Ich hatte einen Traum und erwachte traurig, weil es so nie kommen würde.
Ich träumte, Donald Trump sei in Kallstadt, dem Pfälzer Geburtsort seines Großvaters, mit allen Ehren empfangen worden, die dem Oberhaupt eines so befreundeten Landes zustehen.
Die Begrüßungsrede hielt der Bundespräsident, der – soweit ich meinen Traum nach dem Erwachen noch erinnerte – etwa folgendes ausführte:
„Sehr geehrter Herr Präsident, wir ehren Sie heute an einem der Orte Ihrer Herkunft, als den gewählten Präsidenten einer großen Nation, der wir Deutschen so viel verdanken. Sie repräsentieren die mächtigste Nation der Erde, deren Bevölkerung aus allen Erdteilen zusammengeströmt ist, mit all ihren Kulturen und Religionen, um friedlich zusammenzuleben, zu arbeiten und einander zu helfen. Wir im historisch zersplitterten Europa, wo Nachbarn mit Neid und Hass Jahrhunderte lang übereinander hergefallen sind, hatten dies Modell eines offenen, toleranten, demokratischen Staates nach dem letzten großen Krieg beneidet, bewundert und uns als Vorbild genommen bei dem historischen Projekt europäischem Zusammenwachsens zu bewussten Europäern ohne Aufgabe unserer lokalen, regionalen und nationalen Identität. Dieses Vorhaben ist eine der erfolgreichsten Friedensprojekte ohne imperialistische Ansprüche, noch unvollendet und trotzdem 2012 zu Recht mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
So wie die USA stets offen waren für Menschen auf der Flucht vor Armut und Verfolgung, unter anderem gerade auch aus Europa, so wollen auch wir offen sein für Menschen in Not und ohne Zukunft. Wir leiden darunter, dass dies nur in engen Grenzen möglich ist, sehen aber die großen Erfolge Ihres Landes, aus Verschiedenheit eine Nation wachsen zu lassen, auch als unser Ziel. Anders als vor hunderten von Jahren wissen wir heute, dass der Hautfarbe dabei keine Bedeutung zukommt, erkennen aber all die Schwierigkeiten kultureller Vielfalt, die wir mit Toleranz überwinden werden.
Als wir Deutschen nach den dunklen Jahren des Faschismus dank des entscheidenden Beitrags Ihres Landes zu unserer Befreiung den Wert der Freiheit in demokratischer Ordnung wieder entdeckten, fühlten wir uns aufs Engste mit jenen Werten verbunden, die die Verfassung der USA ausmachen, vor allem die Achtung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und Meinung und der Ächtung von Lüge, Hass und Demütigungen. Es eint uns auch das Erbe des Humanismus, der großen Religionen aus dem Nahen Osten sowie der Aufklärung mit ihrer Orientierung an Wissenschaft und Wahrheit – ein Erbe, das wir gemeinsam mit Ihrem Land Jahrzehnte lang gegen kommunistische Diktaturen im Osten unseres Kontinents verteidigt haben. Und nie soll vergessen werden, dass es wiederum entscheidend die USA waren, die unserem Vaterland wieder zur Einheit verhalfen, als auch im Osten Freiheit und Menschlichkeit die Oberhand zu gewinnen schienen – wenigstens für kurze Zeit.
Gerade die Gewaltherrschaften des Ostens lehren uns, wie elementar die einfachen Tugenden von Anstand und Demut sind, die wir unseren Kindern durch Vorbild einprägen wollen.
Zwei Mal haben die USA nach großen Kriegskatastrophen die Völker der Welt zusammengerufen; beim zweiten Mal in Form der Vereinten Nationen, unter deren Schirm ein Völkerrecht entstehen konnte, das sich trotz mancher Defizite und Ungleichgewichte als segensreich erwiesen hat, friedlichem Zusammenleben und Kooperationen klare Regeln zu geben. Dies ist besonders wichtig, wenn Probleme den ganzen Planeten betreffen wie z.B. bei der Bewältigung der globalen Erwärmung und der Erhaltung sauberer Meere als gemeinsames Erbe der gesamten Menschheit.
Heute stehen wir hier mitten in Europa mit besten Freunden voller Sorgen ob des überall um sich greifenden Hangs zu egoistischem Nationalismus mit imperialistischen Ansprüchen und autoritären Regierungsformen – sogar im zentralen Verteidigungsbündnis eben dieser Werte des atlantischen Westens.
Wir Deutschen präsentieren uns heute mit einem gewissen Stolz als gelehrige Schüler insbesondere Amerikas, die keinen alles bestimmenden Führer mehr dulden und keinen Personenkult. Wir haben auch aus der Erfahrung Ihres Landes verstanden, wie wichtig die unabhängige Justiz und die Freiheit der Medien ist, die eben keine Feinde des Volkes sind wie zur NAZI-Zeit, sondern die Grundlage guter Information und unabhängiger Meinungsbildung der Bürger. Gerade jetzt …“
Hier verschwimmt mein Traum in ein chaotisches Durcheinander. Mir ist, als hätte ich noch gesehen, wie Trump aufsprang und wild mit den Armen fuchtelte. Aber das war vielleicht nur Einbildung, denn ich erwachte aufrecht sitzend in meinem Bett – erst erschrocken und doch auch irgendwie befriedigt ob der klaren Rede, dann traurig, weil es nie so kommen würde.












