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Den 1. September 1939 werde ich nie vergessen – Friedrich Nowottny erlebte den Kriegsbeginn in Hindenburg/Zabrze

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
1. September 2026
Den 1. September 1939 werde ich nie vergessen – Friedrich Nowottny erlebte den Kriegsbeginn in Hindenburg/Zabrze

Friedrich Nowottny ist Jahrgang 1929, das Jahr, das als Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise gilt, ein Jahr, das sich noch als Glücksfall für ihn erweisen wird, weil der Führerbefehl den Jahrgang 1929 ausdrücklich nicht an die Front gegen Russland schicken wollte und damit nicht in den wahrscheinlichen Tod. Dieser Friedrich Nowottny, den wir alle kennen vom Fernsehen, wie er in den 70er und 80er Jahren den Bericht aus Bonn fein moderierte, mit Humor und Kenntnis der Politik und der Politiker, ist heute 97 Jahre alt. Er war noch ein Kind, gerade mal zehn Jahre jung, als der zweite Weltkrieg ausbrach am 1. September 1939. Die Nowottnys lebten damals in Hindenburg, Oberschlesien, keine zehn Minuten von der polnischen Grenze entfernt. Nowottny erinnert sich: Am 31. August 1939 sind viele Menschen auf dem großen Platz der Stadt, sehr viele Soldaten, Militärfahrzeuge, er hört, wie sie immer mal wieder davon reden, dass es Krieg geben werde, gegen Polen. Was er nicht weiß, ist, dass Adolf Hitler, der in den Augen der Hitlerjugend und von Millionen Deutschen geliebte Führer, diesen Krieg längst beschlossen hat im Kreise der Generalität, Polen und seine Intelligenz sollen vernichtet werden, vom Lebensraum im Osten ist die Rede. Er weiß nicht, dass Hitler am 25. August 1939 eine geheime Mobilmachung befohlen hat. Deshalb die Soldaten in Hindenburg und an vielen anderen Plätzen im Reich. Das alles weiß der Knabe Friedrich natürlich nicht. „Wir wussten gar nicht, was Krieg bedeutet.“

Dann wird an jenem 31. August 1939 der Sender Gleiwitz überfallen- von SS-Männern in polnischer Uniform, um einen Angriff Polens vorzutäuschen- und es folgt die Rede des Führers über den Volksempfänger, viele Menschen in Hindenburg haben das Radio ins geöffnete Fenster gestellt, damit auch die Polen auf der anderer Seite des Flusses Klodnitz mithören können, was Hitler der Welt zu sagen hatte: Nämlich, …“dass ab 5.45 Uhr zurückgeschossen wird.“ Und es wurde geschossen, von der einen wie der anderen Seite und mitten drin waren Kinder, der zehnjährige Friedrich Nowottny und sein Freund, nichts ahnend. „Was wussten wir schon?“ Aber als es richtig knallte und krachte, als Granaten flogen und detonierten, gingen sie in Deckung, lagen im Wassergraben der Straße und brachten sich in Sicherheit. Der erste September 1939 in der Erinnerung eines Mannes mit 97 Jahren. Damals, sagt er, empfanden wir das als eine „Art Abenteuerspielplatz“. Heute macht er sich Sorgen um die Zukunft des Landes, um den Frieden, darum, dass es wieder Krieg geben könnte, Friedrich Nowottny hat ja Enkel. Und was Krieg ist, hat zum Beispiel einer wie Helmut Schmidt, der an der Front war, der spätere Kanzler, auf drastische Art knapp gesagt: „Es war ein Scheiß-Krieg.“

Man lebte bescheiden

Bleiben wir noch in der Vergangenheit, die so schlecht nicht war in der Erinnerung des Kindes. Man lebte bescheiden damals, aber das taten ja viele. Er selber hat in einem langen Rundfunk-Interview vor Jahren geschildert, wie das Leben an der polnischen Grenze war, in Hindenburg, Oberschlesien. „Für mich war das ein Paradies, trotz der unglaublichen Armut, die in jenen Jahren herrschte. Ich hatte eine wunderbare Kindheit.“ Die Schrecken der Nazi-Zeit, die Verbrechen, die Verfolgung der Juden, Sinti und Roma, der Holocaust, das Verbot der Kommunisten und Sozialdemokraten, die Konzentrationslager, von all dem wusste er nichts. Als Hitlerjunge machte er mit bei den Übungen zur Wehrertüchtigung, nahm Waffen auseinander, baute sie wieder zusammen. So war das damals. „Wir wurden auf Krieg trainiert, wussten, wie man mit einer Panzerfaust umgeht.“ Friedrich Nowottny wurde Offiziersanwärter.

