Die Despoten der Welt werden immer despotischer, die Kriege immer kriegerischer, die Bedrohung immer bedrohlicher. Und wir? Wir wollen um jeden Preis so weiterleben wie bisher. Und meinen auch noch, das sei doch unser gutes Recht.
Der Wahnsinnige in Washington hat mit seinem verbrecherischen Krieg gegen Iran nicht nur die Region, sondern die ganze Welt an den Abgrund geführt. Und wer meint, nach dem „Waffenstillstand“ sei nun alles wieder gut, der irrt gewaltig. Denn selbst, wenn es gelingt, mit den Massenmördern in Teheran ein „Friedensabkommen“ zu schließen, hat man sich allenfalls ein paar Monate oder bestenfalls ein paar Jahre Zeit gekauft.
Und wenn nicht im Iran – die nächste globale Krise kommt garantiert. Denn die eigentlichen Fragen bleiben ungeklärt: Wie ist der machtgierige Imperialismus der Großmächte USA, Russland und China zu stoppen? Wie ist die an Drogenabhängigkeit erinnernde Gier nach Öl, Gas und anderen Rohstoffen einzudämmen? Wie kann auf der Welt das Recht wieder die Oberhand über die blanke Macht der Despoten und Diktatoren gewinnen? Und vor allem: Warum haben wir Menschen der westlichen Welt klagend und kläglich gegen die Mächtigen versagt?
All diese Fragen erscheinen zu gigantisch, als dass wir als kleine Individuen überhaupt zu einer Lösung beitragen könnten. Aber stimmt das? Und – um die Frage schmerzhafter zu stellen: Wollen wir das überhaupt? Und falls ja: zu welchem Preis?
Hierzu einige provokative Thesen:
- Die größte Sorge in der Iran-Krise gilt auch in Deutschland nicht etwa den zivilen Opfern des völkerrechtswidrigen Bombardements durch die USA und Israel. Und auch nicht der bangen Frage, ob das mörderische Mullah-Regime nach dem missglückten Regime-Change jetzt noch mehr Menschen abschlachtet. Nein, die wichtigsten Probleme, die wir im Westen haben, sind scheinbar die jüngsten Preiserhöhungen für Benzin und Diesel. Denn diese bestimmen die Schlagzeilen nicht nur in der Boulevardpresse, sondern auch in den angeblich seriösen Zeitungen. Und wenn US-Präsident Trump mit der Auslöschung einer ganzen Zivilisation droht, dann schalten die TV-Programme an die Börsen und fragen zynisch: Wie wirkt sich diese Drohung auf die Börsenkurse aus.
- Wir im Westen scheinen nicht bereit, in dieser Zeit der Kriege und existenziellen Krisen unseren Lebensstil auch nur etwas zu ändern. Wir bestehen auf unserem „Recht“, Autos mit mehreren hundert PS zu fahren und jederzeit billig durch die Welt zu jetten. Wir erwarten, dass „die Politiker“ und „der Staat“ dafür sorgen, dass die dafür notwendige gigantische Menge an Energie kostengünstig zur Verfügung steht. Und wir verteidigen diese Art des Lebens auch noch mit dem Begriff „Freiheit“ – welch ein pervertierter Freiheitsbegriff. Eine dümmere und verhetzendere Parole als „Mein Heizungskeller gehört mir“ kann man sich kaum ausdenken. Aber die Parolen wirken: Denn dort, wo es auf der Welt noch Wahlen gibt, haben wir ja die Propheten einer rücksichtslosen Ich-Gesellschaft an die Macht gewählt. In den USA Donald Trump und in Deutschland den neoliberalen Friedrich Merz. Diesen Menschen ist es gelungen, die hoffnungsvollen Ansätze einer ökologischen Energiewende wieder zu zertrümmern. In Deutschland immer dabei: „Bild“, „Welt“ und Konsorten, die gegen alles Grüne und Ökologische Hass säen. Von den rechtsextremen Hetzern im Netz ganz zu schweigen. Die Folge: Begriffe wie Energiewende, Wärmepumpe, E-Auto, ökologische Wende oder auch nur „vegetarisch“ lösen in manchen Kreisen Wutanfälle aus. Merz und Söder sind auf dieser Hass-Welle an die Macht gesurft, ihre Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU agiert immer noch wie früher als Lobbyistin der Energie-Konzerne.
