Der israelisch-amerikanische Krieg, von Präsident Trump und Ministerpräsident Netanjahu mit dem Ziel „Befreiung des iranischen Volkes“ eröffnet und geadelt, steuerte am Sonntag auf ein Chaos zu. Das Ultimatum von Präsident Trump, die Straße von Hormuz „kriegsrein“ zu machen, hatte im Iran keinen handlungsfähigen Adressaten. Es richtete sich an eine „Führung“, die Zug um Zug liquidiert worden war. Was in Teheran noch stand und steht, kann einen Krieg aufrechterhalten, hat aber nicht die Autorität, ein Ultimatum anzunehmen oder den Kriegseinsatz aller iranischen Waffen auf Kommando zu beenden.
Die Strategen der Koalition wussten, dass die erwähnte Forderung nur ins Leere laufen konnte. Also darf man annehmen, dass die Ausdehnung des Kriegs auf die iranische Zivilbevölkerung vorbereitet ist. Die angekündigte Zerstörung der energetischen Infrastruktur Irans bedeutet nämlich nichts anderes und steht offenkundig für das Kriegsziel, durch Chaotisierung des iranischen Alltags einen Zerfall der Machtstrukturen des Systems herbeizuführen.
Ob eine solche Strategie das gewünschte Ergebnis haben könnte, ist ungewiss. Historische Kriegserfahrungen sprechen eher gegen einen Erfolg. Der gewaltige alliierte Bomberkrieg gegen Nazideutschland hat, wie man weiß, die Betroffenen eher zusammenrücken lassen, den 2. Weltkrieg in Europa jedenfalls nicht verkürzt. Auch im Vietnamkrieg hat die Vergiftung des Landes und vieler seiner Bewohner durch Agent Orange den gewünschten Effekt verfehlt.
Im Gegenzug dürfte ein Iran, der im Chaos zerfällt, kein fruchtbares Terrain für Demokratie und Menschenrechte sein. Auch wäre es kühn anzunehmen, ein zerfallendes Regime sei außerstande, noch große Zerstörungen anzurichten. Schon jetzt sind die Auswirkungen des Krieges fühlbar und belastend, die Aussichten bei Verlängerung und Verschärfung bestürzend.
Nun hat Präsident Trump gestern den Sturm über den internationalen Finanzmärkten gesehen und die Pause-Taste gedrückt. Dieser Akt hat einmal mehr Insider des Präsidentenumfelds saftig bereichert. Aber sonst? Das Spiel mit dem Feuer dauert an.
Für Deutschland kann man nur hoffen, dass die Bundesregierung nicht auf die allfälligen „Experten“ in den Medien hört, die ihr vom Sofa aus empfehlen, sachte in den Krieg einzutreten. Stattdessen sollte sie offen sagen: Es reicht!













