Gut, dass wir einen Markus Söder haben! Der löst die Probleme, an denen die Welt zu ersticken droht, indem er sie übergeht. Mit gemeinsamem Singen. Vor allem der Hymnen, der bayerischen, der europäischen, der deutschen. So macht man das in diesen Zeiten, wo einem die ewigen Debatten über Trump, Grönland, Venezuela, die AfD, die Deutsche Bahn, die maroden Brücken und Schulen auf den Geist gehen wie das Reden über das Bürgergeld, die Rentenreform, das E-Auto und über Merz und Klingbeil, die NATO und Putin. Stattdessen: Gott, mit dir, Du Land der Bayern. So beginnt die bayerische Hymne.
Ich weiß, die Leserinnen und Leser des Blog-der-Republik werden jetzt die Stirn in Falten legen: Ist der Autor nicht Westfale? Hat der überhaupt die Lizenz zum Singen der bayerischen Hymne? Gute Frage, aber ich habe in München studiert, in einem bayerischen Studentenheim gewohnt, dort umzingelt von Ober-, Mittel- und Unterfranken, Ober- und Niederbayern, Schwaben, zudem kommt meine Frau aus Oberbayern. Das alles reicht natürlich nicht dazu, dass ich mich erdreisten würde, ein echter Bayer zu sein, also in Lederhosen aufzutreten und in Haferlnschuhen rumzulaufen. Gott bewahre! Aber die Bayern-Hymne habe ich schon früher mitgesungen, allerdings gab es in unserer selbst geschaffenen Fassung Zusätze, die ich an dieser Stelle aber nur im Ansatz andeuten will, damit daraus keine Majestätsbeleidigung wird: Benedictum, Benedactum… Fürchtet euch nicht. Amen.
Zurück zu Markus Söder, dem Mann aus Nürnberg, also ein Franke, der den Freistaat seit Jahren regiert und diesen immer wieder neu erfindet. Söder vermisst bei seinen Bayern die Heimatliebe, Patriotismus, einen aufgeklärten natürlich, was immer das heißen mag. Bayern ist zwar Teil der Bundesrepublik, aber das Grundgesetz haben sie damals 1949 nicht unterschrieben. Wär ja noch schöner! Der bayerische Landtag lehnte es ab, weil er es als zu zentralistisch empfand und befürchtete, dass damit die Eigenständigkeit Bayerns bedroht sei. Aber weil der Freistaat die goldene Regel hat, leben und leben lassen, eben die liberalitas babariae, gilt das Grundgesetz auch in Bayern. Quasi grenzüberschreitend.
Heimatliebe. Weiß-blaue Farben(bitte die Reihenfolge beachten),Trachten und die entsprechenden Vereine. Dirndl und Lederhose, Gamsbart, Trachtenhut. Volksfeste wie die Münchner Wiesn, also das Oktoberfest, bayerische Volksmusik, entsprechende Theater. All das ist neben dem Laptop, BMW und den Universitäten auch Bayern. Hinzufügen möchte ich, dass unsere Freunde in Ottobrunn und am Chiemsee nicht so inniglich mit dem bayerischen Brauchtum verwoben sind. Will sagen: Sie singen vor dem Essen nicht das Bayernlied und kleiden sich eher nicht entsprechend. Für sie kommt der Söder-Erlass auch zu spät. Sie werden es überleben.
Also soll an Bayerns Schulen bei Zeugnisübergaben und Abschlussfeiern die National- und Europa-Hymne(Freude schöner Götterfunken) sowie das Bayernlied gesungen werden. Begründung des bayerischen Ministerpräsidenten: „Ein Volk ohne Patriotismus kann zu einem Volk ohne Seele werden.“ Hat Söder gesagt, man erstarrt vor Ergebenheit, ein Volk ohne Seele. Was hätte der Valentin, Karl wohl dazu gesagt? Oder sich gar nur bekreuzigt?
Ja, der Markus Söder hat das Talent, ins Innere seiner Landsleute zu blicken. Wer kann das schon?! Und der Kommentator des Themas auf der Bayern-Seite der „Süddeutschen Zeitung“ meint denn auch im Sinne seines Landesvaters, das mit dem Volk ohne Seele könne keiner wollen. Und er regt sicherheitshalber noch an: „Vielleicht sollte die CSU vorsichtshalber Dirndl und Lederhosen als Schuluniformen einführen und in jedes Klassenzimmer ein Bild des Ministerpräsidenten hängen. Wahlweise auch von Franz Josef Strauß, Hauptsache, es wirkt identitätsstiftend.“ Ich plädiere noch dafür, das Bild Söders/Strauß gleich unter das Kreuz zu hängen, das nach einem frühen Erlass des Ministerpräsidenten „gut sichtbar“ in allen staatlichen Gebäuden des Freistaats die Wände veredeln soll.
Rümpfen Sie nicht die Nase über Herrn Söder! Alles das tut er doch nur als „Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“. Wie anders sollte man das dem Volke beibringen? Die SZ, um die Schwere des Söder-Erlasses bemüht, regt weiter an, bei Erreichen der Volljährigkeit einen Eid auf den Freistaat zu leisten(aber bitte ohne Ableitung), natürlich im Dialekt. Wobei sich die Frage stellt, wie es Zugezogene halten sollen, die des feinen Dialektes nicht so mächtig sind? Und noch eins, was dem Verteidigungsminister Pistorius gefallen dürfte: der wiedereingeführte Wehrdienst kann bei den Gebirgsjägern abgeleistet werden.
Heftig diskutiert wird das Thema, nach allem was man hört und liest, in Kreisen der Jungen Union der CSU, bei Schülern und Jugendlichen. Die Junge Union hatte übrigens einen entsprechenden Antrag beim letzten CSU-Parteitag ohne Gegenstimme durchgebracht. Von wegen die Jungen der CSU seien lauter Anzugträger, die mit der Business-Tasche auf die Welt kämen! Nein, sie sind die neuen Bayern, die Söders von morgen oder übermorgen. Sie versprechen sich vom neuen Hymnenkult mehr Zusammenhalt, Patriotismus und eine Reduzierung von Gewalttaten. Dass ich darauf nicht von selbst gekommen bin. Na ja, ich bin halt doch ein Fremder, ein Preuße, der weit außerhalb des Freistaats lebt, im abgelegenen Bonn.
Eins fehlt noch, damit es richtig feierlich zugeht bei Schulabschlüssen, Meisterfeiern, Hochzeiten und der Firmung: „Es muss neben den drei Hymnen künftig auch gejodelt werden“, fordert die SZ, zumindest in Alpennähe, vielleicht Loriot zu Ehren, den Erfinder des Jodel-Diploms, anderswo dürfe man auch das Lied singen „Mir san vom Woid dahoam, da Woid is schee.“
Wie sagte einst der große österreichische Satiriker Karl Kraus: „Meine Sorgen möchte ich haben“.
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