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Die 1970er Jahre: Ein prägendes Jahrzehnt

Jürgen Brautmeier Von Jürgen Brautmeier
18. Januar 2026
Wählscheibentelefon 70er Jahre

Vorbemerkung:

Meine Töchter haben anlässlich meines 70. Geburtstags (vor anderthalb Jahren, ich bin Jahrgang 1954) angeregt, dass ich einmal aufschreibe, was es in meinem Leben „alles so gab“. Daraus ist ein Text von mittlerweile über siebzig Seiten geworden, an dem ich hin und wieder Ergänzungen und Änderungen vornehme, wenn mir etwas Neues einfällt, Familiäres wie Berufliches. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich zwischen dem fünfzehnten und dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr, also in den 1970er Jahren, wesentliche Prägungen und Weichenstellungen erlebt und erfahren habe. Das hat mich veranlasst, einmal genauer zu reflektieren, was dieses Jahrzehnt für mich persönlich bedeutet hat.

Meine 1970er Jahre

Das Jahrzehnt zwischen 1970 und 1980 war ein besonderes. Ich habe es als Teenager und als Twen erlebt. Die beiden Jahrzehnte davor, das erste Nachkriegsjahrzehnt und das Wirtschaftswunder in den sechziger Jahren waren historisch und politisch betrachtet natürlich auch besonders, aber ich war zu klein, um die Welt jenseits meines eigenen Horizonts bewusst wahrzunehmen bzw. zu verfolgen. Ausnahmen waren vielleicht der Tod und die Trauerfeierlichkeiten für Konrad Adenauer im April 1967 oder die Mondlandung im Juli 1969, aber an die Ermordung John F. Kennedys im November 1963 kann ich mich nicht genauer erinnern und erst recht nicht an den Bau der Berliner Mauer im August 1961.

In der Endphase meiner Schulzeit Anfang der 1970er Jahre waren wir mit Jeans und Lederjacke bekleidet, „Markenklamotten“ spielten noch keine nennenswerte Rolle, obwohl bestimmte Modetrends wie etwa der Bundeswehr-Parka oder die Schlaghose weitverbreitet waren. Die Haare waren mindestens schulterlang, oft mehr. Bei mir war es etwas weniger, aber die Ohren waren bedeckt. Politisch waren wir interessiert, aber nicht besonders engagiert. An der Schule wurden angeblich Drogen gehandelt („Hast du Haschisch in den Taschen, hast Du immer was zu naschen!“), davon habe ich aber nichts bemerkt bzw. mitbekommen. Über die eigene Zukunft habe ich mir während der Schulzeit noch keine Gedanken gemacht, allerdings war ein Studium schon mein Ziel.

Die Olympische Spiele 1972 in München waren weit weg, obwohl wir natürlich die deutschen Erfolge im Fernsehen mitverfolgten. Mein Schulfreund und Sitznachbar durfte in München dabei sein, weil er sich als guter Hockeyspieler für „Jugend trainiert für Olympia“ qualifiziert hatte und von der Schule dafür Sonderurlaub bekam. Das Attentat auf die jüdische Olympiamannschaft und die nachfolgenden Ereignisse haben wir über das Fernsehen erschrocken miterlebt.

Es war noch die Zeit des Kalten Krieges, aber eine reale Bedrohung spürten wir nicht, zumal die Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt und der von Egon Bahr propagierte „Wandel durch Annäherung“ anscheinend in die richtige Richtung gingen. Der Nordirland-Konflikt bewegte uns, weil wir in der Schule darüber sprachen und im Englisch-Unterricht das Thema – eventuell mit Blick auf Abituraufgaben – ausführlich behandelt wurde. Unter Helmut Schmidt, Bundeskanzler einer sozialliberalen Koalition von 1974 bis 1982, schien die Bundesrepublik gut regiert. Die Kontroversen um die Ostverträge unter seinem Vorgänger Willy Brandt bekamen wir mit, und den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der in der Bundestagswahl 1980 erfolglos als Kanzlerkandidat der Unionsparteien gegen Helmut Schmidt antrat, pfiffen wir bei einem Wahlkampfauftritt im Ehrenhof in Düsseldorf aus. Ich selbst neigte in dieser Zeit, auch wegen der Ostverträge, der FDP zu. Ihren Wahlkampfslogan „Vorfahrt für Vernunft“ trug ich als Button am Parka!

Partys, Feten und Musik waren für uns Jugendliche wichtige Freizeitbeschäftigungen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in dieser Zeit auch ein Konzert der Gruppe „Kraftwerk“, die aus Düsseldorf stammte, in einer Schulaula in Düsseldorf-Golzheim miterlebt. Bei all dem war ich einer von vielen, ohne mich besonders hervorzutun. Fortuna Düsseldorf und die DEG waren „meine“ Vereine, deren Siege und Niederlagen ich verfolgte, ohne wirklich ein eingefleischter Fan zu sein. Zu den Spielen der DEG ging ich, weil es für mich sehr naheliegend war, im Eisstadion an der Brehmstraße dabei zu sein, in dessen Nähe ich wohnte und dort gerne Schlittschuh lief. Spiele der Fortuna im Rheinstadion oder Auswärtsspiele der DEG habe ich aber nicht besucht, selbst wenn sie in Nachbarstädten wie Köln oder Krefeld stattfanden. Für ein bzw. zwei Mädchen in der weiteren Nachbarschaft habe ich geschwärmt, aber ich war zu schüchtern, um sie zu umwerben. Das geschah damals auf privaten Partys oder auf Schulfeten, die immer mit Tanz verbunden waren. Besonders aufregend war dabei der Klammerblues, der engen körperlichen Kontakt ermöglichte. Dazu eignete sich beispielsweise „Hey Jude“ von den Beatles, die in den 1960er Jahren eine beispiellose Karriere begonnen hatten und eine meiner Lieblingsbands waren. Die etwas wilderen Jungs standen auf die Rolling Stones und Punk.

