Weimarer Verhältnisse? Steuert die Berliner Republik dorthin, wo die erste deutsche Republik gescheitert ist? Lange war es eine selbstverständliche Formel: Berlin ist nicht Weimar. Eine Formulierung in der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei den Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober in Bremen lässt aufhorchen. Sie zeigt, dass diese lange geltende Gewissheit für den ersten Bürger des Landes keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Vorsichtig, aber doch mahnend formuliert Steinmeier: „Ob die Berliner der Weimarer Republik ähnlicher wird, diese Frage ist noch nicht entschieden.“
Dass die Republik bewusst dorthin getrieben werden soll, dafür macht der Bundespräsident die „Zerrbilder“ verantwortlich, die in den (un-)sozialen Medien verbreitet werden: „Fabriziert durch die Trolle des Kreml, durch deutsche Rechtsextremisten oder auch linksautoritäre Irrlichter, geflutet ins Netz durch gewissenlose Internet-Oligarchen! Oligarchen, deren privater Reichtum und deren Geldeinfluss auf die Politik alle bisher bekannten Grenzen sprengen. Behaupten wir uns gegen diese Flut der Manipulationen und Lügen! Wir können das. Unsere Demokratie steht nicht zum Verkauf. Sie liefert sich ihren Feinden nicht aus. Im Gegenteil. Wir sind stärker als die Niedertracht.“
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Sind wir das wirklich? Fast resignativ klingt da die Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, zum Ende der Herbstkonferenz in Fulda. Den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt im Blick, resultierte Wilmer: „Es ist erschreckend, dass 30 Prozent der Katholikinnen und Katholiken eine Partei wählen, deren Programm, Rhetorik und politische Ausrichtung dem christlichen Gottes- und Menschenbild diametral widerspricht.“ Allen Warnungen der Kirchenoberen zum Trotz, die nie einen Hehl daraus machen, das die in großen Teilen als gesichert rechtextremistisch eingestufte Partei, „die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage“ stellt und „ein anderes Deutschland“ möchte.
Wenn sie schon die eigenen Gläubigen mit dieser Warnung nicht erreichen, fällt den Bischöfen sicherlich jenes Zitat aus dem Lukasevangelium ein: „Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?“
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Die Geschichte der Bundeskanzler hat im Moment Konjunktur. Zunächst geriet Konrad Adenauer als erster Kanzler in den Blick, weil in diesem Jahr seines 150. Geburtstags gedacht wurde. Der renommierte Zeithistoriker Norbert Frei hat dazu im Beck-Verlag eine wichtige Biographie geschrieben: „Konrad Adenauer. Kanzler nach der Katastrophe“. Ebenfalls bei Beck ist im Herbst eine äußerst lesenswerte Gesamtschau erschienen über die Beziehungen der deutschen Kanzler und der Kanzlerin zu Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern. Der Literaturwissenschaftler Andre Alt hat in „Die Kanzler und die Intellektuellen“ einen spannenden Blick auf jene Geschichte der Republik gerichtet, der bisher fehlte (Eine Besprechung demnächst im Blog der Republik).
Und das Bundespresseamt hat tief ins Archiv gegriffen für eine Fotoausstellung unter dem Titel: „Kanzler im Fokus – von Adenauer bis Merz“. Es sind Bilder, die die Fotografen des Presseamts in Jahrzehnten geschossen haben. Fotos also, die die jeweiligen Regierungschefs in halbwegs positivem Licht erscheinen lassen. Aus einem Fundus von über 500 000 Bildern konnte das Amt schöpfen. Daniel Friedrich Sturm vom Berliner Tagesspiegel hat die Ausstellung gesehen und war am meisten über die Auswahl der Fotos erstaunt: „Friedrich Merz ist so oft zu sehen wie die Langzeitkanzler Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel zusammen. Das ist doch – nach nicht einmal eineinhalb Jahren im Amt – ein gewisses Übermaß Friedrich Merz.“
Na ja, wer weiß schon, wie lange dieser Kanzler den regierungsamtlichen Fotografen in dieser Funktion als Objekt noch zur Verfügung steht!
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)













