Gute Nachricht! Trotz Frust über seine Mutterpartei SPD fährt der Juso-Vorsitzende Philipp Gangolf Balthasar Türmer (30) alkoholfrei durchs Land. Denkt er an die SPD bei Nacht, dann ist das für ihn „niederschmetternd“, aber selbst am Abend der Wahlniederlage in Baden-Württemberg war er weit davon entfernt, sich an einer Autobahnraststätte „die Kante“ zu geben. „Gott sei Dank bin ich noch nicht an dem Punkt, wo ich an Autobahnraststätten Dosenbier trinken muss aus Verzweiflung“, gestand der 30 jährige der Berliner Morgenpost.
Stattdessen bekommt die Duschkabine seinen Frust ab. Da steht er morgens schon mal drin und schreit. Warum genau sagt er nicht. Aber dass die Dusche helfen kann, mit Frust jeder Art fertig zu werden, hat Franz Müntefering, der letzte bekennende Kalt-Duscher der SPD, für sich immer in Anspruch genommen. Ständige Morgenübung: Wasser kalt, bibbern, bis Hundert zählen, dann ab ins noch kältere und härtere wirkliche Leben. Und erst dann mit dem Schreien beginnen, wenn es notwendig ist. Schließlich ist ja nicht die Dusche zuständig für den unbefriedigenden Zustand der „Weltmacht SPD“ (Willy Brandt).
Außerdem, warum regt sich dieser Juso über den Zustand der Genossen im Ländle auf, warum muss er die Dusche deswegen beschreien? Dort ist doch alles in bester Ordnung. Sascha Binder ist als BaWü-Generalsekretär (für wie viele Genossen benötigt man eigentlich noch einen General?) nach dem Wahldesaster von 5.5 Prozent der Stimmen am Sonntag zurückgetreten und am Dienstag als neuer Fraktionsvorsitzender der Kleingruppe SPD wieder auf erstanden. Schreie unter der Dusche? Kaltduschen als Härteübung? Oder eben um eines Posten willens: Sascha Binders Warmduscherei.
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Für Jens Spahn, den zackigen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendem im Bundestag, gilt ein Zitat des ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Der hat einst gewarnt: „Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, dass in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen.“
Ziemlich dreist hatte Spahn am Wahlabend auf die Grünen um Cem Özdemir gezeigt und ihnen vorgeworfen, nur mit einer „Schmutzkampagne“ den knappen Wahlsieg erreicht und damit den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel wegen eines Videos über „rehbraune Augen“ um den Erfolg betrogen zu haben.
Bei Schmutz und Spahn fällt einem auch der Name der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf ein. Die hatte der CDU-Mann im letzten Sommer mit allerlei bösen Verdächtigungen als Richterin für das Bundesverfassungsgericht verhindertt. Selbst haltlose Plagiatsgerüchte über Brosius-Gersdorf brachten Spahn und einige Christdemokraten ins Gespräch, um die Juristin auf ihrem Weg nach Karlsruhe zu stoppen.
Soviel zur Erinnerung, wenn Spahn auf andere zeigt, eine Schmutzkampagne ausmacht und das Klima der Regierungsbildung in Stuttgart vergiftet. Aber so ist er eben, der zackig-forsche CDU-Mann. Bitter hat das Britta Haßelmann, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt gebracht: „Jens Spahn kann sehr dreist sein.“ Dreist, aber eben nach Gustav Heinemanns entlarvendem Zitat alles andere als klug.
Mal schauen, auf welchen Schmutz er weist, falls am nächsten Sonntag der knappe Umfragen-Vorsprung der CDU in Rheinland-Pfalz schmilzt wie der vor einer Woche in Baden-Württemberg…
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












