Boris Pistorius will uns Deutsche darauf vorbereiten, wieder einen Krieg führen zu können. Er folgt den Zurufen des selbsternannten Heilandes aus dem Oval Office, der erst 2% und nun 5% des BIP jährlich fordert für Panzer und Bomben. Um diese unvorstellbar hohe Summe des Volksvermögens in totes Kapital zu stecken, sollen die Deutschen länger arbeiten und das soziale Netz wird immer löchriger, durch die immer mehr durchfallen.
Unsere Präambel des Grundgesetzes spricht von „beseelten“ Menschen, die dem Frieden der Welt dienen sollen. Wo sind sie geblieben?
Mit großer Häme berichten unsere sogenannten „Qualitätsmedien“ über das Gedenken Russlands an den Sieg über das dunkle Deutschland am 9. Mai in Moskau. Der 8. Mai hingegen erscheint in den Medien nur als eine Randnotiz. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland findet dazu kein Wort der Erinnerung. Sie scheint vergessen zu haben, mit welchem Eifer und religiösem Wahn sie den Vernichtungsfeldzug gegen Russland begleitet hat. Rassistische und antisemitische Parolen waren es, begleitet von einem unvorstellbaren Vernichtungswillen durchdrungen.
1941 veröffentlichte die Thüringische Evangelische Kirche:
„Unser Volk steht in einem beispiellosen Kampf um die Ordnung Europas und der Welt…es ist ein Kampf zwischen den göttlichen und satanischen Mächten der Welt…zwischen Licht und Finsternis… Liebe und Haß, zwischen dem ewigen Deutschen und dem ewigen Juden… wir bekennen uns bedingungslos zum Führer und zu Deutschland…wir bekennen uns zu einem artgemäßen deutschen Glauben…Gläubig und tapfer wie der Ritter zwischen Tod und Teufel schreiten wir durch alle Dunkelheiten wie in ein großes Licht.“
2024 übertrug das ZDF einen Adventsgottesdienst zum Thema „Friede auf Erden“ aus einem militärischen Unterstand an der „Ostflanke der Nato“ in Litauen, vollgehängt mit Tarnnetzen. In diesem Unterstand saß die militärische Führung samt Boris Pistorius und lauschten dem deutschen Militärbischof, der, mit einem Kreuz auf der Brust, vom Licht sprach, das in der Finsternis scheint.
Vor 41 Jahren, am 8.Mai 1985 war es vielen konservativen Mitmenschen, besonders aber den CDU-Mitgliedern, peinlich, als Bundespräsident Richard von Weizäcker öffentlich im Bundestag verkündete: „Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern… Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung… Wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.“
Richard von Weizäcker wagte es, als Bundespräsident und bekennender evangelischer Christ, dem „unübersehbar großen Heer der Toten zu gedenken, über den sich ein Gebirge menschlichen Leids erhebt.“
Wir müssen uns erinnern, sagte er. Denn wenn wir uns nicht mehr erinnern an unsere Unmenschlichkeiten, dann werden wir zukünftige Gefahren zu spät erkennen.
Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit sind für uns Deutsche keine Möglichkeit mehr. Von deutschem Boden sollte Frieden und gute Nachbarschaft ausgehen, sagte er. Besonders sprach Richard von Weizäcker am Ende seiner Rede die junge Generation an und sagte zu Recht, dass sie nicht verantwortlich sei für das, was damals geschah, aber gleichwohl sei sie verantwortlich für das, was daraus wird.
Es erfüllt mich mit Trauer und Sorge um Deutschland, dass wir offensichtlich der „Gefahr des Vergessens anheimgefallen sind ohne die Folgen zu bedenken.“
Für mich war Richard von Weizäcker einer, der wirklich vom Willen beseelt war, dem Frieden der Welt zu dienen. Er glaubte an die heilsame Kraft der Erinnerung. Davon sind leider unsere politisch Verantwortlichen in Politik und Kirche weit entfernt. Ich möchte ihnen ans Herz legen, diese Rede noch einmal zu lesen, genau zu lesen, bald zu lesen. (Archiv des Bundespräsidialamtes)
Richard von Weizäcker schloss seine Rede so:
„Wir müssen den Jüngeren helfen zu verstehen, warum es lebensnotwendig ist, die Erinnerung wachzuhalten… ohne Flucht in utopische Heilslehren, aber auch ohne moralische Überheblichkeit. Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden. Es gibt keine moralische Vollkommenheit – für niemanden und kein Land! … Wir bleiben als Menschen gefährdet. Aber wir haben die Kraft, Gefährdungen immer von neuem zu überwinden.
Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren.
Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative,
gegen Schwarz oder Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“
Zum Autor: Klaus Kenke, Pfr.i.R.
Referent des Superintendenten
Für Frieden
Kirchenkreis Jülich
Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F063403-0005 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0













…man kann nur dankbar sein für einen solchen Kommentar! Und einen solchen Bundespräsidenten gehabt zu haben, dessen Ausführungen zum 8. Mai eine quasi ewigliche Aktualität widerspiegelt.
Allerdings: Wo stünden wir heute, was wären wir, wären die seinerzeitigen Siegermächte und damit auch unsere Befreier damals n i c h t kriegstüchtig gewesen??? Ist ein sich omnipotent fühlender Putin und sein die ehemalige westliche Welt (so unvollkommen sie auch gewesen sein mag) zerstörender Handlanger Trump nicht gleichermaßen Gefährder des globalen -zugegebenermaßen – fragilen Gleichgewichts, für den Krieg die einzige Handlungsoption ist ohne jegliche Bereitschaft und Fähigkeit für diplomatische Lösungen? Bedeutete, wehrlos zu sein, nicht, sich dessen Joch eher oder später unterwerfen zu müssen? Und ist das eine wünschenswerte Option?