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Home Politik

Die Tendenz zu Enthauptungsschlägen. Eine emotionsfreie Würdigung der Maduro-Festsetzung

Jochen Luhmann Von Jochen Luhmann
5. Januar 2026
Statue des Perseus mit dem abgeschlagenem Kopf der Medusa

1.      Einleitung

Die Digitalisierung ist ein technischer Fortschritt mit Miniaturisierung. Waffentechnisch hatte sie Dreierlei zur Folge

  1. Entwicklung zielgenauer Abstandswaffen (Mittelstreckenraketen, Drohnen);
  2. Recherchierbarkeit und Verfolgbarkeit der Aufenthaltsdaten von jeglicher Person, auch hochrangiger.
  3. Sie ist eine Dual Use-Technologie. Wegen enormer Kostensenkungen bei Massenproduktion im zivilen Bereich ist sie die Technologie der Minderbemittelten geworden, mit der diese kostenträchtige High-Tech-Waffen unterlaufen können.

Zusammen machte das Enthauptungsschläge technisch möglich. Also erleben wir gegenwärtig eine enorme Steigerung von Versuchen der „Enthauptung“ einer Staatsführung bzw. eines Regime Changes durch ein „targeted killing“ – d.i. der US-offizielle Ausdruck für das, was rechtlich „Extra-Judicial Executions“ heisst,. Der jüngste Vorgang in Caracas (Venezuela) ging ohne Tötung des Staatsoberhaupts daher, reiht sich aber doch ein in eine Kette analoger Versuche und Unternehmungen.

2.     Konzept und Erfolg der Maduro-Entführung

Aus rein militärischer, also instrumenteller Sicht hat man zu dem Schlag des US-Militärs gegen die venezolanische Staatsspitze am 3. Januar 2026 zunächst einmal zu gratulieren: Er war erfolgreich.

Das hebt ihn ab von dem Versuch Russlands gegen den Präsidenten der Ukraine am 24. Februar 2022, der weit breiter angelegt war aber fehlschlug. Es hebt ihn auch ab von dem Versuch Israels am 15. Juni 2025, die gesamte sicherheitspolitische Führungsgruppe des Iran, darunter den Staatschef des Iran, zu töten durch einen Schlag mit Distanzwaffen gegen den Nationalen Sicherheitsrat des Iran während einer Sitzung in Teheran.

Es hebt ihn aber auch ab von dem Schlag (Operation Neptune Spear) der USA am 2. Mai 2011 unter Präsident Obama gegen Osama bin Laden, in dem ähnlich wie jetzt im Falle Maduro das Anwesen der Zielperson durch ein Spezialkommando in Transporthubschraubern angeflogen wurde, um der gesuchten Person habhaft zu werden. Anders aber als im aktuellen Fall wurde bin Laden (samt Partnerin und Sohn) vor Ort getötet, als Leichnam ausgeflogen und nach gerichtsmedizinischer Identifizierung verbrannt.

Die Pointe des US-Vorgehens im Falle Maduro ist somit der Verzicht auf Tötung und dessen Implikation, der mögliche Plan eines Schauprozesses gegen den amtierenden Präsidenten eines anderen Staates auf dem Boden der USA – sofern das Ehepaar Maduro nicht zu Zwecken eines Deals genutzt werden wird.

3.     Eigengefährdung der Enthaupter

Folge der zunehmenden Enthauptungen ist die Produktion des Bedürfnisses, den für Enthauptungsschläge Verantwortlichen, die ebenfalls ganz oben in Befehlsketten angesiedelt sind, dasselbe Schicksal zu bereiten wie sie es anderen bereitet haben.

Insofern ist Donald Trump eine hochgefährdete Person. Er hatte entschieden, formal noch während seiner ersten Amtszeit, aber faktisch schon nach seiner Abwahl, eine „Enthauptung“ in den Morgenstunden des 3. Januar (Ortszeit) 2020 am Flughafen von Bagdad durchführen zu lassen. Es traf zwei Befehlshaber von „Revolutionsgarden“ genannten Militärs, sowie mehrere Begleiter niedrigeren Ranges – der „Kollateralschaden“, um ein oder zwei Zielpersonen zu treffen, war ungewöhnlich hoch.

Ziel des Anschlags war der Chef der Iranischen Militärs, General Qasem Suleimani, sowie sein Gastgeber, der ihn am Flughafen empfangen hatte, der stellvertretende Befehlshaber der vergleichbaren Garden im Irak, Abu Mahdi al-Muhandis. Die vom Iran angekündigte Vergeltung steht aus.

Angesichts des Entwicklungsstandes der Drohnen-Technologie, der geringen Kosten und der Möglichkeit der dezentralen Steuerung durch sog. „Wegwerfagenten“ kann man so gut wie sicher davon ausgehen, dass der aktuelle Präsident der USA seinen Tod nicht auf natürliche Weise finden wird. Die beiden Anschlagsversuche, die auf den jetzigen Präsidenten der USA im Wahlkampf im Jahre 2024 mit Schusswaffen von persönlich anwesenden Personen durchgeführt worden sind, wirken wie aus der Zeit gefallen, von technologischen Hinterwäldlern durchgeführt. Die Schutzlosigkeit gegenüber Drohnen, die dem deutschen General Alfons Mais bei einem Litauen-Besuch im Herbst 2025 in Anwesenheit von Journalisten dramatisch vorgeführt worden ist, gilt für höherrangige Personen ebenso, und das weltweit – insbesondere, wenn sie aus dem Amt geschieden sind.

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