Wenige Wochen vor Kriegsende- er war 15 Jahre alt- wurde er zusammen mit seinem Vater zum Volkssturm eingezogen, sie waren in derselben Einheit, lagen zusammen im Schützengraben. Er gab mir aus seiner Feldflasche zu trinken: „Komm, Du bist jetzt bald erwachsen, trink einen Schluck.“ Es war das erste Mal, dass er Alkohol trank, es muss ein Likör gewesen sein, schmeckte süß.

Der junge Friedrich NowottnyDann folgte ein Marschbefehl an die Ostfront, Vater und Sohn sollten gemeinsam für den Führer und das Reich kämpfen, und wie die Sprüche alle hießen. Der Vater, ein Schmiedemeister, der zu Beginn des Krieges u.k. gestellt worden war, weil er auf der Zeche in Hindenburg arbeitete, widersprach dem Oberfeldwebel und legte diesem eine Wehrmacht-Zeitschrift vor mit dem Führer-Befehl, dass der Jahrgang 1929 nicht an die Front müsse. Der Vater ging an die Front, der Sohn sah ihn nie wieder, weil der Vater wenige Tage später fiel. Friedrich Nowottny schlug sich durch Böhmen und Mähren, so hieß das Protektorat, das einst die Tschechoslowakei gewesen war, er gelangte nach Bayern, wurde von der Feldpolizei aufgegriffen und nach Braunau am Inn geschickt. Ausgerechnet in Hitlers Geburtsort, um diesen zu verteidigen. Mit Panzerfäusten und ein paar Schuss Munition, die Amerikaner waren schon im Anmarsch.

Fahrrad mit Gepäckträger

Deutschland, das Reich retten vor den Feinden, die Soldaten wie Friedrich Nowottny auf einem Fahrrad mit Gepäckträger, in dem sich ihre Waffen befanden. Sie hatten vom Tod des US-Präsidenten Roosevelt gehört, die Nazis hatten Plakate an die Wände geklebt mit dem Inhalt, dass mit Roosevelt der erste Kriegsverbrecher gestorben sei. Und dass nunmehr die Wunderwaffen kommen würden. Aber diese Wunder blieben aus, vielmehr wurde bald gemeldet, dass der Führer „gefallen“ sei, natürlich im Kampf, was gelogen war, weil er sich ja nebst seiner Frau Eva Braun das Leben genommen hatte. „Wir glaubten die Geschichten nicht, die man uns erzählte, Hitler konnte nicht tot sein, wir kämpften doch für den Endsieg.“ Und dann war der Krieg zu Ende, „für uns brach eine Welt zusammen, wir hatten doch einen Eid geleistet auf den Führer“. Am 2. Mai marschierten die Amerikaner in Braunau ein. Er wurde gefangen genommen.

Kein Jubel, dass der Krieg zu Ende war, Hitler tot, das NS-Regime besiegt, man überlebt hatte? „Wir waren Pimpfe. Ich fühlte mich besiegt, fassungslos, nicht befreit.“ Und man hatte ja auch das wenige, was man besaß, verloren. Was aus Deutschland werde, was aus einem selbst, ob es eine Zukunft gebe? Zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit habe man keine Zeit gehabt, man musste schauen, dass man überlebte in dem Chaos nach dem Krieg, man musste sehen, wo es was zu essen gab. Sein Glück war, dass er in der Schule Englisch gelernt hatte. „Ich danke meinem Lehrer noch heute, dass wir Vokabeln pauken mussten, er uns immer wieder mahnte: Ihr werdet es noch gut brauchen können.“ Und als der US-Kommandant die deutschen Gefangenen fragte: „Anybody here, who speaks English?“ Da habe er sich gemeldet. Und war der Dolmetscher und hatte Zugang zum Essen, zu einem Stück Fleisch, noch heute schwärmt Friedrich Nowottny: „Das war eine Sensation. Ein Steak. “

