Kuba war der engste politische Verbündete Venezuelas in Lateinamerika. Über Jahre stellte Kuba sogar die Sicherheits- und Geheimdienstunterstützung für Präsident Maduro; bei der jüngsten US-Operation in Caracas wurden nach übereinstimmenden Berichten 32 kubanische Offiziere getötet.
Wichtiger ist jedoch die umgekehrte Abhängigkeit: Energie.
Kubas Stromsystem ist fragil, überaltert und chronisch unterversorgt. Der Betrieb zentraler Infrastrukturen hängt von importierten fossilen Energieträgern ab. Venezuela lieferte zuletzt einen erheblichen Teil dieser Importe – nach verfügbaren Schätzungen rund 30 % der knappen Ölversorgung, was etwa einem Viertel des Gesamtbedarfs entspricht.
Genau dieser Hebel wird nun für Washington verfügbar.
Die US-Regierung hat angekündigt, den Verkauf venezolanischen Öls auf unbestimmte Zeit selbst zu kontrollieren – zunächst die Lagerbestände, anschließend auch die laufende Produktion. Die Erlöse sollen unter US-Kontrolle stehen. Wer den Verkauf kontrolliert, kontrolliert die Absatzwege – und kann Lieferungen politisch begrenzen oder aussetzen. Washington, dem das sozialistisch orientierte Kuba seit langem ein Dorn im Auge ist, wird sich diese Möglichkeit kaum entgehen lassen. Angesichts der bekannten Schwierigkeiten Kubas, Ölrechnungen zuverlässig zu begleichen, ließe sich ein Lieferstopp leicht begründen.
Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt und unsicher. Mexiko ist inzwischen ein wichtiger Lieferant, hat seine Liefermengen jedoch nicht ausgeweitet und steht politisch unter erheblichem Druck. Andere Staaten dürften kaum in die Lücke springen. Russische Ausweichlieferungen sind ebenfalls riskant: Die Beschlagnahme eines russisch geflaggten Tankers im Nordatlantik sind ein deutliches Signal, dass die USA bereit sein werden, Lieferungen in „ihrer“ Hemisphäre zu unterbinden.
Für Kuba wäre ein Ausfall der venezolanischen Lieferungen daher eine existentielle Gefährdung. Ein Einbruch der Energieversorgung würde Transport, Wasser, Kühlung, Kommunikation und Gesundheitswesen zugleich treffen. Die Einnahmen aus dem ohnehin schon stark rückläufigen Tourismus dürften weiter kollabieren. Damit drohte keine begrenzte Krise, sondern eine tiefe innere Destabilisierung bis hin zur Implosion.
Ein derart geschwächtes Kuba wäre strukturell „reif“ für externe Eingriffe. Eine Einflussnahme müsste nicht militärisch beginnen, sondern ließe sich als humanitäre Stabilisierung und ordnungspolitische Intervention rahmen – mit anschließender politischer und ökonomischer Neuordnung.
Mit dem derzeitigen US-Außenminister und Nationalem Sicherheitsberater Marco Rubio, Sohn kubanischer Exilanten und zentrale Figur der US-Lateinamerikapolitik, stünde wohl bereits ein Akteur bereit, der eine solche Übergangslogik politisch verkörpern könnte.
Kuba muss sich deshalb sehr große Sorgen um seine Zukunft machen. So gefährdet wie jetzt, war es in seiner ohnehin stets bedrohten Geschichte wohl selten.
Zum Autor: Arno Gottschalk (geboren 1956), Studium der Wirtschaftswissenschaften in Marburg und Bremen. Diplom-Volkswirt. Ab 1975 Aufbau und Leitung des Bereichs Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bremen. Seit 2011 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft (Stadt und Land). Seit 2019 Sprecher der SPD-Fraktion für Haushalt und Finanzen. Mitglied des Fraktions- und Landesvorstands der SPD. Beschäftigt sich seit langem auch mit Fragen von Militär und Rüstung.












