„Die Vereinigten Staaten tragen zur globalen Unordnung bei“, so urteilt Francis Fukuyama über die jetzige Regierung und fährt in einem FAZ-Interview fort: „Wir haben einen Präsidenten, der seine persönlichen Interessen, seinen Reichtum und die Bereicherung seiner Familie über das nationale Interesse stellt.“
Harsche Kritik an Trump
Nach seinem Buch im Jahr 1992 über „Das Ende der Geschichte“ hat Fukuyama jüngst ein Werk mit dem Titel „Der letzte Mensch: Wohin steuert die Welt?“ veröffentlicht. Darin geht er sehr harsch mit der Politik von Donald Trump um.
Immerhin waren die USA zwischen 1989 und 2008 kulturell, ökonomisch und politisch so dominant wie noch nie. Doch nach der Finanzkrise 2008 habe sich die globale Machtverteilung verändert. Was die USA seit dem Einstieg Trumps in die politische Führung erlebt haben, ist eine echte Selbstschwächung, eine extreme Polarisierung. Vor allem habe sein Land in der zweiten Amtszeit von Trump seine Rolle gegenüber China stark geschwächt. Das sei ein Geschenk an China, obwohl niemand die Schwächen übersehen kann: „Es ist noch nicht entschieden“, so Fukuyama, „wie erfolgreich China als alternatives Modell zur liberalen Demokratie sein wird“.
Rückschlag im Herbst 2026 für Trump ?
Fukuyama geht davon aus, dass Trump im November bei den Zwischenwahlen einen herben Rückschlag erleiden könnte. Denn seine Beliebtheitswerte lägen zur Zeit im unteren Dreißigerbereich, was die Stärke der Demokratie zeige. Denn Präsident Trump versuche, den Staat zu vereinnahmen. „Die Trump-Regierung ist die korrupteste Regierung in der US-Geschichte“, so das Fazit Fukuyamas. Natürlich würde der Präsident gerne wie ein König regieren und Verordnungen erlassen. Ein Beispiel dafür seien die Zölle, die Trump nutzen wollte, um andere Länder einzuschüchtern und seinen Willen durchzusetzen, um die internationale Ordnung neu zu gestalten. Der oberste Gerichtshof habe ihm jedoch klar gemacht, dass die Zölle unrechtmäßig sind.
Harter Rückschlag im Iran-Krieg
Trump hat sich eingebildet, dass die USA global alles tun können, was er wolle – insbesondere auch nach der Verhaftung von Nicolas Maduro in Venezuela. Eine harte Lektion hat ihm jedoch der Iran-Krieg erteilt: Der politische Denker Fukuyama kreidet Trump an, dass es ein großes Problem ist, wenn man einen schlecht ausgebildeten, primitiven, starken Mann an der Macht hat. Er macht solche Fehler.
Deutschland in einer Führungsrolle
Der Politwissenschaftler richtet auch seinen Blick nach Europa, für das Fukuyama zwei große Herausforderungen sieht: Da ist der Entscheidungsprozess innerhalb der EU, wo ein kleines Land mit einem Veto die Entscheidungen der anderen Staaten blockieren könne. Fukuyama empfiehlt entweder ein zweistufiges Europa oder eine Form der Mehrheitsentscheidung, damit der Kontinent mit einer Stimme sprechen könne.
Zweitens ist Europa „geoökonomisch nicht wettbewerbsfähig, weil der Binnenmarkt noch unvollendet ist. In den 27 Ländern gibt es unterschiedliche Regulierungssysteme.“ Deshalb gebe es keine großen europäischen Technologieunternehmen oder Banken, die mit den US-Banken konkurrieren könnten.
Den Deutschen empfiehlt Fukuyama, eine Führungsrolle zu übernehmen. Deutschland sei nach wie vor die stärkste Wirtschaftsmacht und werde auch die größte Militärmacht in den nächsten Jahren aufbauen. Deshalb müssten die Deutschen die Zurückhaltung gegenüber Macht und den Gebrauch von Macht überwinden, wie es Fukuyama Deutschland und ebenso Japan empfiehlt.
AfD mit Populismus
Was inzwischen mehr Autokratien statt Demokratien und mehr Populismus und Nationalismus von links und rechts anbetrifft, so zieht der Polit-Professor von der Stanford-Universität den Schluss, dass „Wähler von den populistischen Parteien wie der AfD, die MAGA-Bewegung oder Reform UK meist Menschen, die außerhalb von Großstädten leben, weniger gebildet und wohlhabend sind und der Arbeiterklasse angehören. Die Globalisierung hat vielen Arbeitern ihre Arbeitsplätze genommen. Sie sind verärgert und wütend. Das treibt den Populismus an. Es geht weniger um wirtschaftliche Ungleichheit als um eine Ungleichheit in der Anerkennung.“
Aufbruch zur liberalen Demokratie
Der liberalen Demokratie wird eine Zukunft eingeräumt. Der Blick nach Budapest hat Gewicht, nachdem Fidesz im April 2026 eine Niederlage erlitten hatte. Fukuyama sieht „den Widerstand gegen die autoritären Tendenzen so wie 1989, als hunderttausende Menschen auf den Straßen die Demokratie feierten.“
Francis Fukuyama hat das „Ende der Geschichte“ immer wieder überarbeitet und modifiziert. Heute sagt er, dass „es bestimmte Argumente gibt, die ich damals vertreten habe, an die ich heute nicht mehr glaube.“ Als er 1992 sein Werk „Das Ende der Geschichte und der Letzte Mensch“ publizierte, hatte er kein Konzept vom politischen Verfall. Demokratien können Rückschritte machen: „Auch war mir die Bedeutung eines modernen Staates nicht bewusst. Gleichwohl bleibt eines immer noch wahr: Für eine moderne Gesellschaft gibt es keine realistische Alternative zur liberalen Demokratie.“
Francis Fukuyama, der 1952 in Chicago geboren wurde, studierte Politikwissenschaften in Harvard. 1992 veröffentlichte er seinen Bestseller „Das Ende der Geschichte“, das ihn international bekannt machte. Er arbeitete für die Regierungen von Ronald Reagan und George H.W. Bush im US-Außenministerium. Sein neues Buch „Der letzte Mensch: Wohin steuert die Welt?“ ist im Hoffmann und Campe-Verlag erschienen.












