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Home Politik

Wer denkt eigentlich an die Mitarbeiter von Karstadt?!

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
15. August 2014
Karstadt-Stammhaus in Wismar

Karstadt-Stammhaus in Wismar

Es ist gerade mal vier Jahre her, da wurde Nicolas Berggruen als Retter von Karstadt gefeiert. Er versprach den über 20000 Mitarbeitern eine „aufregende Zeit“. Aufregend war es und ist es um den Karstadt-Konzern, aber derlei Aufregungen bringen die Beschäftigten um den Schlaf. Denn schon wieder steht der Warenhaus-Konzern vor dem Verkauf und immer noch ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Nach dem „schönen Blender“ Berggruen, wie ihn die FAZ nannte, der als „Messias“ gehandelt wurde, der „uns alle verführt hat, aber keines der Versprechen gehalten hat, ist der „Jammer groß“, so die FAZ auf ihrer Wirtschaftsseite weite.

Und jetzt soll der Investor René Benko übernehmen, ein Milliardär wie Berggruen, smart, erfolgreich, aber auch vorbestraft. In einem Korruptionsprozess wurde gegen Benko eine Haftstrafe von 12 Monaten auf Bewährung verhängt, die der oberste Gerichtshof in Wien kürzlich bestätigt hat. Die Vorsitzende Richterin sprach damals von einem „Musterfall für Korruption“.

Ja, es ist so schön, wenn man sich als Retter feiern lassen kann und wenn Tausende Menschen in einem Konzern nach der Insolvenz der Firma an einen glauben, wenn man in der Öffentlichkeit gepriesen wird, weil der Name Berggrün so bekannt und geachtet wird. Schließlich hatte der Kunstmäzen Heinz Berggruen, der Vater des angeblichen Retters von Karstadt, in Berlin einen Ruf, der auf den Sohn überging. Und der Sohn zeigt sich mit dem Alt-Kanzler Gerhard Schröder, mit dem man befreundet ist, und beruft dessen Gattin Doris Schröder-Köpf in den Aufsichtsrat. Und er lässt sich sehen und fotografieren mit der damaligen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Es sind schöne Nachrichten und noch schönere Bilder.

Das ist vorbei, des Altkanzlers Gattin Doris ist nicht mehr im Aufsichtsrat, sie sitzt für die SPD im niedersächsischen Landtag. Und das mit dem Retter ist längst Legende. Man darf sich fragen, warum hat der Mann das gemacht, warum hat er Karstadt für einen Euro gekauft, hat er die Premium-Häuser in Hamburg, München und Berlin verkauft und nichts investiert? Warum das alles, wenn er doch Geld genug haben muss? Sicher, durch seinen Einstieg wurde das Unternehmen um mindestens diese vier Jahre am Leben erhalten, wurden die Jobs vieler Mitarbeiter gesichert. Wer weiß, sonst wäre die Firma weg vom Fenster.

Aber er hinterlässt auch einen mehr als fragwürdigen Deal, zu dem der Tarifweg gehörte, eben die Mitarbeiter, die auf Lohnerhöhungen verzichteten, um den Laden zu retten. Und diese Mitarbeiter sind nun natürlich erzürnt, weil sie, die wenig genug haben, geleistet haben, um zu überleben, um weiter für Karstadt zu arbeiten, um ihre Existenz zu sichern, die Ausbildung und Bildung ihre Kinder bezahlen zu können, während der Milliardär sich vom Hof macht. Wer eigentlich hat damals für den Verkauf an Berggruen gestimmt, eingestimmt in den Chor der Jubler, weil man glaubte, ein Messias werde nun den angeschlagenen Konzern retten?

Nun lesen sie täglich in der Zeitung oder hören in Berichten im Rundfunk und Fernsehen, dass der nächste Retter vor der Tür oder schon durch die Tür ist, eben jener umstrittene René Benko, einer der reichsten Österreicher mit einem geschätzten Vermögen von mehreren hunderte Millionen Euro oder sogar mehr. Aber das mit dem reichen Retter können die Karstadt-Leute ohnehin nicht mehr hören. Sie wollen wissen, ob es weitergeht, wie es weitergeht, wollen wissen, ob Jobs verloren gehen, ob ihre Filiale überlebt, ob sie morgen noch Arbeit haben.

Ach ja, das gehört zur Auslegung dieser Art von Kapitalismus. Löhne und Gehälter sind Kosten-Faktoren, Dividende und andere Verdienste sind Faktoren, die zum Eigentümer gehören.

Auch die Oberbürgermeister und Stadträte der Städte, in denen die 83 Filialen von Karstadt stehen, zumeist mitten im Zentrum, machen sich Sorgen. Sie wissen nicht, was passiert. Wenn nämlich die Filiale in der Stadt X oder Y dicht gemacht wird, wer garantiert denn, dass die riesigen Gebäude- Flächen wieder einen Pächter finden, wer weiß denn schon, ob derlei Häuser nicht dann leer stehen und vergammeln? Was wird aus den Filialen?

Ob Benko(37), Sohn eines Beamten aus Innsbruck, wirklich investiert, ob er überhaupt an einem Warenhaus im herkömmlichen Stil interessiert ist? Der Mann kauft und verkauft zumeist Premium-Immobilien in Spitzenlagen, der Mann ist in der Oberklasse, im Jet-Set zu Hause. Was wiederum nichts bedeuten muss, es muss nicht gegen ihn sprechen, dass er Geld hat, viel Geld hat. Benkos Signa Holding besitzt bereits die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns Karstadt sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien, darunter am Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München.

Vor Wochen schon horchte die Öffentlichkeit auf, als die Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt die Brocken hinwarf und diesen Rückstritt mit Kritik an Berggruen verband. Heute wird Berggruen mit den Worten zitiert: „Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt wirklich war.“ Wirklich?

Nun also Benko. Der Man sei bestens vernetzt, heißt es neudeutsch. Im Beirag seiner Signa-Gruppe sitzen der Ex-Kanzler Österreichs, Alfred Gusenbauer, Unternehmensberater Roland Berger und Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Bei der Kaufkaus-Konkurrenz in Deutschland ist der Mann wohl bekannt. Vor Jahren wollte Benko den „Kaufhof“ kaufen. Das Geld dafür aber wollte er sich ausgerechnet bei der Kaufhof-Mutter Metro leihen. Doch die Metro-Chefs winkten ab.

Keine guten Nachrichten sind das in den Ohren der Karstadt-Mitarbeiter, die nicht vergessen haben, dass kürzlich Aufsichtsratschef Stephan Fanderl von „schmerzhaften Einschnitten gesprochen hatte. Dass dies die Belegschaft- von noch 17000 Beschäftigten ist die Rede- verunsichert, darf nicht verwundern. Die Stimmung im Hause Karstadt ist wieder mal am Boden. Um die Menschen geht es doch auch, aber sie sitzen nicht am Verhandlungstisch.

Bildquelle: Karstadt-Stammhaus CC BY-SA 3.0 Northside

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Tags: BenkoBerggruenKarstadtKarstadt-KriseVerkauf
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