Wenn man die Lage östlich und südöstlich von Europa ansieht, kann man erkennen, was jeder Gangster- und Narcoboss weiß: in Konflikten hat der Brutalste die größte „Siegeschance“ – Sieg in Anführungszeichen, weil es nur um den Sieg der eigenen Person und seiner kriminellen Entourage geht. Man kann einfach keine Drogen-Territorialherrschaft erreichen oder sichern, wenn man nicht bereit ist, bedingungslos zu morden.
Die benötigte unbeschränkte Brutalität darf sich dabei nicht nur auf den Gegner richten, sondern auch auf die eigene Gefolgschaft sowie bei Staatsgangstern auf das ihm ausgelieferte Volk.
Trotzdem hatte man in der DDR zu jubeln: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!“
Gehen wir also der Frage nach, wie weit man es mit äußerster Brutalität tatsächlich bringen kann.
Beispiel Russland: nur weil Putin das Leiden seines eigenen Volkes unter Unterdrückung und Verarmung völlig egal ist, kann er einen so unsinnigen Krieg gegen sein Nachbarland führen. Diesen Krieg hätte er auf Grund der ungehemmten Brutalität längst gewonnen, wenn er den Willen und die Bereitschaft westlicher Demokratien nicht falsch eingeschätzt hätte. Vielleicht behält er aber letztlich Recht, wenn nämlich Wille und Fähigkeit jener Helfer zusammenbricht. Die USA sind schon fast raus, Deutschland und ein paar kleinere Nachbarn haben noch Reserven, aber andere Europäer sind unsichere, ja unwillige Kantonisten. Ein territorial weitgehender Endsieg des Brutalsten muss daher als wahrscheinlich gelten, zumal der Boss eher sein Russland vor die Hunde gehen ließe, als die Demütigung durch Misserfolg zu akzeptieren.
Beispiel Sudan: zwei Gangsterbosse, die sich den Staat einst teilen wollten, bekriegen sich gegenseitig und töten und vertreiben die Bevölkerung, wie es ihnen gerade passt. Beide erhalten Waffen aus interessiertem Ausland, z.B. Ägypten, VAE, weil Gold und andere Rohstoffe locken. Mindestens eine Seite, die General Hametis und der Dschandschawid ist seit Jahrzehnten völlig entmenschlicht, die andere Seite unter General Abdel Fattah al-Burhan angepasst. Rücksicht auf irgendwen oder irgendetwas ist in diesem endlosen Krieg unbekannt. Also Brutalität pur auf beiden Seiten – da ist das Böse unter sich. Nicht unähnlich sieht es im abgespaltenen Süd-Sudan, in Tigray oder im Sahel aus.
Beispiel Hamas: nur die völlige Ignorierung der Lebensinteressen der eigenen palästinensischen Bevölkerung in Gaza konnte das Massaker an Israelis am 7. Oktober 2023 möglich machen. Die Reaktion Israels von noch gesteigerter Brutalität erlaubt der Hamas nun, sich als Sieger im heldenhaften Freiheitskampf zu inszenieren, ihr Überleben auf den Ruinen ihres Restterritoriums zu feiern und keinerlei Bereitschaft zur Kapitulation und Waffenabgabe zu zeigen.
Beispiel Hisbollah in Libanon: dito, wobei hier noch die gesamte libanesische Bevölkerung mit ins Elend gerissen wird.
Beispiel Israel: nur in der unglaublichen Brutalität der israelischen Kriegsführung sieht der Staat die Voraussetzung für Sicherheit und sein Ziel kolonialistischer Expansion zu einem Groß-Israel. Man versucht gar nicht erst, Massentötungen und totale Zerstörung zu vermeiden. Sollte Israel irgendwann zum Völkerrecht zurückkehren, könnte sich die derzeitige Brutalissimophase als Beginn eines Untergangs erweisen, denn es ist unvorstellbar, dass ein Staat im 21. Jahrhundert als Demokratie funktionieren kann, wenn ein großer Teil seiner Bevölkerung aus ethnischen und religiösen Gründen rechtlos oder bestenfalls Staatsbürger minderen Status ist. Ebenso unvorstellbar ist ein friedliches, demokratisches Zusammenleben von arabischen Palästinensern und Juden, die vergessen müssten, was sie einander an Hass, Mord und Entrechtung angetan haben – nicht einmal ein Mandela könnte das leisten.
Beispiel Afghanistan: Es war wohl auch hier die ungebremste Brutalität der Taliban gegen die eigene Bevölkerung (insbesondere gegen ihre weibliche Hälfte), gegen die der Versuch einer NATO-geschützten Demokratie scheitern musste. Es war eine unsymmetrische Auseinandersetzung zwischen Interventionstruppen, die sich an Recht und Ordnung zu halten hatten (nicht immer konsequent), und Partisanen, die sich als Gotteskrieger frei von allen menschlichen Regeln fühlten und sich nachts an jenen Afghanen rächen konnten, die tagsüber mit den Ordnungskräften kooperierten.
