Erst droht er dem bösen Teil Europas mit Strafzöllen, dann zieht er die Drohung zurück. Er beleidigt die Bewohner Grönlands, will das „Stück Eis“, wie er die größte Insel der Welt nannte, einheimsen, kaufen oder auch notfalls militärisch übernehmen, am besten wäre es, die Insulaner verhandelten sofort mit ihm und übergäben freiwillig das Land an das glorreiche Amerika, das allein in der Lage sei, Grönland gegen all die Feinde, die von der See drohen, abzuwehren wie Russland und China. Dann zieht er das mit dem Militärischen zurück. Unverschämt bleibt der Ton dennoch. Grönland ist Teil Dänemarks, das Land ist Mitglied der NATO wie die USA. Es wäre ein Bündnisfall, marschierten die Amis da ein. Das Ende der NATO auch.
Trump also auf dem Rückzug? Um Ausgleich bemüht? Wer es glaubt, wird selig. Er ist ein Gernegroß, ein Angeber, ein Egomane. Ich warte auf den nächsten Schlag des US-Präsidenten gegen Europa, gegen Deutschland, Frankreich, Grönland, gegen all jene, die nicht bereit sind, ihm, dem Größten Präsidenten aller Zeiten, blind zu folgen. Europa, Deutschland, Dänemark, wir alles sind vorgewarnt. Die USA unter Donald Trump sind nicht mehr die Bündnisvormacht, nicht mehr Vorbild, statt Freund und Partner nunmehr Gegner. Es ist die zweite Zeitenwende innerhalb von vier Jahren. Erst die Invasion von Putins Russland in die Ukraine, damals verkündet von Kanzler Olaf Scholz, und jetzt der Versuch der USA Europa zu erpressen. Es gibt den Westen nicht mehr. Europa muss schauen, dass es allein zu Recht kommt.
Die Welt sieht plötzlich anders aus
Die Welt sieht plötzlich anders aus. Grenzen werden nicht mehr respektiert, der Sinn von Demokratien wird angezweifelt, Autokratien sollen sie ersetzen. Europa ist plötzlich allein, „eingeklemmt zwischen einem Feind im Osten und einem Gegner im Westen“(SZ). Wo bleiben da unsere Werte, für die wir kämpfen sollten wie Freiheit, Frieden, die Würde des Menschen?
Was heißt, Europa muss umdenken, seine nationalen Egoismen aufgeben zugunsten von Zusammenschlüssen- in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik wie auch in der Wirtschaft. Wir brauchen eine europäische Armee, eine europäisch abgestimmte Rüstungspolitik und -produktion. Sonst gehen wir unter, werden erdrückt, geschluckt, zerstört, erpressbar, jeder mag sich das Bild der Zukunft Europas ausmalen, es ist in jedem Fall düster- wenn wir nicht zusammenhalten. Das mit dem Freihandelsabkommen Mercosur war und ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit Europas von den USA, ein Signal gegen die Strategie von Trump und Co, Europas Wirtschaft mit Strafzöllen zu lähmen und US-Produkte zu fördern. Dabei sind Zölle eher hinderlich für eine Wirtschaft, hier wie da. Aber wenn Trump damit versucht, Politik zu machen zugunsten Amerikas, muss Europa zurückschlagen, sich wehren.
Nicht der hellste unter dem Himmel
Wenn man einem Donald Trump zuhört und ihn dabei beobachtet, wie er redet, merkt man schnell seine Eitelkeit. Der Mann, gewiss nicht der hellste unter dem Himmel, will Anerkennung, den Beifall der Staats- und Regierungschefs wie der Wirtschaftsführer, so geschehen auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Nobel-Ski-Ort Davos. Diskussionen mag er nicht, Kritik auf keinen Fall, ein Nein sieht er als Affront an, als Beleidigung. Er weiß, dass er als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika der mächtigste Mann der Welt ist. Und er nutzt das aus, indem er dieses Pfund seinen Zuhörern unverblümt um die Ohren haut. Motto: Ich bin der Stärkste, Ihr müsst tun, was ich will. Ich könnte Euch alle vernichten.
