnete. Wer in Deutschland lebt, kann von seiner Regierung verlangen zu erklären, warum Ramstein rund um die Uhr für einen Krieg arbeiten darf, den das Auswärtige Amt nicht einmal völkerrechtlich einordnen will. Wer in Frankreich lebt, kann fragen, warum Paris amerikanischen Streitkräften die Nutzung französischer Basen gestattet hat, während Macron gleichzeitig erklärt, Frankreich sei „nicht im Kampf“. Wer in Italien lebt, kann Meloni beim Wort nehmen und fragen, was „nicht Teil des Konflikts“ konkret bedeutet, wenn italienische Kriegsschiffe im Golf patrouillieren.
Die vier Worte „No a la guerra“ sind kein Slogan. Sie sind ein politisches Programm. Dahinter steht die Überzeugung, dass Europas Sicherheit nicht dadurch gewonnen wird, dass man sich in jeden amerikanischen Krieg hineinziehen lässt, sondern dadurch, dass man eigenständig denkt, internationale Regeln verteidigt und die wirtschaftliche Stabilität des Kontinents schützt. Der Ölpreisschock, die Gaspreisverdoppelung, der drohende Heliumengpass, die gestrandeten Tanker in der Straße von Hormus – all das sind die Kosten eines Krieges, den Europa nicht begonnen hat und nicht gewinnen kann. Die spanische Position der Mäßigung ist der einzige Weg, diese Kosten zu begrenzen, bevor sie unkontrollierbar werden.
Erhard Eppler, der große Vordenker der deutschen Sozialdemokratie in Fragen des Friedens und der internationalen Verantwortung, wusste, dass Mäßigung keine Feigheit ist, sondern die schwierigste Form politischer Klugheit. Er wusste, dass die gefährlichsten Kriege jene sind, in die man hineinrutscht, weil man glaubt, nicht nein sagen zu können. Pedro Sánchez sagt nein. Europa sollte ihm folgen – nicht aus Sympathie für den Iran, nicht aus Antiamerikanismus, sondern aus der nüchternen Erkenntnis, dass dieser Krieg einen Preis hat, den kein europäisches Land zahlen kann, und dass Mäßigung die letzte verbliebene Vernunft ist.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf Quellen folgender Medien und Institutionen (Recherchezeitraum bis 12. März 2026): Al Jazeera, AP News / PBS NewsHour, NPR, The Hill, HuffPost / Reuters, Euronews, CNN, CNBC, NBC News, Axios, The Washington Post, Goldman Sachs Research, Chatham House, German Marshall Fund, Economics Observatory, Bloomberg / DIW Berlin, MarketScreener / DIW, Stars and Stripes, CBS Austin, Middle East Monitor, Congressional Research Service (Congress.gov), Kpler, Wikipedia (2026 Iran war, Strait of Hormuz crisis, Economic impact), sowie die offiziellen Verlautbarungen der Regierungen Spaniens, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, des Vereinigten Königreichs, Sloweniens und Dänemarks, der EU-Kommission und des Europäischen Rates.
Zum Autor: Axel Fersen ist Politikwissenschaftler und Experte für digitale Transformation und künstliche Intelligenz. Nach dem Studium an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz führte ihn sein Weg in die Technologiebranche. Heute lebt und arbeitet er in Barcelona. Politisch ist er seit 1984 in der SPD engagiert und Mitglied der katalanischen Schwesterpartei PSC. Er koordiniert den Erhard-Eppler-Kreis, gehört dessen Leitungskreis an, ist Vorstandsmitglied des Europa-Instituts für Sozial- und Gesundheitsforschung an der Alice Salomon Hochschule Berlin und wirkt in der Studiengruppe Technikfolgenabschätzung der Digitalisierung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) mit.












