Ein exzellenter Kandidat sei er, der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer. Mit diesem Argument schlägt Verteidigungsminister Pistorius ihn als Kandidaten für den NATO-Militärausschuss vor. Er sei eine gute Wahl.
Seine Eignung beschreibt Breuer selbst auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2023 so:
„Alle müssen in die Arena kommen. Platz auf den Zuschauerrängen gibt es nicht. Popcorn ist alle.“
In einem Interview ergänzt er: „Es wird Militärkolonnen auf den Autobahnen geben. Tiefflieger werden über die Innenstädte donnern. Das macht uns kriegstüchtig und wehrhaft. Allen Soldaten sei klar, dass wir kämpfen können und gewinnen wollen, weil wir gewinnen müssen.“
Wir müssten unsere Werte, unsere Freiheit, unsere Art zu leben verteidigen. Dazu bedürfe es einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz. Alle Lebensbereiche müssten davon erfasst werden. Wir alle sind geborene Verteidiger unseres Landes: „Kommen Sie in die Arena!“ fordert er uns auf.
Das also macht den des Kandidaten Breuer geeignet für den Vorsitz im Militärausschuss der Nato. Ein Mann, der die gesamte Republik zur Militarisierung aufruft. Alle, wirklich alle sollen in die Arena, auch die Kinder. Popcorn ist alle.
Das alles ist eine Absage an das Leitbild vom „Staatsbürger in Uniform“. Wolf Graf von Baudissin als Erneuerer der Bundeswehr hatte es entwickelt. Ein neues Selbstverständnis des Soldaten sollte es sein, ein Antibild gegen das Wertesystem der deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg, das ungeheuerliche Verbrechen möglich gemacht hat.
Nie wieder sollte der Soldat das Gefühl haben, nur ein Objekt zu sein. Mündig sollte er sein, eigenverantwortlich. Auch bereit, sich zu beschweren und den Gehorsam zu verweigern. Auch das gehört zum Staatsbürger in Uniform.
Der Feind des Soldaten sei nicht der Soldat des anderen Bündnisses, sondern der Krieg. Die Sicherheit des Gegenübers sei genauso wichtig wie die eigene Sicherheit. Angesichts der Massenvernichtungsmittel und der Waffenentwicklung kann Krieg für Baudissin keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein. Irrational sei es und ein Spiel mit der Katastrophe. Eine Strategie, die vernichtet, was sie zu schützen vorgibt, könne keine Strategie sein.
In seinem Buch „Nie wieder Sieg“ schreibt er: “Allein Vernunft und eine objektive Einschätzung der Interessen, Motive und Optionen anderer Staaten ermöglichen es, die Bedrohtheits- und Feindschaftsgefühle zu kontrollieren und zu einem Modus vivendi zu finden.“
Für Baudissin war klar: unsere autoritäre kriegsverherrlichende Vergangenheit kann kein Leitbild für einen Staatsbürger in Uniform sein und einen Soldaten für den Frieden.
So waren auch die traditionellen alten militärischen Rituale für Baudissin nicht mehr mit dem Leitbild des Staatsbürgers in Einklang zu bringen. Das an schaurig dunklem Abend zelebrierte Ritual zum Afghanistankrieg oder Gelöbnisse mit der angebeteten Macht der Liebe und dem lauten Schwur auf „Gott“, der helfen möge, hatten für ihn den Anschein erweckt, der Staat wolle Soldaten mit Haut und Haaren in seinen Dienst stellen. Das stünde einem Rechtsstaat schlecht an, meinte er. Solche Rituale würden die Forderung nach gewissenhaftem, kritischem Gehorsam vernebeln.
Statt „Nie wieder Sieg“ heißt es nun: wir müssen gewinnen und alle müssen in die Arena.
Die wehrpflichtige Jugend wird wieder, so der Generalinspekteur Breuer, zum „Aufstockungspotenzial“. Der Staatsbürger in Uniform ist damit entsorgt.
Die Kämpferideologie hat die Bundeswehr ergriffen. Darauf hatte bereits 2011 Professor Wiesendahl von der Bundeswehruniversität München mahnend hingewiesen: In der Politik und Militär findet sich niemand, der der dem Vordringen der Kämpferideologie Einhalt gebietet. „Es fehlt jedes Wort, das den demokratischen Wertbezug der Leitkultur der Bundeswehr hervorkehrt und außer Zweifel stellt, dass jeder Einsatz, alles Kämpfen, sich nur durch die im Grundgesetz verankerten Grundwerte rechtfertigen lassen.“
Wo sind die vernünftigen und besonnenen Strategen in Politik und Bundeswehr, die dem Friedensgebot des Grundgesetzes wieder Geltung verschaffen?
Zum Autor: Klaus Kenke ist Pfarrer im Ruhestand aus Düren.