Trump ist Trump. Er kennt nur sich. Er ist das Gesetz. Hier muss ich kurz anhalten. Denn dieser Satz schließt ein, dass der Milliardär Trump geltendes Recht nicht mehr akzeptiert. Es gilt in seinem Amerika das Recht des Stärkeren und nicht die Stärke des Rechts. Moral? Er akzeptiert nur seine Moral und sofort muss man mehrere Fragezeichen dahinter setzen. Seine Moral als allein gültiger Maßstab? Schon vergessen, dass er vor wenigen Jahren seine Wahl-Niederlage gegen Joe Biden nicht akzeptierte und seine Anhänger derart aufhetzte, dass sie am Ende das Kapitol in Washington stürmten. Es gab Tote und Verletzte. Trump hätte angeklagt werden müssen, stattdessen hat dieser Mann ein paar Jahre später wieder die Präsidenten-Wahl gewonnen und ist dabei, eine der ältesten Demokratien der Welt zu schleifen. Er ist dabei, die Unabhängigkeit der Justiz zu unterbinden, sie soll ihm untertan sein, nur noch tun, was er fordert. Auch die Unabhängigkeit der Presse ist ihm ein Dorn im Auge. Wer nicht bereit ist, ihm, dem Präsidenten zu huldigen, den schmeißt er halt raus der edlen Garde der White-House-Press. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak hat Trumps Rede in Davos als „Ansprache eines Gangsters“ kritisiert.
Davos hat Trump schnell als seine Bühne erkannt und sie eingenommen. Er wusste, die Welt saß ihm dort zu Füßen, um ihm zuzuhören. Dabei demonstrierte der Präsident, wes Geistes Kind er ist. Er lobte seine angeblichen Erfolge, malte ein Bild von Amerika, das golden glänze, die Suppenküchen kamen bei ihm nicht vor. Seine Rede war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Drohungen und Selbstlob über Selbstlob. America is great again– thanks to Trump. Die ganze Welt ist quasi von Amerika abhängig, Wohlstand gibt es nur mit Amerika. Und trotz all der angeblichen Wohltaten der USA für die Welt, namentlich Europa kein Dank, nirgends. Vietnam erwähnte er nicht, den Irak auch nicht, Afghanistan kam nicht vor. Kein Wort dazu, dass er seine Soldaten gegen Amerikaner ins Feld schickt, dass in Minnesota eine Frau erschossen wurde im Auto. Von einem Beamten der Einwanderungsbehörde ICE. Die Trump-Regierung nannte die Mutter von drei Kindern u.a. eine Terroristin.
Ein Friedensrat mit Putin
Trump mag die UNO nicht, also weg damit. Also prescht er vor mit einer billigen Idee: ein Friedensrat soll gegründet werden. Wer eine Milliarde Dollar zahlt, darf unbefristet dabei sein. Vorsitzender ist natürlich er, Trump, der darüber entscheidet, wer aufgenommen wird. Deutschland ist eingeladen, hält sich aber bedeckt, Vizekanzler Klingbeil betonte, Berlin setze auf die UNO. Putin soll Mitglied werden wie Chinas Xi, Belarus, Ungarn, samt und sonders Autokraten. Was ist mit Nordkoreas Staatschef? Trump hat ihn mal als seinen Freund bezeichnet. Frankreichs Präsident Macron hat die Einladung Trumps abgelehnt und bekam als Reaktion Drohungen zu hören, darunter Strafzölle von 200 Prozent auf französischen Champagner und Weine.
