Artikel von Joke Frerichs

Joke Frerichs

Joke Frerichs, Dr. rer. pol.; Studium der Politikwissenschaft; Soziologie; Philosophie; Germanistik, lebt als freier Autor in Köln. Er schreibt Romane, Gedichte, Essays und Rezensionen.


Künstliche Bilder
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Peter Handke: Der Bildverlust

Peter Handke hat den Literatur-Nobelpreis 2019 erhalten. Er erhielt den Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“, so die Begründung der Akademie. „Die besondere Kunst von Peter Handke ist die außergewöhnliche Aufmerksamkeit zu Landschaften und der materiellen Präsenz der Welt”, heißt es weiter. Ein…

Erinnerung
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Zwei Meister der Erzählkunst: Peter Kurzeck und Marcel Proust

Bei einer Podiumsdiskussion im Kölner Literaturhaus anlässlich einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Dichter Peter Kurzeck wurde die Frage aufgeworfen, ob sich der Erzählstil Peter Kurzecks mit dem von Marcel Proust vergleichen lässt, wie dies in einigen Feuilleton-Beiträgen offenbar geschehen ist (Kurzeck wurde als hessischer Proust tituliert). Die Antworten der Diskutanten blieben mehr oder weniger im…

SPD Wahlergebnisse 1949-2017
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„Vorwärts und nicht vergessen…“. Einige ungeordnete Anmerkungen zum Zustand der SPD

  Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin kein SPD-Mitglied mehr. Ich bin schon bei Bildung der ersten Großen Koalition aus Protest aus der Partei ausgetreten. Ich konnte nicht verstehen, dass der Widerstandskämpfer Willy Brand mit dem Ex-Nazi Kiesinger eine Koalition eingegangen war. Gleichwohl habe ich 40 Jahre lang die SPD gewählt. Bis 2005….

Wolken
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John Cowper Powys: Kultur als Lebenskunst

Ich mache mich daran, endlich einmal John Cowper Powys zu lesen, dessen Bände seit Jahren unberührt in unserem Bücherregal stehen. Powys (1872 – 1963) war ein walisischer Dichter und Schriftsteller. Er verfasste Lyrik, Essays, umfangreiche Romane sowie philosophische Schriften. Er gab sich in seinen Werken als ironischer Skeptiker, der selbst die eigene Weltanschauung immer wieder…

Skulpturenpark Rees 2016, Ernesto Marques - Sisyphos
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Erasmus Schöfer: Engagierte Literatur – Roman-Tetralogie Die Kinder des Sisyfos 

Mit der Veröffentlichung des vierten Bandes seines Roman-Zyklus hat der Kölner Schriftsteller Erasmus Schöfer sein Prosawerk über die jüngere deutsche und europäische Geschichte zwischen 1968 und 1990 abgeschlossen. Wie in den drei Romanen zuvor werden aus der Perspektive von Beteiligten die politischen und gesellschaftlichen Konflikte dieser Jahre literarisch rekonstruiert. Dabei nimmt Schöfer nicht die Position…

Arbeitswelt
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Literatur der Arbeitswelt

Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt wurde Ende der sechziger Jahre mit dem Ziel ins Leben gerufen, die bis dahin in den Medien weitgehend vernachlässigte industrielle Arbeitswelt zum Gegenstand von Literatur zu machen. Ziel war nicht die abstrakte Darstellung der kapitalistischen Verhältnisse – das gab es zu dieser Zeit zuhauf in den akademischen Zirkeln, die sich…

Manhattan Transfer ein Passagierbahnhof in Harrison, New Jersey (USA)
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Wiedergelesen: John Dos Passos: Manhattan Transfer

Um die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft oder ein Phänomen wie den Trumpismus  zu verstehen, ist es hilfreich, hin und wieder einen der großen Gesellschaftsromane zu lesen. Der Roman Manhattan Transfer von John Dos Passos (1896 – 1970) ist ein solcher. Er schildert aus der Perspektive zumeist kleiner Leute den Existenzkampf ums Überleben in der Großstadt…

Paul Klee - Tempelgärten
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Von Pascal bis Pop – Fundsachen und Gelegenheiten

Wieder einmal krame ich in alten Buchbeständen und finde drei ziemlich ramponierte Reclam-Bändchen. Zunächst eine Aufsatz- bzw. Vortragssammlung von Odo Marquard: Abschied vom Prinzipiellen. Ich hatte 1968  einige Vorlesungen von ihm besucht und mich vor allem an seinen Formulierungskünsten ergötzt. Sein Fazit über die Studentenbewegung lautete: Nach der materiellen Fresswelle kam die ideologische. In dem…

Staatswerft in Emden
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Joke Frerichs: Herkunftsmilieu

Wenn wir nicht wissen, woher wir kommen, wissen wir auch nicht, wohin wir gehen, schrieb einst Simone de Beauvoir. Als vor kurzem die letzte Steinkohlenzeche schloss, erinnerte mich dies unwillkürlich an den Niedergang der Werften, in deren Nähe ich aufwuchs. Lange Zeit habe ich mir über meine Herkunft wenig Gedanken gemacht. Man wurde in ein bestimmtes…