Beispiel Iran: Hier ist ähnlich wie bei Hamas und Hisbollah der ungebrochene Wille zu absoluter Brutalität zu beobachten. Das Unterdrückungsregime der Revolutionsgarden hat es dank amerikanischer Liquidationspolitik geschafft, auch die Staatsführung zu übernehmen. Dabei wird die theokratische Staatsideologie zwar beibehalten, aber wie auch bei Kommunismus und Christentum wird die Priorität der religiös gebotenen Liebe auf Gott oder Stalin konzentriert, die Mitmenschen haben nichts davon. So kann das militärisch hoffnungslos unterlegene Regime der Pasdaran die Ermordung iranischer Bürger durch israelische und amerikanische Bomben ebenso ignorieren wie seine eigen Folter- und Mordopfer in der Bevölkerung, weil es sich sicher weiß vor Interventionstruppen zu Lande. Es bleibt also überlebender Sieger, solange es nur erfolgreich das eigene Volk beherrscht. Ausdruck dieser glasklaren Strategie ist die Aussage eines Pasdaran-Generals, jeder Demonstrant gelte ab sofort als Feind und werde sofort erschossen. So gewinnt das Regime die Oberhand über die nur bei ihm selbst verhassten USA, das für die normale Bevölkerung eher Auswanderungsziel wäre als das Reich des Teufels. Natürlich hat Trump längst erkannt, dass ihm der Sieg nicht zu nehmen wäre, wenn er tatsächlich die tausendjährige iranische Zivilisation des Landes in die Steinzeit zurück bomben dürfte. Dazu müsste er nur an absoluter Macht mit den Pasdaran gleichziehen; es muss ihn ja wurmen, dass er noch immer auf das Parlament und andere Institutionen Rücksicht nehmen muss. Auch er würde seine Gegner gern ins Gefängnis werfen und andersdenkende Medien verschwinden lassen; auch er sieht zweibeinige Wesen durch sein Land laufen, die er als Tiere bezeichnet und wohl auch gerne so behandeln würde. Wahrscheinlich hat er aus diesem Grunde öffentlich gesagt, wenn er es recht bedenke, brauche es keine Wahlen mehr. Auch ihm scheint klar geworden zu sein, dass die Zwischenwahlen am 3. November den Iranern erlauben, ihn als gedemütigt vorzuführen.
So aber ist er strategisch der tragische Verlierer, der wahrscheinlich keines seiner Ziele erreicht, keinen Regimewechsel in Teheran, kein Uran- und Atomverzicht, keine Kontrolle über iranisches Öl und die Meerenge bei Hormus und keinen verlässlicheren Verzicht auf Urananreicherung als ihn bereits Obama und die Europäer in der Tasche hatten – und das alles nur, weil ihm der Zugriff auf extremste Brutalität verwehrt ist!
Beispiel Nord-Korea: Das seit 80 Jahren absolutistisch herrschende Familienregime der Kims – das ist Weltrekord! – ist Goldstandard des Brutalismus; „kim“ ist auch das koreanische Wort für Gold (auszusprechen wie kim mit dumpferem y). Hier wird am klarsten, wie siegreich eine fast ein Jahrhundert dauernde lückenlose und brutale Unterdrückung samt Gehirnwäsche ist. Welch eine Leistung, Atombomben und Raketen bauen zu lassen, während das Volk Gras frisst und trotzdem jubelt! Für mich Anlass zu vermuten, dass auch der persische Schah friedlich auf seinem Thron hätte sterben können, wenn er die Savak und das übrige Unterdrückungs- und Folterinstrumentarium so konsequent genutzt hätte wie seine Nachfolger.
Und das Gesamtergebnis all dieser Brutalitäten: Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt werden zurückgestoßen in die Armut, der sie vielleicht gerade ein wenig entkommen waren – nicht nur in den Kriegs- und Unterdrückungsgebieten, sondern überall, wo nun Öl, Dünger oder Medizin fehlen oder unerschwinglich geworden sind, oder einfach nur Drogenclans die Staaten unterwandert haben wie im Sahel oder Peru.
Für mich ist dabei das Gefühl entstanden, die dünne Eisdecke einer globalen Zivilisation schmelze unter meinen Füßen und durch die immer dünner werdende Eisschicht könne man das nackte Böse erkennen, das von Anfang an ein Teil unseres biologischen Erbes war.











