Die Ernennung Jürgen Klopps zum Bundestrainer löste einen regelrechten Medien-Hype aus. Attribute wie Hoffnungsträger, Lichtgestalt, Retter in der Not oder Menschenfänger machten die Runde. Sogar positive politische Signale erhoffte man sich von ihm: Er sei einer, der einen Stimmungsumschwung im Lande herbeiführen könnte, wurde gemutmaßt. Klopp selbst hat diesen Eindruck noch verstärkt. Er sprach in fast jedem Interview von der guten Stimmung im Team und der Hoffnung, dass sich diese auch dem gesellschaftlichen Umfeld mitteilen möge.
Einem klugen Menschen wie Klopp dürfte klar sein, dass Stimmungen allein noch keine Veränderung bedeuten; sie kippen ebenso schnell wie sie entstehen. Noch genießt Klopp einen Vertrauensvorschuss; aber bei weiteren Rückschlägen werden die Kritiker und Nörgler wieder die Oberhand gewinnen; das lässt sich unschwer vorhersagen.
Klopp hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt, um wieder ein schlagkräftiges Team zu formen: er hat über vierzig, teils relativ unbekannte und mithin unerfahrene Spieler nominiert, aus deren Reihe er eine neue Mannschaft bilden will. Ein riskantes Unterfangen und zwar deshalb, weil ihm kaum die Möglichkeit gegeben ist, mit den Spielern zu arbeiten. Ihm fehlt ganz schlicht die Zeit, um Taktiken, Abläufe (die sogenannten Automatismen) u.a. einzuüben. Ihm wird kaum etwas anderes übrigbleiben, als zu experimentieren, um Spieler zu finden, die seine Spielidee umsetzen.
Wie es anders geht, hat Spanien bewiesen. Seit Jahren werden dort Spieler nach der gleichen Spielmethode ausgebildet. Die WM-Elf z.B. besteht aus Spielern, die sich seit Jahren kennen und teilweise in der gleichen Formation in den Vereinen spielen. Schaut man sich die Spiele der Spanier an, so sind diese meist wenig spektakulär. Gleichwohl ist deren Spielweise nahezu perfekt. Die Mannschaftsteile greifen ineinander; die Abläufe sind unzählige Male eingeübt worden; jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Kurzum: es handelt sich um eine eingespielte Mannschaft und so kommt es, dass der spanische Fußball zurzeit weltweit dominant ist.
Zurück zu Klopp. Er hat als Vereinstrainer mit Mainz, Dortmund und Liverpool alles erreicht. Vor allem in Liverpool konnte er Spieler einsetzen, die er sich gewünscht hatte und die z.T. mit erheblichen finanziellen Mitteln aus aller Herrenländer zusammengekauft wurden. Als Klopp seinen Job in Liverpool antrat, bat er um vier Jahre Zeit, bis sich der Erfolg einstellen würde; das hat geklappt. Diese Zeit wird er als Bundestrainer wohl nicht bekommen.
Klopp ist auf die Spieler angewiesen, die von den Vereinen ausgebildet werden, wobei jeder Verein mehr oder weniger eigene Wege geht. Klopp hat es also mit strukturellen Problemen im deutschen Fußball zu tun, die seit Jahren bekannt sind, deren Lösung aber noch weitgehend aussteht. Daher sind kurzfristige Erfolge kaum zu erwarten, auch wenn Klopp sicherlich der Trainer ist, dem am ehesten zuzutrauen ist, dass sich einiges zum Besseren wendet. Zu wünschen wäre es ihm!