1945. Der 16jährige Friedrich Nowottny findet seine Mutter und seine ältere Schwester in Braunau wieder, wohin sie evakuiert worden waren. Die Österreicher entscheiden, dass alle Reichsdeutschen das Land verlassen müssen. Also habe man sich zum Bahnhof begeben, er habe- Ordnung muss sein- eine Bahnsteigkarte für zehn Pfennig gekauft, im Viehwaggon ging es quer durch Deutschland, der Wagen wurde mit einem Kanonenofen beheizt, die Briketts dazu und das Holz habe man an den jeweiligen Bahnhöfen organisiert, wo der Zug hielt. Und er hielt oft, weil die Schienen kaputt waren, die Brücken zerstört, also musste der Zug andere Strecken nehmen. In Kassel habe er dann das Ausmaß der Zerstörung gesehen. „Ich wusste davon nichts, in Hindenburg gab es das nicht, auch Braunau hatte keine Bomben abbekommen. Es waren furchtbare Bilder, eine Stadt wie ein Friedhof, kaum ein Haus stand, überall Löcher, Steine, Ruinen.“ Ja, Deutschland glich einem Gräberfeld.

Fahrt nach Bielefeld

Die Fahrt ging nach Bielefeld, wo die Familie des Bruders seines Vaters lebte. Und wieder ging es ums Überleben, darum, etwas zu Essen zu besorgen. In der Turnhalle der Bodelschwingschen Anstalten in Bethel fanden sie zunächst Unterkunft, dort konnte der 16jährige Friedrich sich ein paar Reichsmark verdienen, indem er den Koks in Säcken aus dem Keller holte, mit denen die Krankenhäuser beheizt wurden. Dazu gab es etwas zu essen. Dann zog die Familie nach Brackwede, in einem Gasthaus stand ein winziges Zimmer für drei Personen parat: Mutter, Schwester, Sohn Friedrich, alle unter einem Dach. Die nächste Adresse war in der Hermannstraße 54 in Bielefeld.

Karikatur Umzug der NowottnysEine junge Familie trat der Familie Nowottny zwei winzige Dachkammern ab, die mit einem Kanonenofen beheizt wurde. Der Vater der Vermieter hatte im Krieg ein Bein verloren. Er stellte ein Bett zur Verfügung, einen Schrank, man hatte ja nichts. Der beinamputierte Mann handelte mit Textilien, mit Hemden, Anzugsstoffen. Friedrich Nowottny, in Bielefeld von den Alliierten, den Engländern zwangsverpflichtet, nutzte seine Arbeit in einem Pionierdepot und Kontakte zu den Tommies, um an Tabak und Zigaretten zu kommen. Das war damals die eigentliche Währung. Für die Post hat der spätere Intendant dann als Fremdsprachendolmetscher gearbeitet. „Unglaublich, was man damals verdiente.“ Die Reichsmark war ja nicht viel wert, die DM kam erst später. Immerhin erhielt er eine Sprachenzulage von 15 bis 20 Reichsmark. Zwischendurch hat der spätere mehrfach preisgekrönte Journalist als Schlagzeuger in einer Band gespielt. Die Schlagbesen hatte man aus Munitionshülsen geformt. „Wir spielten in einer Spelunke“, erinnert sich Nowottny. Jeden Abend gab es fünf englische Zigaretten, ein Vermögen.

Journalist wollte er werden, heute würde man sagen, irgendwas mit Medien. Er hatte angefangen, als freier Journalist für die „Freie Presse“ zu schreiben, eine Zeitung, die von der Militärregierung zensiert wurde und aus der später die „Neue Westfälische“ hervorging. Also schrieb er Meldungen für den Lokal-Teil der Zeitung, bekam etwas Geld, aber, als er ein Volontariat machen wollte, beschied ihn der Chefredakteur: „Lernen Sie doch erst mal etwas Vernünftiges!“ Nowottny war nicht der erste Bewerber um eine Ausbildungsstelle bei der Zeitung, also lernte er Versicherungswirtschaft bei der „Deutschen Reichsbahnsterbekasse“, eine Sozialeinrichtung der Deutschen Reichsbahn, wie die heutige Bundesbahn damals hieß, und aus der Sterbekasse ist die Deutsche Eisenbahnversicherungskasse geworden. „Ein honoriges Unternehmen,heute in Köln.“ Dort arbeitete er in der Werbeabteilung, in der Rechtsabteilung und schließlich im Büro des Vorstandsvorsitzenden. Was wichtig war, weil er darüber einen Dauerfahrschein bekam auf allen Strecken der Reichsbahn erster Klasse in Deutschland. Dadurch konnte er reisen und schmuggeln, in Urlaub fahren.

