„Vor ziemlich genau einem Jahr hat Werner Mittelstaedt den nachfolgenden Beitrag im Blog der VDW veröffentlicht. Wie recht er doch hatte! Wir halten diesen Beitrag deshalb für so wichtig, dass wir ihn noch einmal veröffentlichen.“
Am 28. Februar kam es im Oval Office zu einem diplomatischen Eklat: Vor laufenden Kameras gerieten US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj heftig aneinander. Trump, unterstützt von Vizepräsident J.D. Vance, warf Selenskyj mangelnde Dankbarkeit für die US-Militärhilfe und Respektlosigkeit vor. Der US-Präsident überzog seinen Gast mit Vorwürfen und drohte, die Unterstützung der USA einzustellen, sollte Selenskyj nicht einem Deal mit Russland zustimmen. Schließlich wurde das Gespräch abrupt abgebrochen – eine Demütigung eines Staatschefs in aller Öffentlichkeit.
Dieses Treffen symbolisiert die Rücksichtslosigkeit der neuen US-Regierung unter Trump. Seit seinem Amtsantritt am 20. Januar 2025 vergeht kaum ein Tag ohne alarmierende Nachrichten. In weniger als zwei Monaten hat sich die US-Politik drastisch gewandelt – sowohl innen- als auch außenpolitisch. Eine Auswahl der gravierendsten Maßnahmen:
- Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen
- Austritt aus der WHO
- Begnadigung von rund 1.500 Trump-Anhängern, die am Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 beteiligt waren
- Abschaffung des Geburtsrechts auf die US-Staatsangehörigkeit
- Austritt aus dem globalen Mindeststeuerabkommen
- Erklärung eines nationalen Energienotstands zur Förderung fossiler Energieträger
- Aufhebung der Sanktionen gegen extremistische israelische Siedler im Westjordanland
- Zerschlagung des Entwicklungsprogramms USAID und Streichung von Hilfsgeldern für Afrika
- Fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) soll jeder NATO-Staat künftig für seine Verteidigung ausgeben
Trump untergräbt gezielt rechtsstaatliche Prinzipien, demokratische Institutionen und soziale Errungenschaften. Seine Außenpolitik zeigt zudem imperialistische Tendenzen: Er drohte Panama, Grönland und Kanada, die er als Teil der USA beanspruchen wolle. Zudem gibt es Berichte über Pläne, den Gazastreifen unter US-Kontrolle zu bringen und die palästinensische Bevölkerung nach Jordanien und Ägypten umzusiedeln – mit Unterstützung der rechtsextremen Regierung Benjamin Netanjahus. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer drohenden „ethnischen Säuberung“.
Auch wirtschaftlich zeichnet sich ein gefährlicher Machtzirkel ab. Besonders besorgniserregend ist die enge Verbindung zwischen Trump und Elon Musk, dem reichsten Mann der Welt. Musk unterstützt offen rechtsextreme Politiker und Parteien und sorgte bei Trumps Amtseinführung mit einer Geste für Aufsehen, die an faschistische Grüße des 20. Jahrhunderts erinnerte.
Rhetorisch setzt die Regierung auf Eskalation: Vizepräsident J.D. Vance nutzte die Münchener Sicherheitskonferenz am 14. Februar, um den Europäern mangelndes Demokratieverständnis vorzuwerfen – mit fragwürdigen Argumenten.
Trumps Wahl zum 47. US-Präsidenten markiert eine Zeitenwende mit globalen Konsequenzen. Seine Politik bedroht nicht nur den Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität, sondern verstärkt auch soziale Ungleichheiten. Der Rückzug der USA aus internationalen Abkommen und die Schwächung demokratischer Institutionen erschüttern das westliche Bündnis und gefährden die liberalen Demokratien.
In George Orwells Roman 1984 herrscht ein totalitärer Staat, der seine Bürger durch allgegenwärtige Überwachung und Manipulation der Wahrheit kontrolliert. Der Protagonist Winston Smith lehnt sich gegen diese Unterdrückung auf, wird jedoch schließlich gebrochen. Die zentrale Warnung des Romans: Absolute Macht zerstört individuelle Freiheit.
Steuern die USA unter Trump auf eine ähnliche Dystopie zu? Ist seine Regierung der Autokratie Russlands näher als den Demokratien Europas? Oder gibt es noch Hoffnung, dass sich die USA von diesem Kurs abwenden und die Werte der Demokratie wieder ernst nehmen?
Über den Autor:
Werner Mittelstaedt, Jahrgang 1954. Seit den 1970er-Jahren als kritischer Zukunftsforscher vielfältig aktiv. Autor von 13 Büchern und zwei Theaterstücken. Sein Theaterstück Tipping Point 2029 wird vom 14. bis 17. Mai 2025 im MC Showroom Theatre in Melbourne/Prahran uraufgeführt. Er ist Gründer und Herausgeber der seit 1981 erscheinenden Zeitschrift BLICKPUNKT ZUKUNFT (www.blickpunkt-zukunft.com). In seinen Büchern behandelt er u. a. Themen wie qualitatives Wachstum, globale Megatrends, Nachhaltigkeit, Anthropozän, Klimawandel, Frieden, Fortschritt und zukunftsfähige Wertorientierungen. Sein letztes Buch „Transformation und Ambivalenz. Steht die Welt vor dem Kollaps? Kurskorrektur oder Klimakatastrophe“ erschien 2023. Seit 1994 ist er Mitglied in der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), Berlin. Vom Oktober 2019 bis Februar 2023 war er Vorstandsmitglied der VDW.
Detaillierte Informationen siehe: www.werner-mittelstaedt.com/vita.html
Buchhinweis:
Werner Mittelstaedt
Wie das Unmögliche möglich wird – Skizzen für ein neues Fortschrittsnarrativ
200 Seiten, kartoniert
Buch: ISBN 978-3-7329-1185-1, EUR 29,80
E-Book: ISBN 978-3-7329-8730-6, EUR 40,00
Zum Inhalt
Hochaktuell und mit überraschenden Analysen bringt Werner Mittelstaedt die Lage der Menschheit auf den Punkt. Und er geht noch einen Schritt weiter: Er zeigt, wie ein neues Fortschrittsnarrativ den Weg zu einer Gesellschaft weisen kann, die Wohlstand schafft, Nachhaltigkeit ernst nimmt und das Klima schützt. Seine Thesen dienen als Orientierung und eröffnen Perspektiven. Sie umfassen Konzepte und
Vorschläge für eine ökonomische Wachstumswende, den Umgang mit KI, die Stärkung liberaler Demokratien, eine humane Migrationspolitik, wirksamen Klima- und Biodiversitätsschutz, militärische Sicherheit ohne Rüstungseskalation, Bildung für die Herausforderungen der Zukunft und ansprechende Belohnungssysteme. So entsteht Raum für ein neues Denken in Richtung zukunftsfähiger Entwicklungen. Ohne Beschönigungen vermittelt Mittelstaedt Zuversicht: Der Autor zeigt, dass wir fast alles, was heute unmöglich erscheint, möglich machen können und dass jede und jeder sich daran beteiligen kann.
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