„Sind sie neue beste Freunde?“ fragt die Rheinische Post anlässlich des Besuches von Verteidigungsminister Boris Pistorius bei Kriegsminister Hegseth in Washington.
„Fast wieder Freunde: Pistorius kauft die Amerikaner glücklich“, so sieht es der Tagesspiegel aus Berlin.
Was für neue beste Freunde haben sich denn da im Pentagon getroffen? Es war der fromme amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth, der seine Brust mit dem Kreuzfahrersymbol tätowiert hat und sein neuer Freund, der kriegstüchtig werden wollende Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Amerika stehe vor einem Kreuzzugsmoment soll Pete Hegseth gesagt haben. Gott soll er gebeten haben, dem US-Militär eine überwältigende Gewalt gegen jene zu gewähren, die keine Gnade verdienen. Jeden Tag, so bekundet es Wikipedia, sollten die Amerikaner auf den Knien für einen Sieg im Namen Jesu Christi beten. Und er versprach ihnen, Tod und Zerstörung vom Himmel regnen zu lassen, den ganzen Tag lang. Die Einzigen, die sich jetzt Sorgen machen müssen, sind Iraner, die glauben, dass sie weiterleben werden.
Stellen wir uns vor, was Pistorius in sein Tagebuch geschrieben haben könnte nach diesem Besuch.
Der amerikanische Kriegsminister habe ihm, so Pistorius, seine National Defence Strategy erläutert und keinen Zweifel daran gelassen, wohin es lang geht in dieser Welt. Hegseth habe zugegeben, dass nun die Monroedoktrin wieder gelten solle und sein Militär bereit sei, dies auch durchzusetzen: mit Schnelligkeit, Macht und Präzision.
Er möge sich nur erinnern an die Operation Absolute Resolve, wie sie Venezuela überfallen haben und diesen miesen Maduro aus dem Bett gezerrt hätten. Er und Trump hätten auf dem Sofa gesessen und alles am Bildschirm verfolgt und sich auf die Schenkel geklopft. Und Boote mit Heroin in die Luft gejagt hätten sie, es sei besser gewesen als jedes Netflix Movie.
Und ob er, Pistorius, sich noch erinnern könne an Midnight Hammer. Hegseth habe sich maßlos gefreut, wie alle Welt gesehen habe, wo der Hammer hängt. Damit das so weitergehe, habe Hegseth ihm nahegelegt, schließlich seien sie ja neue Freunde, schnell in seine Rüstung zu investieren. Schließlich wisse er ja, dass Präsident Trump seine Nation in ein neues goldenes Zeitalter führen wolle.
Pistorius habe dann zugegeben, wie beeindruckt er sei, wolle aber doch darauf hinweisen, dass Russland die größte Bedrohung für Deutschland sei. Er habe dann aus seiner dicken Aktentasche die erste deutsche Militärstrategie nach 1945 auf den Tisch gelegt. Schwarz auf weiß stünde es dort, dass der Feind im Osten stehe, genau da, wo er auch 1941 gewesen sei.
Aber Hegseth habe ihn ausgelacht und gesagt, ob er denn nicht wisse, dass Russland gar nicht in der Lage sei Europa zu hegemonisieren. Deutschlands Ökonomie alleine stelle Russland in den Schatten, ja es verzwerge es sogar.
Schlucken habe er müssen, so Pistorius, und Zweifel hätten ihn beschlichen ob solchen Freundes. Dann sei es ungemütlich am Tisch geworden, denn Hegseth habe darauf bestanden, dass er unverzüglich 3,5% seines BIPs auf den Tisch legen solle. Ihm sei noch unbehaglicher geworden, als Hegseth zuätzliche 1,5% für sicherheitsrelevante Ausgaben gefordert habe. Ganz undiplomatisch habe er von ihm gefordert, dass er Investitionen für das Gemeinwohl und andere inländische überflüssige Programme beenden solle.
Eigentlich habe er sich einen neuen Freund anders vorgestellt. Hegseth, sei auf einmal richtig unverschämt geworden. Wer nicht spure und seinen Beitrag nicht leisten wolle, solle nach Venezuela schauen. Als er Hegseth ungläubig angesehen habe, habe dieser sein Hemd aufgeknöpft und ihn durchdringend angesehen. Dann habe er angehoben, wie ein Prediger im Gottesdienst: wir lassen uns nichts mehr verwehren, von der Arktis bis Südamerika, besonders Grönland, den Golf von Amerika, den Panamakanal. Und dann habe er ihm freundschaftlich auf die Schulter geklopft und habe feierlich gesagt: „Wir sind bereit, immer das schärfste und gewaltigste Schwert zu tragen, aber willig, den Olivenzweig anzubieten.“ Und dankbar sei er, dass Deutschland die führende Rolle in Europa übernehmen wolle.
Er habe ihm dann seine NDF Strategy auf den Tisch gelegt und habe gesagt: hier mein bester Freund, das ist für dich, zum Nachlesen. Alles offen, nichts geheim. Jeder wisse, wenn er läse, was Sache sei. Gott will es! habe er noch zu ihm gesagt.
Dann habe er, Pistorius, vor lauter Freude Kampfjets eingekauft und Tomahawks, die bis nach Moskau fliegen. Und heimlich habe er gedacht, dass Russland doch eine Bedrohung bliebe. Das habe ihm sein Duzfreund Wadephul vor der Reise noch einmal ausdrücklich eingeschärft. Und auch sein Kanzler habe ihm, er sei schon auf der Gangway gewesen, nachgerufen, für ihn sei Putin vielleicht der schwerste Kriegsverbrecher unserer Zeit. Vergiss das nicht, Boris, habe er gerufen und er solle sich von dem Hegseth nicht einwickeln lassen.
Er, Pistorius, sei dann mit gemischten Gefühlen wieder zurückgeflogen. Operation Absolute Resolve und Operation Midnight Hammer seien ihm nicht aus dem Kopf gegangen. Und dann sei im vor dem Einschlafen im Flieger wie ein Licht aufgegangen, das ja auch der Merz ein frommer Mann sei. Er habe sich noch genau erinnern können, wie Merz bei seinem Amtseid geschworen habe Schaden vom deutschen Volke abzuwenden und dass er seinen Gott um Hilfe gebeten habe.
Ja und dann sei er, Pistorius eingeschlafen. Es sei so angenehm warm in dem Regierungsflieger gewesen. Und einen schönen Traum habe er gehabt. Lars Klingbeil habe vor ihm gestanden und ihm zugerufen: Boris, 80 Jahre der Zurückhaltung sind genug. Komm, lass uns wieder die Führungsrolle in Europa übernehmen. Und dann sei auch noch der Carsten Breuer neben dem Lars aufgetaucht und habe gerufen: Boris, wir wollen gewinnen, weil wir gewinnen müssen. Und dann sei er aufgewacht. Er habe schon aus dem Flieger den Fernsehturm gesehen und auch den Bendlerblock. Und er habe gedacht, auch wenn Hegseth dieser Angeber, nicht geheim auf seine Strategie geschrieben habe, sei er, Pistorius froh, den zweiten Teil der neuen deutschen Strategie als geheim eingestuft zu haben. Diese russischen Barbaren, so habe er, Pistorius, gedacht, sollen ruhig rätseln, was wir mit ihnen vorhaben. Im Übrigen sei er überzeugt, dass das den deutschen Staatsbürger in Uniform nichts anginge.
Zum Autor: Klaus Kenke, Pfr.i.R.
Referent des Superintendenten
Für Friedenfragen
Kirchenkreis Jülich