Pro Zeile acht Pfennige

Für die Versicherungswirtschaft gründete er eine Hauszeitung „Mein Betrieb“ und arbeitete, wann immer es ging, als freier Mitarbeiter für die „Freie Presse“. Er bekam acht Pfennige für die Zeile und zählte die Zeilen und kontrollierte die Honorarabrechnung des Verlages, ob auch alles stimmte. Er war ja auf jede Reichsmark angewiesen. Dann hat er noch Fotos gemacht für den Sportteil. Und schließlich erhielt er doch die Volontärsstelle und wurde nach Beendigung der Ausbildung Redakteur. „Ich bin durch alle Lokalstellen gescheucht worden, es waren wohl 19, was mir gut getan hat, obwohl es richtige Knochenarbeit war. Und wenn ich an meine Zeit in Bohmte denke: Da bin ich mit dem Dienstfahrrad von Termin zu Termin, bei jedem Wetter, Regen, Wind, Schnee. Das Rad habe ich auf Kosten des Verlags waschen lassen. Es passierte ja nicht viel und ich musste jeden Tag zehn Blatt, zehn Seiten abliefern, Punkt 14 Uhr in den Karton packen und mit dem Expresszug nach Bielefeld schicken.“: Zehn Seiten für den Lokalteil, mit Meldungen der Polizei, über Goldhochzeiten, Familienfeiern, die Wirtschaft, und einige Texte hat er aus anderen Blättern mit der Schere rausgeschnitten. „Eine Schule fürs Leben.“ Er hat für den Lokalteil in Bünde geschrieben wie für den in Bad Oeynhausen. Letzteres muss spannend gewesen sein. Dort waren noch ein paar Tausend englische Soldaten stationiert, deren Viertel mit einem Stacheldraht umgeben war. So hat er es vor Jahren im Interview mit dem Deutschlandfunk geschildert und so beschrieb er es jetzt im Gespräch mit dem Autor dieser Geschichte.

Die Arbeit für die Zeitung faszinierte ihn. In Bielefeld traf man sich in der Schipka-Pass-Kneipe, gegenüber der Freien Presse, dort saßen dann nach Feierabend die Setzer und Journalisten und tranken ein Bier. Friedrich Nowottny lernte dort den Lokalchef Böhm kennen, der ihm half, seine Frau redigierte hin und wieder seine Texte. Über die Wirtschaft hatte er einiges gelernt bei der Eisenbahn-Versicherung, er konnte Bilanzen lesen und er konnte vor allem verständlich schreiben. Man verstand seine Beiträge. Irgendwann wurde er Chef des Wirtschafts-Ressorts des Blattes, sprach mit Größen wie VW-Chef Nordhoff. Die Wirtschafts-Seite fand Anerkennung über die Region hinaus. Der Verleger des Blattes, Emil Groß, mochte ihn. „Er hat mir hin und wieder 50 Mark extra gegeben, das war viel Geld. Und wenn er mich sah, hat er mich oft gefragt, ob ich schon etwas gegessen habe.“ So waren die Zeiten. Statt des Dienst-Fahrrads bekam Friedrich Nowottny einen Gogo. Sein Aufstieg hatte begonnen.

