Es sollte eine Superparty werden. Die Hohenzollernbrücke, neben dem Dom markantes Wahrzeichen Kölns, sollte in den olympischen Farben strahlen, um zu signalisieren, dass sich die Bürger für die Olympischen Spiele ab 2036 ausgesprochen hatten.
Doch statt Feierstimmung herrschte Chaos. Viel zu wenige Wahlhelfer kamen beim Auszählen der Stimmen nicht nach. Über Wochen war in der Stadt für die Wahlbeteiligung geworben worden. Die Bürger, per Briefpost mit Stimmzetteln versehen, waren elektrisiert von der Chance, ganz vorn bei der Austragung der Spiele in NRW zu stehen. Mehr als 300 000 stimmten ab. Über 57 Prozent waren für die Spiele in der Domstadt. Doch die Verwaltung der Stadt verpennte die Stimmung.
Statt am Sonntagabend um 21.30 Uhr verlässliche Zahlen zu liefern, wie geplant, dauerte es bis morgens um drei Uhr, bis die Bürgerdaten feststanden. Köln war im Auszählungswettbewerb der 17 nordrhein-westfälischen Bewerberstädte absolutes Schlusslicht. Das Boulevardblatt Express ätzte: „Köln blamiert sich komplett“
Besonders peinlich für den Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester. Er hatte dafür gekämpft, dass Köln bei der Bewerbung mit dem weltbekannten Dom zur „Leading City“ wurde. Jetzt musste er den Spott seiner Oberbürgermeister-Kollegen ertragen. Laut Express frotzelte einer von ihnen: „Hier wurden mal wieder alle Vorurteile bestätigt, dass die Kölner Verwaltung dysfunktional ist.“
Für den Sozialdemokraten Burmester, der erst seit Dezember 2025 im Amt ist, sympathisch auftritt und eine solide Arbeit macht, ein bitteres Urteil und Indiz dafür, dass die Stadtverwaltung für sein Engagement, Köln aus der Lethargie nach vorn zu bringen, keine Stütze, sondern eher ein Bremsklotz ist.
Vielleicht ist er längst zu der Erkenntnis gekommen, mit der Peter Glotz, legendärer Bundesgeschäftsführer der SPD in den achtziger Jahren, einmal den Arbeitswillen der Mitarbeitern in der Bonner SPD-Zentrale anzweifelte. Glotz, Intellektueller, Schnelldenker und Sprachkünstler, formulierte das so: „Fünfzig Prozent der Mitarbeiter im Ollenhauer-Haus arbeiten engagiert. Fünfzig Prozent arbeiten nicht. Mein Problem: Ich weiß nicht, wer zu welcher der beiden Gruppen gehört.“
Glotz hatte nur ein paar Hundertschaften von Mitarbeitern. Burmester steht bei Tausenden Verwaltungsangestellten vor diesem Problem.
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Die Debatte um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier im Bundespräsidialamt hat am Wochenende Fahrt aufgenommen. Erstmals hat CSU-Chef Markus Söder öffentlich seine Unterstützung für seine Parteikollegin Ilse Aigner deutlich gemacht. Im Münchner Merkur sagte er für viele überraschend: „Wenn Ilse Aigner möchte hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung.“ Die 61-jährige CSU-Politikerin, Präsidentin des bayerischen Landtags, ist in ihrer Partei äußerst beliebt und bei der Konkurrenz anerkannt. Sie war von 2008 bis 2013 Bundeslandwirtschaftsministerin im Kabinett Angela Merkels, besetzte dann mehrere Ressorts in der bayerischen Landesregierung, bevor sie Parlamentspräsidentin wurde.
Sie gilt seit längerem neben den CDU-Frauen Annegret Kramp-Karrenbauer (Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung), Karin Prien (Bundes-Bildungsministerin) und Julia Klöckner (Bundestagspräsidentin) als mögliche Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl im Januar nächsten Jahres.
Söder hatte sich nie dazu geäußert, ob sie auf seine Unterstützung rechnen könne. Dass er das jetzt getan hat, werten die einen als Indiz, dass er selbst die Ambitionen aufgegeben hat, im Bund einmal als Kanzlerkandidat anzutreten. Für zwei CSU-Menschen in den führenden Ämtern wäre kaum Platz. Aber da man bei Söder nie sicher sein kann, gibt es auch diese Spekulation: Indem er Aigner früh ins Rennen schickt, nimmt er in Kauf, dass sie als Kandidatin auch schnell „verbrannt“ werden könnte. Das hätte die sympathische Bayerin nicht verdient.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