- Die Mehrheit in den westlichen Ländern wählt seit Jahren diese Verweigerer einer ökologischen Wende an die Macht, die ihnen wider besseres Wissen versprechen, es könne so weiter gehen wie bisher. Oder noch schlimmer: Die behaupten, früher sei doch alles besser gewesen. Früher, als die Frauen am Herd und die Männer an der Theke standen, als man noch unwidersprochen gegen Ausländer, Schwule und Feministinnen hetzen konnte. Als die Vergewaltigung in der Ehe noch nicht strafbar war und Homosexuelle im Knast landeten. Schleichend kommen diese Zeiten zurück. Politiker, die gegen die verhassten „rot-grün versiffte Milieus“ zu Felde ziehen, haben wieder die Oberhand gewonnen – in den USA quasi per Trump-Putsch, doch längst auch in Deutschland. Über Jahrzehnte hart erkämpfte gesellschaftliche Fortschritte werden zurückgefahren. Und die Mehrheit stimmt zu – oder schweigt.
- Warum lassen wir uns das gefallen? Weil wir den Versprechen des „Es kann so bleiben wie es ist“ glauben wollen. Weil uns der dritte und vierte Flugurlaub im Jahr wichtiger ist als Fragen der Umwelt, der Demokratie und der Menschenrechte. Weil wir meinen, der 300-PS-BMW, Porsche, Mercedes oder Audi stehe uns doch zu. Und billiges Benzin für diese spritfressenden Macho-Karossen natürlich auch noch. Ich frage: Wenn euch das Benzin zu teuer ist, warum fahrt ihr dann nicht Autos, die die Hälfte verbrauchen? Oder E-Autos?
- Die jahrzehntelange Propaganda der Neoliberalen zeigt längst Früchte. Das „Ich-Ich-Ich“ hat längst Überhand über das „Wir“ gewonnen. Doch für die Vielen, die in unserer Gesellschaft abgehängt sind, die trotz harter Arbeit nicht über die Runden kommen, haben die Mächtigen ja auch Antworten: Schuld an der Misere der Millionen sind nicht die Milliardäre, sondern die noch Ärmeren. Die Flüchtlinge und Sozialhilfe-Empfänger. Auf diese Propaganda vor allem der AfD, der FDP und rechter Unions-Politiker fallen leider immer mehr Menschen in Deutschland herein. Sie machen ihr Kreuzchen bei den Wahlen inzwischen leider viel zu häufig bei den Faschisten.
Kaum Hoffnung auf eine Wende
Es steht wahrlich nicht gut um die westliche Welt. Und das ist – auch – unser aller Schuld. Wir ahnen zwar, dass unsere Art des Lebens an ihre Grenzen gestoßen ist. Doch eigentlich wollen es nicht sehen. Die Alten nicht, weil sie hoffen, die letzten Jahre ihres Daseins noch irgendwie in Wohlstand zu überstehen. Und die Jungen nicht, weil sich viel zu viele von ihnen in die Welt der widerlichen Influencer flüchten, weil sich viel zu viele in die Welt der Superreichen in Dubai träumen, während sie in Neukölln und Bottrop für Mindestlohn Haare schneiden oder Pizza ausfahren.
Die Hoffnung, die Menschen in der westlichen Welt würden sich gegen die Trumps und Tech-Milliardäre wirklich wehren, sie hat – bislang – getrogen. Es gab vor Jahrzehnten den Traum, das Internet könne zur Demokratisierung der Gesellschaft beitragen. Doch wir haben das Netz den Despoten und Tech-Kapitalisten überlassen. Das sich das ändern wird, ist kaum zu erwarten, ihre Macht ist inzwischen gigantisch groß. Unser aller Abhängigkeit von den Drogen Energie und Internet ist riesig. Woher soll denn noch wirksamer Widerstand kommen?
Sie finden, diese Analyse sei zynisch? Ich nenne sie realistisch.