Freitagabend Bericht aus Bonn

Karrkatur: Friedricht Nowottny im Interview mit Helmut SchmidtDer Saarländische Rundfunk wurde aufmerksam auf den Ressortchef Wirtschaft Friedrich Nowottny, der nie Wirtschaft studiert hat, der aber so schrieb, dass die Leser ihn verstanden. Und so kam der WDR auf ihn zu. Die Ehefrau des Bonner Bürochefs Müggenburg hatte davon gehört, wie der junge Mann Nowottny in Saarbrücken die soziale Marktwirtschaft unter die Leute brachte. Titel: „Der Markt- Wirtschaft für Jedermann.“ Also sagte sie ihrem Mann: Ruf den doch mal an. Der kann Wirtschaft erklären. Und so geschah es. 1966, 1967, Große Koalition, Zeit der mittelfristigen Finanzplanung, der Schillers und Strauß. In Bonn wurde er erst Vize, dann Chef des Büros, machte Interviews mit den Größen der Republik, mit Willy Brandt, Helmut Schmidt, Walter Scheel, später mit Helmut Kohl. Seine Moderation des Berichts aus Bonn waren Straßenfeger, Freitagabend war Nowottny-Zeit, zumindest für mich und viele meiner Freunde und Bekannten. Er war auf Augenhöhe mit den Großen, ließ sich aber nichts vormachen. Der Fernsehzuschauer hatte mit Nowottny den Eindruck, der ist einer von uns, unbestechlich, locker trat er vor den Bildschirm und schien ein wenig in sich zu grinsen, wenn er moderierte und dabei über die Minister und Kanzler redete, er war dabei fast etwas kabarettistisch, stichelte gern, wahrte die Distanz und trat seinem Gegenüber schon mal auf die Füße. Verbal. An Freitagabenden im Bericht aus Bonn. Und die Schlussworte waren immer: Auf Wiedersehen. Das Wetter. Dabei lächelte er. Der körperlich eher kleine Mann war ein Großer vor dem Bildschirm und später als Intendant des größten Senders in Europa.

Und heute, was sagt einer wie er zur heutigen Lage? Da die AfD dabei ist, stärkste Partei zu werden, da wieder Kriege geführt werden, da in Amerika ein unberechenbarer Präsident Trump regiert, dem beinahe alles zuzutrauen ist, der Grönland will und Kanada, der den Regierungschef von Venezuela einfach nach Amerika entführen ließ, der den Gaza-Krieg Netanjahus zuließ, jetzt da Russland wieder zum Feind geworden ist. „Ich bin sehr besorgt und hätte mir das vor Jahren nicht vorstellen können. Wir waren doch in Europa umzingelt von Freunden, umarmten die Russen und die uns“. Nowottny erinnert sich zu gut an die Jahre mit Gorbatschow, den er noch im Kreml besuchte, als der Nachfolger Jelzin vor der Tür stand, um ihm die Abschiedspapiere zu überreichen. Er habe einen „slawischen Rundschädel“, beschied Gorbi den deutschen Journalisten aus Bonn. Und jetzt führen die Russen Krieg gegen die Ukraine, ist mit Wladimir Putin wieder einer Präsident im Kreml, den man fürchten muss.

Friedrich Nowottny 2025Nowottny ist Zeitzeuge, vielleicht einer der letzten, der die gesamte Geschichte der Bundesrepublik bewusst erlebt hat. Die Verwurzelung der Demokratie, ihre Akzeptanz mit allen Skandalen und Krisen, hält er für die eigentliche Errungenschaft der Epoche. „Ich bin einer der Letzten, die noch aus eigener Erfahrung wissen, dass Freiheit alles anderes als selbstverständlich ist. Und weil er die Geschichte und die Zusammenhänge und auch die Geschichte der Vertriebenen gut kennt- er ist ja auch einer gewesen-„, kritisiert er vor allem die Führung der CDU und der CSU. Und erinnert an Konrad Adenauer. „Ich habe die Zeit erlebt, als der BHE(Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) und die Deutsche Partei(DP) bei Wahlen kandidierten und viele Stimmen bekamen. Ich weiß noch, dass ein DP-Politiker Heinrich Hellwege Ministerpräsident von Niedersachsen wurde. Damals hat die Union die Anhänger dieser rechten Parteien, es waren Millionen, für sich gewinnen können. Das ist Adenauer gelungen. Die Brandmauer löst nichts, sie hilft nur der AfD.“

 

Bildquellen:

Titelbild: Bundesarchiv, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Bilder im Text: Friedrich Nowottny

 

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