Ich empfinde diese übliche vermeintlich fortschrittliche Haltung vom bösen geldgierigen Westen und dem armen antikapitalistischen Osten als bloßes Opfer als schablonenhaft. Es ist doch einer rechtsstaatlichen globalen Demokratie keineswegs abträglich, sich differenziert zu äußern!
Putin ist für die Gewalt an der eigenen widerständischen Bevölkerung über lange Jahre selbst verantwortlich, als diktatorischer Autokrat und er hasst die rechtsstaatliche Demokratie bei uns – sie ist ihm als „westliches Gift“ zuwider!
Und er hat in den vergangenen vier Jahren mit der Ukraine ein ganzes Land zerstört und imperial okkupiert – Frauen und Kinder und alte Menschen eiskalt bombardieren lassen. Das wollte er so und entsprechend frohlockend seine hasserfüllte Propaganda auf Russisch, seit Jahren.
Bereits 2015 habe ich mit Gregor Gysi über Putins Machtwahn in Berlin ein wesentliches Interview geführt, nachlesbar im blog der republik.
Über den deutschen Vernichtungskrieg von 1939 bis 1945 gegen Russland, den deutschen Rassenwahn bin ich historisch orientiert, und ich leide furchtbar auch an der Mitschuld meiner Familie in dieser mit stolzem Hass erfüllten Vergangenheit. Auch was in Leningrad damals über fast 3 Jahre an extrem grausamer Belagerung durch die deutsche Wehrmacht an konkretem Irrsinn unserer Vorväter gnadenlos an der zivilen Bevölkerung in Petersburg nach dem Hitler-Stalin-Pakt verbrochen wurde, dürfte ein historisch wesentlicher Aspekt für den Hass russischer Menschen auf uns, „den Westen“ noch heute sein.
Ich wehre mich grundsätzlich gegen „ein Zweierlei Maß“. Meine Haltung zur Ukraine geht jedoch deutlich auseinander, im Vergleich zu einigen vermeintlich linken Genoss:innen aus dem BSW-Bereich, die gerne und gerne pauschal eine Mitschuld der zivilen ukrainischen Bevölkerung behaupten, ziemlich kalt strategisch und irgendwie überlegen. Naja. Solche Art von eifernder, dabei kaltblütiger Besserwisserei schockiert mich, denn das jahrelange Elend in der Ukraine nimmt mich sehr mit. Da ist meine Empathie nicht gestört!
Da hätte mich eine konkret spürbare humanistische Haltung der Friedensfreunde doch mal interessiert! Was fühlen sie, wenn sie ganz einfache Menschen mit ihren privaten Habseligkeiten – die Gesichter grau von Staub und Ohnmacht durch die Trümmer stolpern sehen, die bis vor kurzem noch ihre schöne kleine Wohnung war, in die sie viel Mühe und Geld investiert hatten, und ja, auf die sie stolz sein konnten.
Das gut lesbare faktenbasierte Buch von Gloger / Mascolo
„Das Versagen“ hat mir die Augen geöffnet über den Opportunismus der deutschen Wirtschaft incl. Schröder, dieses permanente Wegsehen, Belarus, Georgien …
So viel war schon seit Tschetschenien 1 absehbar an furchtbarer Gewalt doch auch in Russland selbst.
Die kritische Journalistin Anna Politkowskaja 2006 in Moskau ermordet, Boris Nemzow mit seinem Dokumentarfilm „Putins Spiele“ von 2014 – der wurde im Frühjahr 2015 auf der Kremlmauer erschossen, etc. , und die brutale Ausschaltung der tapferen Demokratie-Bewegung „Memorial“!
Alles verdrängt?
Das sind doch furchtbare Tat-Sachen der brutalen Unterdrückung!
Katja Gloger finde ich eine wundervolle Kollegin, über ihre Arbeit können wir froh und dankbar sein. Denn so eine kluge Recherche dient der VÖLKERVERSTÄNDIGUNG an der Basis!
In der Mediathek ist sie mit ihrem Mann Georg Mascolo im SPIEGEL-GESPRÄCH zu sehen.
Ja – es geht um Argumente und Fakten der gnadenlosen Repression, auf allen Seiten, wo inhumaner Totalitarismus stattfindet, wo er geduldet wird, im komfortablen Sinn sowohl turbo-kapitalistischer wie auch staats-kapitalistischer Geschäftsmodelle. All dieser fragwürdige Erfolg basiert auf der lukrativen Verkommenheit von VORSÄTZLICHER IGNORANZ!
Und dass inzwischen sämtliche Rüstungskonzerne der Welt im wörtlichen Sinn der Amortisation Hochkonjunktur feiern, und produzieren, was das Zeug hält – ja, das ist mir nicht verborgen geblieben.
Ich bin weder naiv noch fanatisch!
Infos zum Buch:
Einen wesentlichen Widerstandskämpfer in Russland – Alexej Nawalny – hat Marianne Bäumler mit beeindruckender Empathie im August 2023 bei uns im blog der republik portraitiert