Die „Süddeutsche Zeitung“ überschrieb den Aufmacher zum Thema Trump im Feuilleton: „Wir sind ihm scheißegal.“ Der Autor, der frühere Chefredakteur des Blattes, langjähriger Korrespondent in Washington und Bonn/Berlin, Kurt Kister, bat die Leser ob der drastischen Formulierung um Verzeihung, aber der Ausdruck entspricht nun mal der „Trumpschen Manier“. Wohl wahr. Kister beschreibt dann auch die Geschichte der NATO nach dem 2. Weltkrieg, weist daraufhin, dass die „allermeisten Gründungsstaaten der NAT0 von Deutschen vor nicht allzu langer Zeit überfallen worden waren. Auch für die Staaten des Warschauer Paktes traf dies zu, wo die NATO durchaus auch als ein Wiederaufleben des deutschen Militarismus gewertet wurde.“ Die Bundesrepublik wurde dann zum Frontstaat gegen die Sowjetunion mit ihrer Absicht der Errichtung einer kommunistischen Weltherrschaft. Bundeskanzler Konrad Adenauer(CDU) setze dann die Wiederbewaffnung der Republik durch, 1955 kam es zum Amt Blank als Vorläufer des Bundesverteidigungsministeriums, erster Minister der Verteidigung wurde der CDU-Abgeordnete Theodor Blank, die erste Kaserne weihte Adenauer 1956 in Andernach ein: die Krahnenberg-Kaserne ein. Verteidigung durch Abschreckung hieß die politische Strategie. Erster Dienstsitz waren das Museum König und dann die Ermekeil-Kaserne in Bonn.
Und anders als das Trump behauptet, haben die USA nicht alles allein bezahlt, die Europäer haben sich auch ihre Sicherheit nicht auf Kosten der Amerikaner erschlichen. Aber Tatsache war auch, was ja im Trumpschen Sinne sein müsste, dass die US-Amerikaner nun mal den Weltmacht-Anspruch hatten, der Gegner, der Feind waren die Sowjets, die Russen standen unentwegt in Deutschland vor der Tür, zumal in Berlin, das geteilt war, die Ostzone, pardon die DDR war Teil des Warschauer Pakts. Und so weiter. Und dass die Geschichte nicht 1990 ff zu Ende war, wie mancher zu frohlocken glaubte nach dem Falls der Mauer, dem Endes des Warschauer Paktes, der Annäherung Washingtons und Moskaus unter Gorbatschow und Jelzin, das sei noch erwähnt, ist aber historisch anders gekommen. Geschichte endet nie.
Partner, nicht Untertanen
Ob also die Amerikaner in der NATO bleiben, muss man abwarten. Trump ist immer wieder für einen Knall gut. Und wer weiß, ob sich eine Lösung für Grönland findet, die dem
Allmacht-Streben des US-Präsidenten gefällt. Er will Grönland haben. Wie ein Kind im Sandkasten den Löffel des anderen Kindes.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat in Davos als Antwort auf die Rede Trumps betont, im Zeitalter der Großmächte seien auch die USA auf die NATO und ihre Partner angewiesen. „Autokratien mögen Untertanen haben, Demokratien haben Partner und verlässliche Freunde. Wir sollten die NATO nicht aufgeben“, sagte der Kanzler. Unter Hinweis auf die gestiegenen auch finanziellen Anstrengungen aller NATO-Partner erklärte Merz: „Europa hat die Botschaft verstanden. Deutschland hat die Botschaft verstanden. Wir müssen uns verteidigen können- und zwar schnell.“
Bei aller Kritik an Donald Trump und seiner Abneigung zum Fortbestehen der westlichen Allianz, der Betonung seines amerikanischen Weges- America first, America great again– könnte die Entwicklung der letzten Wochen auch eine Chance für Europa sein. An die Wand gedrückt, beinahe erpresst und in ziemlicher Not entschließt sich das zerstückelte Europa, in Zukunft gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Einer für alle, alle für einen. Wir brauchen eine europäische Verteidigungspolitik mit einer europäischen, oder wenn man Kanada dazu zählt, eine multinationale Armee, einheitlich geführt. Ein schwieriger Weg, gewiss, mit vielen Hürden, manchen Protesten und Einwänden, aber der Schritt ist notwendig, lebens- oder gar überlebensnotwendig. Nur so kann sich Europa verteidigen, wenn es denn angegriffen würde. Das ist die Chance für Europa. Das ist nicht gegen die USA gerichtet, sondern zielt allein auf die Unabhängigkeit und Souveränität Europas.











