Es ist ein Phänomen. Katholiken, die der Kirche oft gram waren, die auf maximale Distanz zur Amtskirche gingen, mit dem Austritt liebäugelten, sind plötzlich stolz. Stolz auf „ihren“ Papst, der dem Mann im Weißen Haus in aller Ruhe die Stirn bietet. Größer könnten die Unterschiede nicht sein zwischen dem bescheiden auftretenden, aber klar formulierenden Leo XIV. und den großkotzig-wirren, blasphemischen Ausfällen Trumps, der sich in seinem Netzwerk zum Jesus hochstilisiert.
Ist er noch bei Trost? Das Urteil des einstigen CIA-Direktors John Brennan, der ein neues Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten fordert, ist unmissverständlich: „Dieser Mann ist eindeutig geisteskrank.“ Bei spiegel-online schreibt Rene Pfister: „Nun sollten wir das Offensichtliche aussprechen: Trump hat die Grenzen zum pathologischen Irrsinn überschritten.“
Dass sich im von Trump angezettelten Kampf gegen Leo nicht nur hierzulande die Katholiken mit dem Papst solidarisieren, sondern auch unter US-amerikanischen Katholiken (jeder fünfte erwachsene US-Bürger ist katholisch) die Stimmung kippt, scheint der zum Katholizismus konvertierte Vizepräsident JD Vance zu ahnen. Nicht so krotzkotzig wie Trump, aber von vergleichbarer Überheblichkeit überzog er das Kirchenoberhaupt mit theologischen Belehrungen.
Vance, für seine ideologisch rechtspopulistischen Belehrungen bekannt – mal warb er in Deutschland für die AFD, zuletzt versuchte er in Ungarn (vergeblich) dem Autokraten Orban zum Sieg zu verhelfen – riet dem Papst mit Bemerkungen zum Iran-Krieg „sehr, sehr vorsichtig“ zu sein.
Der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Christi lässt sich davon nicht irritieren. Vor Journalisten betonte er zu Beginn seiner Reise nach Afrika: „Ich fürchte mich nicht vor der Trump-Regierung.“ Grund für Claudius Seidl im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung zu behaupten: „Spätestens seit dieser Woche ist Leo der Anti-Trump, ob er das will oder nicht.“ Und: „Trump weiß längst, wie gefährlich ihm Papst Leo noch werden kann.“
Zwei steile Thesen: Erstens definiert sich Leo wohl kaum als Antipode von irgendjemand, sondern als einer, der um den Frieden besorgt ist. Und zweitens geht die größte Gefahr von Trump und seinen Allmacht-Vorstellungen aus.
Wie auch immer – je unverschämter die Tiraden aus Washington werden, desto stolzer scharen sich die Katholiken hierzulande hinter der stoischen Gelassenheit und Friedensforderung ihres Papstes. Es wirkt wie eine Zeitenwende im Verhältnis zwischen den Gläubigen und dem Kirchenoberhaupt.
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Hinunter von der großen Weltbühne zu der kleinlichen Angst deutscher Fußballfreunde. Für einige bricht an diesem Wochenende die Welt zusammen, weil bei Union Berlin mit Marie-Louise Eta erstmals eine Frau auf der Trainerbank eines Bundesligavereins sitzt. Klagend, depressiv fragen sie im Netz: „Hat Deutschland keine Männer mehr?“
Keine Sorge, es gibt sie noch! Richtige Männer, Haudegen, Sprücheklopfer. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wolfgang Kubicki ist ein solches Musterexemplar. Der Liberale möchte es noch einmal wissen, tritt an, um als Vorsitzender zunächst die FDP zu retten, dann Deutschland und was sonst noch alles. Er ist überzeugt, seine Partei aus dem parlamentarischen Nichts wieder mit wenigstens zehn Prozent im Bundestag zu führen.
Ein „alter weißer Mann“, der es noch einmal allen beweisen will? Da fühlt sich der 74jährige gleich dreifach diskriminiert. Dem Spiegel sagte er:„…bitte schön. Friedrich Merz ist 70. Konrad Adenauer war 73, als er Kanzler wurde, danach hat er 14 Jahre regiert. Winston Churchill war 76, als er britischer Premierminister wurde und Nelson Mandela wurde mit 75 Präsident Südafrikas. Man kann auch im höheren Alter noch Sinnvolles bewirken.“
Ohne Frage. Wäre nur schön zu wissen: Sieht sich der Retter in dieser Reihe eher als Merz, Adenauer, Churchill oder Mandela? Vermutlich steckt nur das jeweils Beste dieser vier in ihm. Da muss das Comeback der FDP ja die geringste Übung sein.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












