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Wulff begreift immer noch nicht, dass das Bellevue zu groß für ihn war

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
25. Juli 2014
Wulff begreift immer noch nicht, dass das Bellevue zu groß für ihn war

Der Mann, der als Bundespräsident auf die kürzeste Amtszeit deutscher Staatsoberhäupter zurückblickt, nämlich auf 598 Tage, begreift die Welt immer noch nicht, er will es nicht wahrhaben, dass sein Rücktritt geboten war, er tut immer noch so, als sei er der richtige Mann am richtigen Platz gewesen. Welche Fehleinschätzung! Oder wollte er in der ZDF-Sendung mit Maybrit Illner, Antje Vollmer und Heribert Prantl nur Werbung für sein Buch machen?

Es sei eine Kampagne gewesen gegen ihn, eine Kampagne vieler Medien und Politiker gegen ihn. Der Arme. Springer, FAZ und Spiegel haben also angeblich den lieben Herrn Wulff gejagt, bis er, wundgeschossen,  das Feld verlassen hatte. Er, Wulff, so hat er es dem Spiegel vor Tagen schon weismachen wollen, sei eine Provokation gewesen eben für besagte Medien und Politiker. Weil er von einer bunten Republik gesprochen hatte, weil er gesagt hatte, der Islam gehöre zu Deutschland und weil er mit seiner jungen Patchwork-Familie ins Schloss Bellevue eingezogen war.

Ach, Herr Wulff. Opfer einer Verschwörung? Das ist doch zum Lachen. Wie da ein Staatsoberhaupt mit einer Affäre umging, das war schon ein Problem und peinlich obendrein. Ich erinnere mich noch, wie eine Journalistin aus Hamburg  bemerkte:  Wenn sie einen Urlaub plane, gehe sie ins Reisebüro. Wenn jemand ein Haus kaufen wolle und das nötige Kleingeld nicht habe, gehe er zur Bank. Noch Fragen dazu, Herr Wulff. Prantl widersprach dem Gast auch in der Sache, indem er darauf hinwies, er sei kein Integrations-Revoluzzer gewesen. Schon Amtsvorvorgänger Johannes Rau habe dieses Thema auf die Agenda gesetzt. So ist es gewesen.

Und was die Medien anging, Herr Wulff, so haben Sie es doch zunächst genossen, vom  Boulevard gefeiert zu werden. Nur haben Sie den Satz von Springer-Chef Döpfner nicht gekannt: Wer mit der Bild-Zeitung im Aufzug nach oben fahre, fahre auch mit derselben Zeitung wieder abwärts.

67 Prozent der Deutschen, zitierte Illner aus einer Umfrage, seien der Meinung, der Rücktritt Wulffs sei richtig gewesen. Er war es und dieser Eindruck wird durch weitere Auftritte des Ex-Präsidenten, bei denen er sein Buch vorstellt und sich ins rechte Licht bringen will, noch bestätigt.

Nur zwei Sätze zu dem Buch. Ganz oben, ganz unten, so der Titel. Ganz oben war er mit Hilfe von Angela Merkel, die ihn im dritten Wahlgang gegen viele Widerstände durchsetzen half. Und ganz unten? Bei einem jährlichen Einkommen von rund 210000 Euro ist man ganz unten? Mir scheint, der Mann weiß nicht, was unten bedeutet. Vielleicht fragt er mal einen Hartz-IV-Bezieher.

 

Bildquelle: 2014-02-27  Freispruch für Christian Wulff, (234) der Ex-Bundespräsident und seine Verteidiger Bernd Müssig (re.) und Michael Nagel vor den Mikrofonen (und Fernseh-Kameras) CC BY-SA 3.0   Bernd Schwabe 

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Tags: BestechlichkeitFreispruchganz oben - ganz untenVorteilsnahmeWulff
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