Am Ende der Schulzeit und vor allem während des Studiums in Düsseldorf war die Altstadt, als längste Theke der Welt bekannt, nicht nur am Wochenende gut frequentiert. Dort hatte man eine Stammkneipe, die in meinem Fall auch „Die Kneipe“ hieß. Da die Düsseldorfer Uni eine Pendleruniversität war, gab es kein richtiges Studentenleben, dafür fehlte die Infrastruktur an Kneipen oder Verbindungshäusern etc. Also traf man sich in der Altstadt. In meine Zeit an der Uni fiel auch der Streit um die Namensgebung „Heinrich-Heine-Universität“. Einen vom ASTA vertriebenen Aufkleber mit eben dieser Aufschrift und einer Zeichnung des Kopfs des Dichters hatte ich natürlich am Heck meines VW-Käfers, den ich seit meiner Bundeswehrzeit fuhr.

Über die Adenauer-Stiftung, von der ich ein Stipendium hatte, ergab sich eine Nähe zum Ring Christlicher Studenten, dem RCDS, aber die politischen Auseinandersetzungen etwa um das allgemeinpolitische Mandat der Studentenschaften interessierte mich nicht wirklich. Hochschulpolitisch war ich also nicht engagiert. Einer meiner ehemaligen Klassenkameraden war dagegen sehr auf der marxistisch-leninistischen Seite unterwegs, in einer der sogenannten K-Gruppen, was ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Er hat sein Studium, so glaube ich, auch nicht beendet und ist irgendwann nach Irland ausgewandert und hat dort Schafe gezüchtet.

Zum Essengehen mit Kommilitonen oder anderen Bekannten fehlte das Geld. Diskotheken kosteten oft Eintritt, aber mich reizten sie nicht. Theater und Oper gab es in Düsseldorf in bester Qualität, aber auch das ist an mir weitestgehend vorbeigegangen, wohl weil es dafür von zu Hause oder von Seiten der Schule keine Motivierung gab. Kinobesuche waren eine Alternative, aber das nicht sehr häufig. Der deutsche Film war für mich nicht sonderlich attraktiv, Regisseure wie Fassbinder, Herzog, Schlöndorff oder Wenders trafen nicht meinen Geschmack. Eher sah ich mir Italo-Western wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Vier Fäuste für ein Halleluja“ an.

Die „große“ Weltpolitik der 1970er Jahre bekamen wir mit, aber je nach Interesse war sie auch weit weg. Mich interessierte insbesondere Amerika. Die Watergate-Affäre 1974 und der Rücktritt von Präsident Nixon ebenso wie das Ende des Vietnamkriegs 1975 waren einschneidende Ereignisse. Meine dreimonatige Amerikareise, die ich 1975 zusammen mit drei Freunden unternahm, war davon allerdings vollkommen unberührt, im Gegenteil überlagerten dort die Vorbereitungen auf das „Bicentennial“, also die anstehenden Zweihundertjahrfeiern der USA, alle anderen Themen überall, wo wir hinkamen. Und in England, wo ich 1978/79 studierte, bekam man in Cambridge relativ wenig mit vom Streit zwischen der Labour-Regierung unter James Callaghan und den Gewerkschaften über Lohnsteigerungen und 35-Stunden-Woche, was im „Winter of Discontent“ zu massiven Streiks, dem Rücktritt Callaghans und dem Wahlsieg Margaret Thatchers im Mai 1979 führte. Von welthistorischer Bedeutung war in dieser Zeit ein anderes Ereignis: die Wahl von Karol Wojtyla im Oktober 1978 zum Papst. Als Johannes Paul II. war er der erste Pole auf dem Papstthron. Eine meiner Zimmernachbarinnen im College in Cambridge war polnischstämmig und ganz aus dem Häuschen, als sich die Nachricht seiner Wahl verbreitete.

Für mich persönlich hat es in den 1970er Jahren – in der Rückschau – entscheidende Weichenstellungen gegeben. Für letzteres war beispielsweise ein besonderes Erlebnis bedeutsam, nämlich in der Studienzeit ein Seminar der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Auf einer Aussichtsplattform am Brandenburger Tor habe ich die deutsche Teilung quasi gespürt. Ein Tagesbesuch in Ost-Berlin gehörte auch dazu. Die schlechte Luft dort – geheizt wurde mit Braunkohle und der Trabi mit Zweitaktmotor hatte einen sehr hohen Abgasausstoß – und die bedrückende Atmosphäre sind mir lange in Erinnerung geblieben und haben sehr zu meiner politischen Sozialisation und Orientierung beigetragen. Insgesamt haben mich die Jahre zwischen 1970 und 1980, von der Weltanschauung über die Musik und die Mode bis hin zu Schule und Studium, wohl mehr als jedes andere Jahrzehnt geprägt.

 

P.S.: Das ZDF hat 2022 eine vierteilige Miniserie produziert, in der mehr oder weniger bekannte Zeitzeugen und Beobachter ihre Erinnerungen und Einschätzungen über die 1970er Jahre schildern. Politik, Gesellschaft und Kultur in West- wie in Ostdeutschland werden unter dem Motto „Jahrzehnt der Gegensätze“ kommentiert und eingeordnet. Viele meiner Themen tauchen darin auf. Meine Einordnung der „Geschehnisse von damals“, mit „Hippie-Style und Discofieber, Frauenpower und Protesten, Krisen und dem Terror der RAF“ ist eine andere, aber es ist eben eine sehr subjektive Erinnerung.

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