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Auf den Schah folgte der Gottesstaat- besser wurde es nicht

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
12. Januar 2026
Freiheitsturm Teheran

Als wir 2015 eine zehntägige Bus-Rundreise durch den Iran machten, überschrieb ich meinen Bericht später mit dem Titel: „Land des Lächelns statt Reich des Bösen“. Freundliche Menschen überall, die uns begegneten, junge, modern gekleidete Mädchen, die das bunte Kopftuch wie einen Schmuck um ihr Haar gewickelt hatten, sie trugen offene Schuhe, waren geschminkt, die Atmosphäre wirkte auf uns Touristen ziemlich offen, wir sahen keine Revolutionsgarden, die Angst verbreiteten.  Aleman, sagten sie erstaunt und erleichtert. Wir waren willkommen. „Aber“, schränkte unser Reiseführer ein, „die Garden sind nicht weg, sie lauern in der zweiten Reihe und greifen zu, wenn ihnen das alles zu locker vorkommt.“ Wie jetzt, da die Iraner aufstehen und demonstrieren, weil sie das teure Leben nicht mehr bezahlen können. Und das Regime schlägt zu, brutal. Es gab bisher über 600 Tote, über 10000 Verhaftungen, berichten Menschenrechtsorganisationen.

Iran, reiches, armes Land. Eine Clique um die Mullahs, schwer bewaffnet und rücksichtslos, beherrscht das Land und streicht die Gelder für sich ein. Wie früher der Schah und seine Herrscher-Clique, sein Geheimdienst namens Savak.  Folter war an der Tagesordnung, man schreckte auch vor Mord nicht zurück. Ein Land, voll mit Rohstoffen wie Öl, Gas, Gold, Mineralien, das Land hat Wasser und könnte Teile der Wüste bewässern. Ein Land mit großer Zukunft, eigentlich. Wenn man es ließe, was es könnte, würde es gut regiert. Die Realität: Die große Mehrheit der Iraner lebt in Armut, auch deshalb proben sie immer mal wieder den Aufstand gegen die Mullahs. Wie jetzt wieder.

Das große Land ist isoliert

Dass die Mullahs gestürzt werden? Von außen kann man das nicht beurteilen, das große Land ist ziemlich isoliert, das Regime hat die Internet- und Telefonverbindungen abgeschnitten. Man ist angewiesen auf Berichte von Geflüchteten. Was stimmt, ist der seit Jahren gesunkene Lebensstandard in Persien. Das war schon länger zu spüren. Vieles war früher schon heruntergewirtschaftet, die einst feinen Hotels in einem bemitleidenswerten Zustand. Weil die großen Firmen abgezogen sind. Es fehlen die internationalen Investoren. Die Menschen haben uns das damals gesagt, mit Händen und Füssen, weil wir nicht Farsi sprachen und sie weder Deutsch noch Englisch.

Dass ausgerechnet ein Sohn des damals verhassten Schahs, Reza Pahlevi, zu einer Neuauflage einer Revolution aufruft, dass ausgerechnet er aus den USA in der Lage sein soll, die Demonstranten anzufeuern, damit sie das Regime stürzten? Der Hass auf das Regime ist groß, das war länger schon zu bemerken. Freiheit lässt sich nicht ewig einschränken oder verbieten, zumal das Leben schwer genug war und ist in Iran. Sie wissen, dass das Land reich ist, aber sie bekommen davon wenig ab,  weder unter dem Schah noch unter den Mullahs.

Aber: Wir haben damals nicht einmal auch nur einen Hinweis darauf gehört, dass es irgendwo in diesem Land eine Art Sehnsucht nach Rückkehr der Pahlavis gebe. Denn der Schah hatte in Saus und Braus gelebt, seine Herrschaft war alles andere als menschenfreundlich. Auch in Deutschland hat man das erlebt beim Besuch des Schahs und seiner Frau Farah Diba am 2. Juni 1967 in West-Berlin, als die „Jubel-Perser“ genannte Schlägertruppe des Schahs(es waren Mitarbeiter seines Geheimdienstes SAVAK) gegen friedlich demonstrierende Studentinnen und Studenten brutal vorgingen und alles niederknüppelten, was sich ihnen in den Weg stellte. Bei der Gelegenheit wurde der Student Benno Ohnesorg ermordet. Die deutsche Polizei ließ die Schah-Schläger gewähren.

Und dass US-Präsident Trump ihnen helfen will, das Regime loszuwerden? Eine Karikatur des Berliner Karikaturisten Stuttmann beschreibt das sehr treffend. „Trump will den Menschen im Iran zu Hilfe kommen“, lässt der Zeichner den einen Zeitgenossen per Sprechblase sagen, sein Nachbar ergänzt: „Wie den Menschen in Venezuela, Panama, Kuba, Grönland und Minnesota..“

Als die USA Mossadegh stürzten

Die Hegemonialmacht Amerika, das war und ist für fast jeden Iraner ein Thema, habe ich damals nach unserer Reise geschrieben. Viele Iraner, so hörten wir, wüssten noch genau,  wie es gewesen war 1953, als die gewählte iranische Regierung unter dem Premierminister Mossadegh mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA und der Briten gestürzt wurde, was man später zugeben musste. Da spielte Öl eine wichtige Rolle(wie heute in Venezuela), auf das die Weltmacht USA nicht verzichten wollte in einem Land, in dem auch Amerikaner lebten. Also ließen sie die Regierung beseitigen. Nachfolger wurde Schah Reza Pahlewi, ein Amerika-Freund, mit dem sich die Geschäfte freundlicher gestalteten. Der eine, Teheran, lieferte Öl, der andere, Washington, versorgte den Iran mit Waffen. Und dass heute ein Sohn des einstigen Herrschers, der in Amerika lebt, für den Aufstand wirbt und ankündigt, er würde an einem Übergang zu einem demokratischen Iran mitwirken, ist zumindest fragwürdig. Eher wird er als Stimme von Trump, als dessen Marionette eingeschätzt. Und von Trump weiß man, dass er für einen Deal, der Amerika und ihm Vorteile verschafft, also Dollars, zu haben ist. Dass sich ein Trump für Demokratie interessierte, wäre neu, selbst im entfernten Iran weiß man, dass dieser US-Präsident dabei ist, demokratische Institutionen in den USA zu schleifen. Und dass der Schah-Sohn Reza Pahlavi den Autokraten Trump als den Führer der freien Welt lobte, beweist nur, wie wenig Ahnung er hat von Trump und der freien Welt.

Und ob die Opposition im Iran, die zerstritten ist, auf die Zusicherung von Hilfe aus Israel bauen würde, darf man auch eher bezweifeln. Israels Regierungschef Netanjahu genießt auch im Iran nicht den besten Ruf, um es höflich auszudrücken. Aber Not und Wut auf das Regime sind groß, sodass die deutsch-iranische Aktivistin Daniela Sepehri in einem Gespräch mit dem Bonner Generalanzeiger zu dem Schluss kommt: „Bei vielen Menschen ist die Verzweiflung so groß, dass es ihnen egal ist, wer danach kommt- Hauptsache die Mullahs sind weg.“ Nach einem Sturz des Regimes müsse es freie Wahlen geben, damit die Iraner selbst über ihre Zukunft entscheiden könnten. Schön wärs.

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