René Benko, seit Februar 2025 Untersuchungshäftling, sitzt derzeit in der Haftanstalt Innsbruck. Der frühere Immobilienhändler und Kaufhausbesitzer verursachte wohl die grösste Nachkriegspleite Österreichs. Der 49 jährige sieht sich nun mit 16 Gerichtsverfahren konfrontiert. Zweimal verurteilten ihn Gerichte der ersten Instanz zu kleineren Strafen, unter anderem von zwei Jahren Haft wegen betrügerischen Konkurses. Da ging es um die Verschleierung von teuren Uhren und Bargeld vor den Insolvenzverwaltern, sowie um eine Schenkung von 300 000 Euro an seine Mutter, als sich die Zahlungsunfähigkeit des Signa Konstruktes bereits abzeichnete. Der Oberste Gerichtshof Österreichs urteilt Anfang Juli, ob die Urteile rechtmässig ergingen und Benko aus der Untersuchungs- in die normal Haft wechseln darf.
Im vierten Quartal 2022 zeichnete sich bei einzelnen Gesellschaften von Benko unter den Namen Signa Holding, Signa Sports und anderen Signa Verbindungen die Zahlungsunfähigkeit ab. Aber erst ab März 2023 wurde eine Gesellschaft nach der anderen in die Insolvenz geschickt.
Insgesamt geht es um Forderungen vieler – auch internationaler – Gläubiger in Milliardenhöhe und um die Frage, wer ist verantwortlich für die Pleitewelle, die das verschachtelte Imperium aus mehr als 1000 Firmen zusammenbrechen liess. Die Konkurse führten allein in Ostwestfalen zur Schliessung von Galeria Karstadt Kaufhof Filialen in Bielefeld, Paderborn, Höxter und Gütersloh und einem Arbeitsplatzverlust für 280 Menschen. In 66 weiteren Städten Deutschlands bangten insgesamt 12000 Menschen um ihre Arbeitsplätze, zum dritten Mal binnen kurzer Zeit. Schliesslich schlossen insgesamt neun Filialen für immer ihre Pforten.
Zuvor hatte der Bund mit Krediten von 680 Mio Euro zum Erhalt beitragen wollen- vergeblich.
Expolitiker halfen beim Aufstieg Benkos und verdienten an ihm. Gegen einige wird jetzt ermittelt wegen möglichem Konkursbetrug, so gegen Österreichs Altbundeskanzler, den Sozialdemokraten Alfred Gusenbauer, einst Aufsichtsratschef und -mitglied bei mehreren der Signa Firmen von Benko. Geprüft wird, ob er für Honorare von 4,6 Millionen Euro seine Pflichten verletzte. 296 000 Euro hat Gusenbauer bereits zurückgezahlt. Hausdurchsuchungen in Büros und Wohnungen Gusenbauers sollen weiter aufklären. Auch Freiheitliche und Konservative Politiker haben mit kassiert beim Immobilienpoker des einstigen Sunnyboys ohne Schulabschluss, René Benko. Zum Beispiel Ex Volkspartei Kanzler Sebastian Kurz als Berater, der ursprünglich Honorare in Höhe von 2,4 Mio Euro in Rechnung stellte. Geflossen seien nur 750 000 Euro. Davon habe Kurz mittlerweile 415 000 Euro zurückgezahlt.
In Deutschland zeugen Bauruinen von Nord bis Süd von der Geldschaukel, die im November 2023 einzustürzen begann. Geldschaukel, weil die Justiz prüft, ob nicht ein Loch in einem der mehr als 400 Signa Gesellschaftskassen mit Geld aus einer anderen Gesellschaft gestopft wurde. Zurück bleiben zahllose Arbeitslose in Betrieben wie Kaufhof und Sportwelt sowie vom unfertigen David Chipperfield 100 Meter hohen Elbtower in Hamburg bis zu drei Gebäuden in München und natürlich etliche Projekte in Österreich. Zu Benkos Glanzzeiten wurde dessen Vermögen auf 4,6 Milliarden Euro geschätzt. Gerichte in Österreich, Italien, Deutschland, Lichtenstein versuchen in mühevoller Kleinarbeit Licht ins Dunkel zu bringen. Ein verschachteltes Imperium von Firmen macht die Aufklärung schwer. Gelder wurden hin und her geschoben, Immobilien wurden höher bewertet als realistisch, um an neue MIttel zu kommen, so lauten die Vorwürfe.
Der Spuren sind viele: Hat Benko in seinen vier Privatstiftungen in Lichtenstein Gelder vor den Insolvenzverwaltern versteckt? Hat er teure Waffen verheimlicht? Hat er noch Gelder an Kinder und Mutter verteilt, als ihm das Wasser schon „Oberkante Unterlippe“ stand?
Kreditgebende Scheichs aus dem Mittleren Osten fordern Beträge bis zu 1,5 Milliarden Euro zurück. Teile dieser Forderungen gegen die Laura Privatstiftung, benannt nach der ältesten Tochter Benkos. Zustande kamen die Investments aus dem Mittleren Osten bei einer Reise des früheren Österreichischen Volksparteichefs und Kanzlers Sebastian Kurz. Benko war Teil der Wirtschaftsdelegation. Insgesamt in vier Stiftungen hat Benko Privatvermögen untergebracht, als Schutz vor dem Zugriff gieriger Gläubiger oder wirklich nur für die Kinder?
Viele Fragen werden von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft aufgeklärt werden, so hofft man, aber es wird noch Jahre dauern. Hat Benko den früheren STRABAG Chef Hans-Peter Haselsteiner um fünf Millionen Euro betrogen? Als die Insolvenz schon am Horizont klar war, lieh der Benko noch einmal 5 Millionen Euro. Haselsteiner hat als einer der wenigen Beteiligten öffentlich zugegeben, von Benko getäuscht worden zu sein und viel Geld in dem vagen Imperium Benkos verloren zu haben. Viele Prozesse mit unklaren Ergebnissen liegen noch vor uns, bis der komplette Schaden den Verantwortlichen zugerechnet werden wird.












