Ein wenig Nostalgie an die gute alte Bonner Republik schwang mit, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Samstag zum Bürgerfest in die Villa Hammerschmidt einluden. Tausende Bonner waren gekommen. Und natürlich hörten sie es gern, dass Steinmeier die Bedeutung der alten Bundeshauptstadt für den Aufbau des Landes hervorhob. Dort sei das Grundgesetz erarbeitet worden als Bollwerk für den Neuanfang der Demokratie nach der nationalsozialistischen Diktatur. Mehr denn je sei diese Erinnerung notwendig in Zeiten, in denen Demokratie und Rechtsstaat vor jenen geschützt werden müssten, „die all das verachten und mit Füßen treten“.
Ein deutlicher Hinweis auf jene Gegner dieser Republik, die am Sonntag in Sachsen-Anhalt als Wahlsieger hervorgehen könnten. Der Präsident verwies indes darauf, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung diese Demokratie schützen und erhalten wolle und sich gegen „völkisches Denken und nationale Abschottung“ wende. Leider, beklagte Steinmeier, sei diese Mehrheit oft eine „zu stille Mehrheit“.
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Gar nicht still ist eine Initiative „Demokratische Deutsche für ein zukunftsfähiges Sachsen-Anhalt“. Was dem Land droht, wenn die AfD am Sonntag in die Regierung gewählt wird, hat sie mit einer spektakulären Kunstaktion ins Bild gesetzt. AfD-Flaggen, die an Nazi-Inszenierungen erinnern. Plakate mit Sprüchen wie „Deutsche Söhne? Frauenpflicht!“ oder „Deutsche wehrt Euch. Kauft nicht aus anderen Ländern!“
Die kleine Stadt Tangermünde, in der der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lebt, verwandelt in eine düstere Erinnerung an übelste Ausfälle der deutschen Geschichte. Die Initiative hat den AfD-Wahlslogan „Lasst uns Geschichte schreiben“ aufgegriffen und mit deutlichen Anleihen an die Nazi-Symbolik bildlich aufgezeigt, welche Geschichte damit gemeint sein könnte.
„Mit unserer Aktion möchten wir zeigen, wie ein AfD-regiertes Sachsen-Anhalt aussehen könnte. Tangermünde wacht daher heute in einer Szenerie auf, wie Deutschland sie vor knapp hundert Jahren leider schon einmal erleben musste.“ Spektakulär und mutig. Aber auch Zeichen, wie verzweifelt der Kampf gegen die Dominanz der „Nazi-Partei“, wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) die AfD beschreibt, in dem Land geworden ist.
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Noch einmal zurück zum Bonner Bürgerfest. Mit Blick auf den geschrumpften Rhein mahnt Steinmeier nach dem extremen Hitzesommer und der Naturkatastrophe von Nepal internationale Zusammenarbeit an, um die Erderwärmung noch zu mindern.
Weit grundsätzlicher hat sich zum Thema Klimawandel in dieser Woche der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, geäußert. In einem Gastbeitrag für die Rheinische Post forderte der Bischof von Münster eine radikale Abkehr vom „bisherigen westlichen Wohlstandsmodell“. Wohlstand dürfe nicht länger rein ökonomisch definiert werden. „Wir brauchen eine sozial-ökologische Definition von Wohlstand“, schrieb Wilmer und begründete das so: „In Solidarität und geleitet von der Überzeugung, dass die Würde jedes Menschen gleich unantastbar ist, schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass möglichst alle Menschen ein gutes, friedvolles Leben innerhalb der Belastungsgrenzen unserer Erde führen können.“
Hört sich sehr theoretisch an, ist im Kern aber eine fast revolutionäre Abkehr von überkommenen Wahrheiten. Fraglich nur, ob der Bischof für diese Sicht Unterstützer in einer aus den Fugen geratenen kapitalistischen Welt der Autokraten und Egomanen finden kann. Doch eines Verbündeten darf er sich sicher sein: Papst Leo denkt in ähnlichen Kategorien.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)













